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Motorsport : Warten auf den „Big Bang“ und die Kettenreaktion

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Trotzdem muß man sich hüten, die Schuld für die Misere allein bei den Fahrern zu suchen. Das Problem ist vielschichtig. "Unsere Strukturen sind nicht geeignet, junge Leute nach oben zu bringen", sagt Theo Hoffmann vom Hersteller Yamaha. Es fängt schon bei banalen Dingen an. So bremsen die in Deutschland besonders starren Schulregeln begabte Jungrennfahrer auf dem Weg an die Spitze. "Du bekommst nur Knüppel zwischen die Beine", sagt der frühere Rennfahrer Helmut Bradl, dessen Sohn Stefan in dieser Saison sein WM-Debüt gibt. Zudem mangelt es Nachwuchsfahrern an Trainingsmöglichkeiten. Mit fünf großen Rennkursen gibt es in Deutschland zwar mehr Strecken als anderswo in Europa, doch Trainingsrunden kann sich dort in der Regel keiner leisten.

Zersplitterung der Verbandslandschaft

In anderen Ländern wie Australien oder Spanien soll es üblich sein, daß sich auf ihren Ringstrecken einheimische Fahrer für wenig Geld oder gar kostenlos in die Kurve legen können. Aber auch die Zersplitterung der Verbandslandschaft legt der Entfaltung der Kräfte eher Fesseln an, als daß sie sie löste. Es existiert ein Deutscher Motorsport-Verband (DMV) und ein Deutscher Motor-Sport-Bund (DMSB); dahinter stehen mächtige Organisationen wie der ADAC und der AvD (Automobilclub von Deutschland). Entsprechend zerfranst ist auch die Rekrutierung und Steuerung der Nachwuchsarbeit.

Es gibt also viele Gründe für die Krise. Trotzdem muß das nicht bedeuten, daß nicht eines Tages doch ein großer Champion auf zwei Rädern heranwächst. Es gibt schließlich genug Beispiele dafür, wie einzelne herausragende Figuren eine Initialzündung verursachen und damit eine Kettenreaktion auslösen - siehe Michael Schumacher und die Formel 1: Erst kommt der Big Bang, und dann ergibt sich alles andere.

„Alles hängt am Hero“

"Alles hängt am Hero", sagt der Oberpfälzer Harald Eckl, der früher selbst in der WM fuhr und heute als Teamchef des Rennstalls Kawasaki in der "MotoGP"- Klasse arbeitet. Eckl stand vor einigen Jahren kurz davor, mit ADAC-Unterstützung einen alten Traum zu verwirklichen und einen Rennstall für begabte Nachwuchsfahrer zu gründen, eine Art Team Deutschland. Doch der ADAC entschied für einen anderen Weg. Er rief den Rookies Cup ins Leben, in dem die jungen Piloten an das WM-Niveau herangeführt werden sollten. Noch heute sind sich alle einig, daß der Rookies Cup ein richtiger Weg gewesen sei. Doch als rasche Erfolge ausblieben, brach der ADAC das Experiment nach drei Jahren wieder ab. Nun ruht die letzte Hoffnung auf Harald Eckl. Es könnte sein, daß dessen Zusammenarbeit mit Kawasaki nach dieser Saison endet. Womöglich stürzt er sich dann noch einmal in die Aufbauarbeit, um, wie er sagt, "das Toni-Mang-Syndrom wieder aufleben zu lassen".

Gewiß ist, daß die mächtige Dorna-Organisation, die hinter der WM-Serie steht, einem deutschen Weltklasse-Fahrer alle Türen öffnen würde. Schließlich gilt Deutschland als wichtigster Motorrad-Markt der Welt. Doch wenn das Zeug zum Spitzenfahrer fehlt wie im Fall Jenkner, hilft alles Pampern nichts. Immerhin muß man nicht befürchten, daß der Sachse seinen Unterhalt künftig mit dem Verlegen von Wasserrohren bestreiten muß. Er betreibt mit seiner Freundin Mandy ein "Wellness- und Atemluftstudio". Irgendwie muß auch ein Rennfahrer a. D. über die Runden kommen.

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