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Motorsport : Neuer Titel für Jean Todt: Vatanen deutlich besiegt

  • Aktualisiert am

Michael Schumacher (r.) freut sich mit: Jean Todt ist neuer Präsident der Fia Bild: AP

Neuer Präsident des Automobilweltverbandes Fia ist Jean Todt. Der frühere Ferrari-Teamchef setzte sich gegen Ari Vatanen durch. Todt löst den Briten Max Mosley ab, der seit 18 Jahren den Dachverband führte. Auch ein Deutscher wird im Fia-Senat vertreten sein.

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          Wenn der Franzose Jean Todt etwas erreichen will, bereitet er die Entscheidung generalstabsmäßig vor. So hat er einmal den Weltmeistertitel als Rallye-Beifahrer gewonnen, viermal gelang ihm das als Rallye-Teamchef und schließlich, als Krönung seines Lebenswerks, dreizehn Mal mit Ferrari in der Formel 1. Und auf diese Weise wurde er auch am Freitag Präsident des Internationalen Automobilverbands (Fia) - mit deutlichem Ergebnis.

          Bei der Wahl durch die Generalversammlung in einem Luxushotel in Paris erhielt Todt 135 Stimmen, sein finnischer Gegenkandidat Ari Vatanen nur 49, dazu gab es zwölf Enthaltungen oder ungültige Stimmen. Der 63 Jahre alte Todt wird damit für mindestens vier Jahre eine der Schlüsselpositionen des internationalen Sports bekleiden. Für eine weitere vierjährige Periode könnte er 2013 wiedergewählt werden. Die Fia regelt nicht nur den weltweiten Motorsport auf vier Rädern, ihren zweiten Zuständigkeitsbereich nennt sie selbst „Automobile, Mobilität und Tourismus“.

          „Die Arbeit meines Teams wird auf Konsens basieren“

          Der Brite Max Mosley war nach sechzehn Jahren im Amt nicht mehr zur Präsidentenwahl angetreten. Aus seinem Wunsch, Todt als seinen Nachfolger zu sehen, hatte Mosley, wie auch der Formel-1-Manager Bernie Ecclestone, kein Geheimnis gemacht. Zu den Unterstützern des Methodikers aus Frankreich in einem zeitweise mit harten Bandagen geführten Wahlkampf gehörte auch Michael Schumacher aus der Ferrari-Erfolgstruppe, dazu der brasilianische Fußballstar Pelé und der Filmregisseur Luc Besson. Ari Vatanen, EU-Parlamentarier und ehemaliger Rallye-Weltmeister, hatte angekündigt, den internationalen Motorsport zu reformieren, unter anderem durch die Gründung einer Ethik-Kommission.

          Der Verliere und der Sieger: Ari Vatanen (l.) unterlag Jean Todt

          „Die Arbeit meines Teams wird auf Konsens, nicht auf Konfrontation basieren“, hatte Todt vor der Abstimmung angekündigt. „Wir wollen die Formel 1 so weiterentwickeln, dass alle Beteiligten profitieren, die Teams und die Fans.“ Unter Todts Führung gehört ein Deutscher künftig dem Senat der Fia an: Rudolf Graf von der Schulenburg, Präsident des Automobilklubs von Deutschland. Hermann Tomczyk (Rosenheim), Vizepräsident des ADAC und in den vergangenen vier Jahren Fia-Vizepräsident für den Bereich Motorsport, gehörte zu den Unterstützern von Vatanen und hat seine Spitzenposition verloren. Auch ADAC-Präsident Peter Meyer aus Mülheim an der Ruhr hätte nur unter Vatanen einen Führungsposten errungen.

          Jean Todt - gewiefter Stratege und besessener Arbeiter

          Der am 26. Februar 1946 in Pierrefort als Sohn polnischer Auswanderer geborene Todt steht vor allem für Erfolg im Motorsport. 1993 übernahm er die Leitung der Ferrari-Sportabteilung, entriss den Formel-1-Rennstall dem italienischen Schlendrian und machte daraus eine hochprofessionelle Titelschmiede. Er ist der Vater des in seiner Effektivität unerreichten Trios aus Ross Brawn als Technischem Direktor, Rory Byrne als Chefkonstrukteur und Michael Schumacher als Chefpilot. Später stieg Todt bis zum Geschäftsführer und Generaldirektor des Gesamtkonzerns auf und wurde zur rechten Hand von Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo.

          Bis Todt im vergangenen Jahr seinen Posten als Sportchef an Stefano Domenicali abgab, hatte Ferrari insgesamt 13 Titel in der Fahrer- und Konstrukteurswertung gewonnen. Der kleingewachsene Todt gilt als gewiefter Stratege, als besessener Arbeiter, als ein Mann unter ständiger Hochspannung. Sein Sohn Nicolas ist ebenfalls im Motorsport aktiv, er betreut unter anderem Fahrer wie den Brasilianer Felipe Massa. Todt ist mit der malaysischen Schauspielerin Michelle Yeoh liiert. 2007 wurde er zum „Grand Officier“ der französischen Ehrenlegion ernannt.

          Die Fia - wer ist das?

          Die beiden Säulen der „Fédération Internationale d‘Automobile“ sind die Bereiche Motorsport sowie Automobile, Mobilität und Tourismus. Sie ist der Dachverband der weltweit führenden Automobilorganisationen. Die Fia mit ihrem Sitz in Paris vertritt die Rechte dieser Clubs und der Automobilnutzer und verteidigt deren Interessen. Sowohl für den Motorsport als auch für den Sektor Automobile, Mobilität und Tourismus gibt es je einen zuständigen Weltrat.

          Der Fia gehören 221 nationale Automobilverbände und Sportorganisationen aus 132 Ländern aller fünf Kontinente an. Diese repräsentieren weltweit nach Fia-Angaben schätzungsweise 100 Millionen Mitglieder. Die Fia ist auch Regelbehörde für den weltweiten Motorsport auf vier Rädern. Das betrifft neben der Formel 1 auch die Rallye-WM und die Tourenwagen-WM. (dpa)

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