https://www.faz.net/-gtl-6uufg

Motorrad-Weltmeisterschaft : „Vielleicht ist Marcos Tod ein Aufwachen für uns“

  • Aktualisiert am

Wir waren alle geschockt, als wir den Unfall von Marco gesehen haben - das ist doch klar. Aber was soll man großartig darüber sagen? Man kann nur hoffen, dass so etwas nicht mehr vorkommt. Jeder von uns ist sich des Risikos bewusst. Aber trotzdem: Wenn ich auf der Maschine sitze, versuche ich weiterhin so schnell wie möglich zu fahren. Darauf konzentriere ich mich auf der Strecke, Angst oder solche Dinge sind für mich überhaupt kein Thema. Ich kann mir darüber nicht permanent Gedanken machen, was alles passieren könnte. Wenn ich mich jetzt schwer mit dem beschäftigen würde, dann würde nur meine Leistung darunter leiden.

Sie haben in dieser Saison unter anderem Ihre Hand verletzt, Ihr WM-Gegner Marc Marquez erlitt in Malaysia unter anderem eine Schulterprellung und eine Gehirnerschütterung - bedeutet der Motorradsport unweigerlich Schmerzen?

Wenn man stürzt, steht man in 75 Prozent der Fälle einfach so wieder auf, und es passiert gar nichts. Manchmal bricht man sich einen Fuß oder einen Arm - das bleibt nicht aus. Es gibt keinen Fahrer, der noch nie eine Verletzung hatte. Das ist ein verdammt harter Sport, aber wird sind auch hart im Nehmen. Wir lieben alle ungemein, was wir dort draußen auf der Rennstrecke machen. Es gibt sehr viele schöne Seiten des Motorradsports. Dass die WM nun aber vielleicht durch eine Verletzung entschieden wird, ist sehr schade. Ich weiß nicht, wie schwer Marc wirklich verletzt ist. Offenbar hat er sich auch noch die Schulter ausgekugelt - das hatte sein Team in Malaysia zunächst noch verheimlicht.

Was würde Ihnen der Titel bedeuten?

Es wäre die Krönung meiner bisherigen Karriere, der absolute Höhepunkt. Damit wäre mein Traum in Erfüllung gegangen, ich wollte immer einen Platz besser sein als mein Vater in der Weltmeisterschaft. Das hätte ich dann geschafft - genau zwanzig Jahre nach seiner Vizeweltmeisterschaft. Das wäre wahrscheinlich der schönste Tag in meinem Leben. 

Und was kommt danach?

Mein Ziel bleibt die MotoGP. Aber als Deutscher ist es nicht so einfach, die nötigen Geldgeber für so ein Projekt zu finden. Ich habe mich jetzt erst einmal damit abgefunden, noch eine weitere Saison für Kiefer in der Moto2-Klasse an den Start zu gehen. Ich glaube, dass mir eine weitere Saison in dieser Kategorie guttun wird. Aber im nächsten Jahr müssen wir eher anfangen mit den Verhandlungen, das haben wir gelernt in den vergangenen Monaten. Meine Familie und ich wurden mit der MotoGP zum ersten Mal konfrontiert - und das ist noch mal eine ganz andere Liga. Es geht um mehr als doppelt so viel Geld, als Team brauchst du ungefähr sechs Millionen Euro. Das war schwer aufzutreiben.

Als Weltmeister würde sich sicher vieles verbessern, oder?

Ich merke schon jetzt deutlich, dass sich etwas bewegt. Ich bekomme mehr und mehr Aufmerksamkeit - aber natürlich bin ich weit von dem entfernt, was Sebastian Vettel (Formel-1-Weltmeister) auslöst. Das ist noch mal eine andere Dimension. Wir hatten im Motorradsport seit 1993 (Dirk Raudies) keinen deutschen Weltmeister mehr, wir haben es nötig, dass etwas passiert. Dabei haben wir etwas zu bieten, wir zeigen spektakuläre Rennen, wir haben außergewöhnliche Sportler - der Motorradsport sollte für viele interessant sein. Vielleicht können wir den Stellenwert durch den Titelgewinn noch mal steigern.

Die Fragen stellte Michael Wittershagen

Weitere Themen

Topmeldungen

Klimakonferenz in Madrid : Keinen Schritt weiter

Mit dem Minimalkonsens der Madrider Klimakonferenz sind die Staaten auf dem Stand von vor einem Jahr geblieben. Vielleicht sollte das Format grundsätzlich überdacht werden.
Abschied vom Kollegen: Feuerwehrleute am Samstag vor Beginn der Trauerfeier in der Pfarrkirche St. Ägidius in Neusäß

Gewalttat in Augsburg : Mal wieder junge Männer

Nach dem Tod eines Feuerwehrmannes auf dem Königsplatz in Augsburg stellen sich viele Fragen: Sind junge Migranten heute gewaltbereiter als früher? Und woran starb das Opfer?

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.