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Motorsport : „Sogar zum Runterfallen zu langsam“

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Völlig desillusioniert: Steve Jenkner Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Es ist ein Dilemma mit den deutschen Piloten im Motorrad-Grand-Prix: Den Talenten fehlt es an Biß und Professionalität. Ihre Bilanz ist niederschmetternd, sie fahren ständig hinterher. Kritiker sprechen von der „letzte Stufe des Niedergangs".

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          Wenn Steve Jenkner an diesem Samstag um halb eins auf dem Motodrom von Assen an der Startlinie steht, wird er sich wünschen, er könnte sein Gedächtnis so einfach ausschalten wie den Motor seiner 250er Aprilia: per Knopfdruck. Wahrscheinlich wird es ihm nicht gelingen. Wie soll er auch vergessen, was er vor zwei Jahren auf dem wunderschönen Rennkurs der nordholländischen Stadt erlebt hat?

          Damals gelang dem zierlichen Sachsen in seinem 98. WM-Rennen der erste und bislang einzige Sieg seiner Karriere als Motorradpilot. Es war ein großer Augenblick für ihn, so groß, daß ihm die bloße Erinnerung daran heute unter die Haut geht. Denn erst der Vergleich mit damals macht ihm das ganze Elend dieser Saison bewußt. "Das tut richtig weh", sagt Jenkner tonlos (Siehe auch: Ergebnisse Motorsport).

          Niederschmetternde Bilanz

          Die Bilanz nach den ersten sechs Rennen in der Klasse bis 250 Kubikzentimeter ist niederschmetternd: null Punkte, eine einzige Zielankunft, zwei Stürze und mehrere Brüche an beiden Händen. Dabei hatte sich der Achtundzwanzigjährige, der in Sichtweite des Sachsenrings aufwuchs, das alles ganz anders vorgestellt. Im vergangenen Jahr zwang ihn das Reglement zum Ausstieg aus der Achtelliterklasse, er hatte das Alterslimit erreicht. Jenkner wollte sich und seinen Kritikern in diesem Jahr zeigen, daß er doch ein ganzer Kerl ist und nicht der Zauderer, den viele in ihm sehen.

          Schlichtweg nicht schnell genug: Steve Jenkner legt sich vergebens quer
          Schlichtweg nicht schnell genug: Steve Jenkner legt sich vergebens quer : Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

          Denn die Zweitaktrenner der 250er Klasse sind ganz andere Kaliber als die wie Nähmaschinen surrenden Achtellitermotoren, deren Schub und Geschwindigkeit (um die 220 Kilometer pro Stunde) auf erfahrene Piloten eine eher einschläfernde Wirkung haben. Dabei schwört Jenkner, daß er die Umstellung bewältigt habe. Die Ursachen für die Malaise liegen seiner Ansicht woanders: im Pech, an schlechten Reifen, in der technischen Unterlegenheit seiner Aprilia.

          Ursachen für die Malaise

          Woran auch sonst? Wann immer deutsche Motorradfahrer nach den Gründen ihrer Schwäche gefragt werden, haben sie die gleiche Antwort parat. Daß Erfolg und Mißerfolg auch etwas mit den Fahrern zu tun haben könnten, kommt ihnen nicht in den Sinn. Insofern wirft der Fall Jenkner ein bezeichnendes Licht auf den Zustand des einst ruhmreichen deutschen Motorradrennsports.

          Ralf Waldmann, der bis heute letzte Pilot von Klasse aus dem Land des fünfmaligen Champions Anton Mang, hatte schon vor vier Jahren verkündet, die "letzte Stufe des deutschen Niedergangs" sei erreicht. Doch Jahr für Jahr kam es noch schlimmer. In dieser Saison starten neben Jenkner noch fünf weitere Fahrer in der Grand-Prix-Serie: Alexander Hofmann (Kawasaki/Moto-GP-Klasse), Dirk Heidolf (Honda/250 ccm), Dario Guiseppetti (Aprilia/125 ccm) sowie die beiden Fünfzehnjährigen Sascha Hommel (Malaguti/125 ccm) und Sandro Cortese (Honda/125 ccm). Sie haben eines gemein: Alle fahren der Konkurrenz hinterher.

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