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Kommentar : Die Formel 1 im Jammertal

Nicht nur dieser Fan freute sich über den Sieg von Kimi Räikkönen. Bild: AFP

Die Formel 1 hat ein Qualitätsdefizit. Allerdings nicht an der Spitze. Die in Austin schnellsten drei Fahrer fuhren binnen drei Sekunden über den Zielstrich. Viel mehr kann der Sport nicht bieten.

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          Die Zahlen sind eindeutig: Mercedes 563 Punkte, Ferrari 497, Red Bull 337, Renault 106. Auf dem zehnten und letzten Rang der Konstrukteurswertung liegt das einst stolze Williams-Team (7). Die Formel 1 ist eine Dreiklassengesellschaft. Gene Haas, amerikanischer Werkzeugmaschinenproduzent und seit drei Jahren mit seinem eigenen Team am Start, klang in Austin am Wochenende geradezu europäisch-resignativ. „Ich schaue mir die Rennen an und sehe, mit welchem Tempo die Fahrer der besten Teams an uns vorbei blasen. Da bist du etwas entgeistert: wow, was hast du falsch gemacht? Wir holen doch niemals anderthalb, zwei Sekunden gegen diese Jungs auf.“

          Das Rennen in Austin bestätigte Haas. Außer Ferrari, Mercedes und Red Bull hat kein Team Siegchancen. Und so klang es im „Hill Country“ vor der texanischen Hauptstadt wieder wie aus dem Jammertal. Die klagenden, rasenden Pilger durchstreifen die Wüste der Erfolglosigkeit und kommen doch keinen Schritt voran. Wie auch in einer Branche, in der es stets im Kreis geht? Möglich, dass sich das Erfolgsverhältnis ein wenig anpasst, falls eine Kostendeckelung eingeführt wird, von 2021 an schrittweise auf 150 Millionen Dollar im Jahr 2023. Williams-Teamchefin Claire Williams appellierte in Austin aber daran, dass man eine Menge anderer Dinge zu tun habe, um der „DNA dieses Sports“ gerecht zu werden. Das sei nicht ihre Vorstellung von Leistungssport, klagte sie.

          Tatsächlich? 114 Formel-1-Rennen hat Williams seit 1977 gewonnen. In den erfolgreichsten Jahren Anfang bis Mitte der Neunziger Jahre war Williams zeitweise fast unschlagbar. Geklagt haben damals andere. Bei Williams saß das beste Personal, auch am Steuer. Heute muss der Rennstall den Milliardärssohn Lance Stroll ans Lenkrad lassen, der Mitgift wegen. Stroll war in Austin mitverantwortlich für das allzu frühe Abwracken einiger Autos. „Mit diesen Typen kannst Du keine Rennen fahren“, funkte McLaren-Pilot Fernando Alonso nach seinem Abschuss in den Äther. Der zweimalige Weltmeister steigt am Ende der Saison aus, Stroll auf. Sein reicher Vater hat mit Geschäftskollegen das Force-India-Team vor der Abwicklung durch den Insolvenzverwalter gerettet und neben Millionen den Filius hinübergeschoben.

          Formel 1

          Wer darüber klagt, dass die Herkunft und nicht das Talent über das Fortkommen in der Formel 1 entscheidet, erkennt einen wesentlichen Fehler im System. Stroll übernimmt das Cockpit des starken Franzose Esteban Ocon, der ein Jahr zuschauen muss. Das ist ungerecht, aber nichts Neues. Die Formel 1 war immer auch ein Rattenrennen, dem Geld hinterher, bis den Schwächsten die Luft ausgeht. Gefährlich wird es, wenn immer dieselben gewinnen. Alonso hat schon Recht: Die Serie hat ein Qualitätsdefizit. Allerdings nicht an der Spitze. Die in Austin schnellsten drei Fahrer fuhren binnen drei Sekunden über den Zielstrich. Am Ende gewann mit Kimi Räikkönen derjenige, dem die meisten Fans die Daumen gedrückt haben dürften. Viel mehr kann der Sport nicht bieten.

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