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Motorsport : Schnupperkurs für Bübchen

Rennstrecke statt Schulbank Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die Fahrer sind fast noch Kinder. Einige von ihnen sind gerade erst 16 Jahre alt. Bei der Formel BMW in Bahrain verdienen sich die talentiertesten Nachwuchsfahrer aus 15 Ländern die ersten Sporen.

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          In den frühen Morgenstunden, als sich die Sonne über die Wüste geschoben hat und den Asphalt der Rennstrecke glänzen läßt wie schwarzen Lack, steht ein dürrer, großer Junge mit blondem Haar einsam in der Boxengasse. Blaß sieht er aus in seinem weißen Fahreranzug, der am Hals leicht geöffnet ist, weil es heiß ist in der Wüste von Bahrain. Und mit seinen jugendlichen Gesichtszügen wirkt Nicolas Hülkenberg auf den ersten Blick wie jemand, der noch nicht in diese Welt gehört. Jener Kosmos, der beherrscht wird von Motorengebrüll und Gummigeruch und der von den Siegen lebt. Nur von den Siegen.

          Katharina Iskandar
          Verantwortliche Redakteurin für das Ressort „Rhein-Main“ der Sonntagszeitung.

          „Wenn man hier mithalten will“, sagt er, „muß man immer der Beste sein, immer der Schnellste. Derjenige, der alle anderen hinter sich läßt.“ Und während er das sagt, bekommt sein Gesicht langsam Farbe, seine Schultern straffen sich. Mit seinen 18 Jahren wirkt er plötzlich unverschämt erwachsen. Vielleicht weil er weiß, daß er hier nur überleben kann, wenn er zeigt, daß er zu den deutschen Hoffnungsträgern gehört, die es derzeit neben Nico Rosberg und Sebastian Vettel gibt. Die Formel BMW ADAC Meisterschaft hat Hülkenberg gewonnen, ebenso den Rookie Cup. Der nächste Schritt wäre der Einstieg in die Formel drei. Der Sprung zur Formel eins, sagt er, sei dann trotzdem noch weit. „Aber ich will das. Unbedingt.“

          Rennstrecke statt Schulbank

          Nun steht er an der Strecke, auf der Michael Schumacher schon gewonnen hat. In wenigen Stunden fährt Nicolas Hülkenberg denselben Parcours. Auf den Spuren der „ganz Großen“, wie der junge Nachwuchsfahrer die Formel-1-Piloten nennt. „Für mich „, sagt er, „ist das aber nur eine Strecke.“ Ihm ist es egal, ob er hier in Bahrain oder auf dem Nürburgring fährt. Er denkt nicht an Schumi und auch nicht daran, was es bedeutet, als Achtzehnjähriger bei der Formel BMW in Bahrain zu sein, während andere Jungen in seinem Alter zur Schule gehen, sich vielleicht sogar auf das Abitur vorbereiten, auf das der Nachwuchsfahrer des Sports wegen verzichtet hat. „Für mich zählt einfach nur das Rennen“, meint er. „Schneller zu sein als die anderen. Das ist meine Motivation.“

          Formel 1: Das Ziel der Rennbübchen
          Formel 1: Das Ziel der Rennbübchen : Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

          Die anderen Fahrer, das sind auch fast noch Kinder. Einige von ihnen sind gerade erst 16 Jahre alt - so wie der Kanadier Robert Wickens oder Hülkenbergs Teamkollege Christian Vietoris. Alle sind schmal gebaut, groß, mit einem bübchenhaften Lächeln auf dem Gesicht; und alle wollen gewinnen, um weiterzukommen in diesem Kosmos, der bei der Formel BMW daraus besteht, zu erleben, wie es ist, neben den talentiertesten Nachwuchsfahrern aus 15 Ländern zu fahren - und wie es sich anfühlt, nach dem Sieg mit Champagner um sich zu spritzen und sich freudig taumelnd sagen zu hören, daß nun ein großer Traum in Erfüllung gegangen sei.

          Über Geld spricht man nicht

          Der Traum besteht bei der Formel BMW in einer Testfahrt; ein „Schnupperkurs“, wie BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen den halben Tag nennt, den der Sieger mit dem BMW-Sauber-Team der Formel 1 verbringen darf. „Das wäre wirklich unglaublich“, sagt Nicolas Hülkenberg, noch bevor er am Finaltag den Wagen besteigt und noch bevor er weiß, wie es am Ende ausgehen wird. Der Traum bei diesem Rennen sind aber auch die 60.000 Euro Preisgeld. Hülkenberg weiß, daß er über Geld nicht sprechen darf. Keiner der jungen Fahrer darf das. Das sind die ersten Lektionen, die man als Rennfahrer lernt. „So ein Betrag“, sagt er deshalb ausweichend, „ist nur ein Bruchteil von dem, was man als junger Rennfahrer investiert.“ Rund 200.000 Euro kostet eine Saison in der Formel BMW. Sollte Hülkenberg demnächst in der Formel drei fahren, steigen die Kosten auf das Dreifache - und sind ohne Sponsoren kaum noch zu bezahlen.

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