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Mick Schumacher in Formel 1 : Ist der Junior reif?

  • -Aktualisiert am

Steuern können und mutig sein reicht nicht in der komplexen Formel 1: Mick Schumacher Bild: SvenSimon

Datenschreiber kennen keine Verwandten: Mick Schumacher will sich beim Formel-1-Training im Alfa Romeo beweisen. Dabei wird nichts den Augen seiner strengen Beobachter entgehen – und eines darf auf gar keinen Fall passieren.

          3 Min.

          Der eine kommt, der andere geht? Nein, so schnell läuft das nicht ab. Mick Schumacher folgt nicht Sebastian Vettel in den Ferrari. So wie Vettel nicht direkt Michael Schumacher als erfolgreicher Chefpilot der Scuderia ersetzte. Aber die Geschichte vom Sohn, der seinem berühmten Vater bis in die Formel 1 hinterherreist, kann an diesem Freitag entscheidend beschleunigt werden: Der Junior des Rekordweltmeisters nimmt erstmals am Training der Königsklasse teil. Im besten Fall mit neunzig Minuten Kreisen, ausgerechnet auf der Grand-Prix-Strecke des Nürburgrings, abgedroschen als „Wohnzimmer“ des siebenmaligen Weltmeisters verniedlicht.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Weil er fünf Formel-1-Rennen dort gewann, dazu als erster Deutscher 1995. Schumacher fühlte sich wohl. Obwohl die Welt da draußen in der Eifel eher ungemütlich wirkt. Zumindest im Oktober, so nass und kühl. Das passt zur Prüfung, der sich der junge Schumacher im Einsatzfahrzeug von Alfa Romeo für den Großen Preis der Eifel am Sonntag (14.10 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Formel 1 sowie bei RTL und Sky) stellen muss. Das Ergebnis wird einfließen in die Beurteilung der Ferrari-Fahrer-Akademie: Ist der Junior reif für die Formel 1?

          Der erstbeste Kandidat

          Ja. Das sagt der 21-Jährige. Falls Mick unsicher gewesen sein sollte, dann ist er diesem Gefühl in den vergangenen Wochen davongefahren. Schumacher, 1999 in der Schweiz geboren und aufgewachsen im Umfeld des bislang (noch) erfolgreichsten Formel-1-Piloten, hat sie alle hinter sich gelassen mit Siegen in der Formel 2, mit Konstanz und einer (wiedererkennbaren) Selbstsicherheit. Er führt die Sprungbrettliga an. Vier Rennen sind noch zu fahren. Dem Meister winkt nicht automatisch eine Beförderung in den siebten Himmel, den mancher Vorgänger dann als Hölle erlebte. Aber wer Titel gewinnt wie Schumacher schon in der Formel 3, ist der erstbeste Kandidat.

          So möchte er weitermachen: Mick Schumacher beim Formel-2-Erfolg in Monza
          So möchte er weitermachen: Mick Schumacher beim Formel-2-Erfolg in Monza : Bild: firo Sportphoto/dppi

          Falls auch die Ingenieure nicken. Denn Resultate entstehen schon lange nicht mehr allein aus der Kombination von Steuerkunst und Mut. Die Strategen von Alfa Romeo wollen wissen, ob der Eleve das komplexe Geschäft hinter den Kulissen versteht. Und so ersetzt er den Stammpiloten Antonio Giovenazzi, nicht gerade zu dessen Freude, am Freitagvormittag. Das obligatorische Programm bleibt, die Übertragung der Simulationswerte auf die Strecke: Passt die vorgewählte Abstimmung, wie arbeiten die unterschiedlichen Reifentypen bei den niedrigen Temperaturen? Schumacher muss die Aufträge abarbeiten, möglichst am Limit des Autos fahren, sollte nicht viel langsamer als der Teamkollege sein, immerhin der frühere Weltmeister Kimi Räikkönen.

          1000 PS statt 615 im Heck

          Und eines darf nicht passieren: ein Abflug. Alfa Romeo braucht Daten. Die Ingenieure leben zudem von der Fähigkeit des Piloten, präzise Auskunft zu geben; über das auf der organischen Festplatte unter dem Helm gespeicherte Fahrverhalten eines Rennwagens, den, in diesem Fall, Schumacher Junior noch nie gefahren ist. Etwa 1000 PS statt rund 615 im Heck, unter dem Allerwertesten ein hochsensibles Gefährt, in das ein paar hundert Menschen ihr Herzblut fließen lassen.

          „Ich habe Respekt“, sagt Schumacher. Mit Lewis Hamilton im Silberpfeil auf einer Runde sein, vielleicht Vettel im Ferrari einholen. Und das vor den Augen aller Teamchefs. Gleichzeitig wird er angeschlossen sein an die Telemetrie wie ein Intensivpatient. Nichts bleibt den Augen der Ingenieure bei Alfa Romeo verborgen. Kein einziger verpasster Bremspunkt, keine einzige verspätete Beschleunigung, keine einzige Schwankung im Rundenschnitt. Datenschreiber kennen keine Verwandten. Es mag Angenehmeres im Leben eines Rennfahrers geben. Und Schlimmeres. „Das ist der größte Schritt“, sagt Schumacher.

          Neulich ist er auf Ferraris Rennstrecke in Fiorano das Modell von 2018 gefahren. Ein Siegerauto zum Training für den Ernstfall. Zwei Tagen bei Ferrari folgte am Donnerstag vergangener Woche die Reise zu Alfa Romeo nach Hinwil in der Schweiz: Sitzanpassung, Pedalabstimmung auf die Größe Schumachers, die Erläuterung der Knöpfe und Schalter am Lenkrad. Seit dem Reifentest im Frühjahr 2019 in Bahrein hat sich auch bei Alfa wieder viel geändert. Wie bei Schumacher. In seiner Stimme schwingt Vorfreude mit. Auf das Formel-1-Gefühl. Es ist nicht der Vollrausch der Geschwindigkeit auf den Geraden, nicht die brutale Verzögerung beim Bremsen, die ihn fasziniert. Es ist der Flug durch die Kurven. „Wie diese Autos kleben!“ Auf trockener Piste. Die Vorhersage spricht von Regen, 80 Prozent Wahrscheinlichkeit. Dann wird nicht viel gefahren. Aber im Nassen reichen wenige Runden, die Reife zu beweisen.

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