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Motoradpilot Bradl : Der logische Schritt

Unterwegs Richtung Aufstieg: Stefan Bradl will den WM-Titel in die MotoGP-Klasse mitnehmen Bild: REUTERS

Stefan Bradl steht vor dem Wechsel in die höchste Motorrad-Klasse, die MotoGP. Vorher will er sich den Titel in der Moto-2-Klasse holen und erster deutscher Weltmeister seit 1993 werden. Mit Rang drei in Brünn ist er dem Ziel nahe gekommen.

          Sieben Rennen auf vier Kontinenten sind es noch, spätestens dann könnte er Weltmeister sein. Stefan Bradl weiß das, selten zuvor in seiner Karriere strahlte der Einundzwanzigjährige derart viel Selbstbewusstsein aus. Am Sonntag hat er seine vorerst letzte Prüfung bestanden und wurde Dritter beim Rennen in Brünn. „Ich fühle mich richtig stark im Moment, ein weiteres Podium ist sehr gut für mich in dieser Situation“, sagte er nach einer aufregenden Dreiviertelstunde im Spitzentempo. 43 Punkte trennen ihn in der Gesamtwertung der Moto2-Klasse vom Spanier Marc Marquez, umgerechnet sind das etwa zwei Siege.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Und selbst sein härtester und einzig verbliebener Gegner im Kampf um den Titel zollt dem Deutschen Respekt: „Stefan zeigt eine großartige Konstanz, er führt verdient.“ Dieses Talent haben auch andere längst erkannt und locken Bradl in die MotoGP-Klasse, die Spitze der Dreiklassen-Gesellschaft des Motorradsports.

          Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis er seinen Wechsel dorthin bekannt geben wird. Und es ist die Frage, ob er den Aufstieg mit dem deutschen Kiefer-Team wagen wird, bei dem er seit 2008 unter Vertrag steht. „Wir wollen den Weg mit Stefan gehen“, sagt Teamchef Stefan Kiefer. Am Ende geht es jedoch vor allem ums Geld und nicht um den Willen. Kiefer muss weitere Sponsoren auftreiben und bei denen, die schon da sind, um eine Aufstockung der finanziellen Unterstützung bitten. Fünf bis sechs Millionen Euro – das ist der Preis für denjenigen, der auf einer Rennstrecke mit Zweiradartisten wie Jorge Lorenzo, Casey Stoner und Valentino Rossi fahren möchte.

          Drei mit Dame: Marquez, Iannone und Bradl (v.l.) auf dem Podium in Brünn

          Will man sich gar mit ihnen messen, muss man noch ein bisschen mehr investieren. Vieles hängt bei Kiefer derzeit von der Zusage des derzeitigen Hauptsponsors Viessmann ab, weitere Gespräche sollen in den nächsten Tagen folgen. Kiefer gibt sich optimistisch, das Projekt gemeinsam mit Bradl stemmen zu können. Wenn nicht, dann hat zumindest der Fahrer andere Optionen, verschiedene Teams haben ihm Angebote unterbreitet. Und eines steht schon jetzt fest: Bradl wird auf Honda fahren.

          Die Erwartungshaltung wird nicht geringer

          In Tschechien bestätigte er nach der vierwöchigen Sommerpause seine gute Form. Als Zweiter ging er ins Rennen, gewann den Start gegen Marquez und musste doch in der dritten Kurve schon eine erste kritische Situation überstehen. Der junge Spanier wollte sich an ihm vorbei bremsen, beide berührten sich – blieben allerdings auf ihren Motorrädern. Nach der ersten Zieldurchfahrt war Bradl zurück an der Spitze. Zumindest bis zur zwölften Runde. Dann schlossen die Verfolger wieder auf, von Umdrehung zu Umdrehung wechselten die Positionen auf den ersten fünf Plätzen. Feindberührungen inklusive.

          Letztlich gewann der Italiener Andrea Iannone vor Marquez und Bradl, der umsichtig und taktisch klug unterwegs war. „Es war sehr aufregend. Ich habe es genossen, wir haben sehr viel Spaß gehabt dort draußen“, sagte Bradl. Seinem Ziel kommt er so immer näher, er steht kurz davor, als erster Deutscher nach Dirk Raudies 1993 Motorrad-Weltmeister zu werden. „Ich lasse mich nicht unter Druck setzen“, sagt er. Die Erwartungshaltung aber wird nicht geringer.

          Corteses erster Grand-Prix-Sieg

          Für eine Überraschung nach zuletzt enttäuschenden Auftritten sorgte in Tschechien ein anderer Deutscher. In der Klasse bis 125 Kubikzentimeter gewann Sandro Cortese (Racing Team Germany) seinen ersten Grand Prix überhaupt. „Ich kann es einfach nicht begreifen“, sagte der Einundzwanzigjährige. „Ich hatte zuletzt so viele schwierige Rennen, irgendwie ist das Gefühl verloren gegangen. Deshalb wollte ich hier einen Neustart beginnen.“ Das ist ihm gelungen, und es soll ähnlich rasant weiter gehen. Wie Bradl würde auch Cortese gern aufsteigen und sich im kommenden Jahr in der Moto2-Klasse beweisen.

          Vier Jahre sind vergangen seit mit Alexander Hofmann der bislang letzte Deutsche in der MotoGP-Kategorie am Start war. Doch Hofmann hatte nicht das beste Material, und er besaß wohl auch nicht das größte Talent. Platz fünf im Regen von Frankreich war in der Saison 2007 sein bestes Resultat. Bradl will mehr. „Für mich ist der Wechsel in die MotoGP-Klasse der logische Schritt“, sagt er. „Ich habe das Potential, um mich dort zu behaupten“ Nichts anderes hat er vor, perspektivisch will Bradl auch ganz oben zumindest um Podiumsplätze rasen. Die Umstellung allerdings wird für ihn gewaltig sein. Knapp 600 Kubikzentimeter und knapp 140 PS hat seine Maschine derzeit, im neuen Jahr könnten es dann 1000 Kubikzentimetern und weit mehr als 200 PS sein. Hinzu kommen die Elektronik und die ständige Weiterentwicklung des Motorrads, das anders als in der Moto2-Klasse kein Einheitsprodukt ist. Es wäre noch einmal ein riesiger Sprung. Für Fahrer und Team – und genau das wünscht sich Bradl.

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