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Motorsport : Formel 1 fährt radikalen Sparkurs

In Zukunft wird gespart: Nelson Piquet braucht während der kommenden Saison nicht auf Testfahrten warten Bild: dpa

Keine Testfahrten während der Saison 2009, länger einzusetzende Motoren, möglicherweise auch Abkehr vom Bremsenergiespeicher: Die Formel-1-Rennställe und der Internationale Automobil-Verband haben sich wohl auf ein umfangreiches Sparprogramm geeinigt.

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          Die Formel-1-Rennställe und der Internationale Automobil-Verband (FIA) haben sich auf das wohl umfangreichste Sparprogramm der Formel-1-Geschichte geeinigt. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung soll der FIA-Weltrat an diesem Freitag auf seiner Sitzung in Paris der Streichung aller Testfahrten während der nächsten Saison zustimmen.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Der Anteil der Versuchsrunden in einem Team an allen gefahrenen Kilometern (inklusive Training und Grand Prix) beträgt etwa 50 Prozent. Demnach wird der Aufwand bei den großen Teams wie Ferrari und McLaren-Mercedes von rund 50.000 auf etwa 25.000 Kilometer pro Jahr sinken. Nach Jahren der zum Teil eher Mehrausgaben provozierenden Regeländerungen verfolgt die Formel 1 nun auf den ersten Blick einen konsequenteren Sparkurs.

          Motoren für vier Rennen

          Über die radikale Beschneidung der Testfahrten hinaus hat die Rennstall-Vereinigung namens FOTA mit FIA-Chef Mosley in Monaco eine Verlängerung der Laufzeiten für die Motoren beschlossen. Die Einsatzzeit wird von zwei Grand Prix (2008) auf vier im nächsten Jahr erweitert. Jeder Pilot erhält für die Saison nur noch acht Aggregate.

          Die Ausweitung der Laufzeit senkt zwar langfristig die Kosten, wird aber kurzfristig durchaus Geld kosten: „Wenn ein Motor für 900 Kilometer konzipiert ist und nun 1800 aushalten muss, dann geht das nicht ohne Maßnahmen“, sagte ein Motorenexperte. Vor diesem Hintergrund leuchtet die bislang unbestätigte Verständigung der Verhandlungsparteien ein, das Motorenreglement bis 2012 nicht weiter anzutasten.

          Einheitsmotor vom Tisch, KERS-Zukunft ungewiss

          Damit ist der von Mosley weiterhin propagierte Einheitsmotor, gegen den sich Unternehmen wie BMW, Ferrari, Mercedes wehren, vorerst vom Tisch (siehe: Formel 1: Alle Sparmaßnahmen verpuffen). Zumindest wird der FIA-Boss den Konzernen die gewünschten Freiheiten lassen. Kleinere Rennställe sollen das Angebot des britischen Motorenherstellers Cosworth nutzen dürfen.

          Unklar scheint die Zukunft von KERS in der Formel 1. Das System, mit dem Bremsenergie gespeichert und anschließend auf Knopfdruck zur Beschleunigung genutzt werden soll, dient Mosley als Beleg für die Beteiligung der Formel 1 an der Entwicklung umweltschonender Technik. Es soll schon 2009 eingesetzt werden. Eine Verpflichtung besteht allerdings nicht. Mit Ausnahme von BMW stehen alle Teams dem Projekt inzwischen skeptisch bis ablehnend gegenüber.

          Ingenieure müssen um ihre Jobs bangen

          Neben den Umsetzungsproblemen führen die Gegner noch den finanziellen Aufwand an. „Er beträgt wenigstens 25 Prozent des Motorenbudgets“, sagt ein Insider. Angeblich kostet KERS rund 30 Millionen Euro. Langfristig strebt die Formel 1 einen reduzierten Einsatz der bislang rund 20 Stunden pro Tag betriebenen Windkanäle sowie eine Verringerung der Mitarbeiter auf 500 oder sogar nur noch 250 an. Bei Ferrari oder McLaren-Mercedes würden dann bis zu 750 Ingenieure oder Mechaniker ihre Jobs verlieren.

          Bei Honda droht nach dem überraschenden Rückzug inzwischen der gesamten Belegschaft die Arbeitslosigkeit (siehe: Honda-Ausstieg: Formel 1 fürchtet Domino-Effekt). Es sei denn, der Rennstall ließe sich vor dem Saisonstart Ende März 2009 in Melbourne verkaufen. Nur dann könnte der japanische Konzern einen Teil der Ausstiegskosten vermeiden. Nach Berechnungen der Londoner „Times“ kostet Honda die Abkehr von der Formel 1 rund 110 Millionen Euro. Das reichte Force India, dem kleinsten Team, um eine ganze Saison zu bestreiten.

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