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Mick Schumacher : Das Wunsch-Kind der Formel 1

In welche Zukunft blicken diese Augen? Der Weg für Mick Schumacher in die Formel 1 ist möglich. Bild: AFP

Mick Schumacher in der Michael-Schumacher-Kurve: In der Formel 2 kämpft der Junior mit hoch motivierten Konkurrenten. Diese Woche testen ihn Ferrari und Alfa Romeo in Bahrein: Gelingt der Sprung in die Königsklasse?

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          Durch die Michael-Schumacher-Kurve kam er als Erster, am Sonntag jedenfalls. Mick Schumacher war in das zweite Formel-2-Rennen seiner Karriere von der Pole-Position gestartet. Im ersten auf dem „Bahrain International Circuit“, am Samstag, war er Achter geworden und die Regeln schreiben vor, dass sich die besten Acht der Samstagsausfahrt in umgekehrter Reihenfolge zum zweiten Rennen tags darauf wiedersehen. „Schumacher auf Pole-Position“ hieß es da schnell – und das liest sich natürlich nicht schlecht, selbst wenn der Weg dorthin ein anderer war als der des Vaters zu seinen 68 Pole-Positionen in der Formel 1.

          So ist das für Mick Schumacher, was immer er tut auf der Rennstrecke, dem Vater kann er nicht davonfahren, wie auch? 91 Rennsiege, sieben Weltmeistertitel. Unübertroffen. Nach Bahrein kam Mick Schumacher, 20 Jahre alt, mit der Nachricht im Rucksack, dass er dort nicht nur sein erstes Rennwochenende in der Formel 2 verbringen werde, sondern am Dienstag und Mittwoch darauf in der Formel 1 werde testen dürfen: bei Alfa Romeo, mittwochs, und am Tag zuvor – bei Ferrari. Mick Schumacher ist Mitglied der Ferrari-Akademie, testet im Simulator den Dienstwagen von Sebastian Vettel und Charles Leclerc, Gelegenheiten zur Testfahrt in der Realität gibt es zwei im Jahr. Dass Schumacher eine der beiden bekommen würde, war durchaus wahrscheinlich, dass es gleich die erste ist, führte zu einem Upgrade vor allem der allgemeinen Aufgeregtheit um die Frage, ob der Rekordweltmeistersohn tatsächlich vor einem rasanten Aufstieg in die erste Liga steht.

          Also betonte Mick Schumacher gleich am Donnerstag, als er sich bei einer Presserunde im Motorsport-Retrostil, angesichts der gelackten Gepflogenheiten im Formel-1-Tross durchaus charmant, vor dem Garagentor von wenigstens fünfzig Journalisten umzingelt sah, als er gefragt wurde, wer ihm denn die Gelegenheit zum Formel-1-Test eröffnet habe, dass er sich sehr auf die Formel 2 freue. Und dass er vor allem darum gehe, möglichst viel zu lernen angesichts der Konkurrenz in der Nachwuchsserie.

          Gefragter Gesprächspartner: Mick Schumacher (Mitte) in Bahrein

          Wie stark die Gegner dort sind, erfuhr Mick Schumacher auch am Sonntag. Denn durch die Michael-Schumacher-Kurve, ein Rechtsknick am Ende der Start-und-Ziel-Gerade, kam er nur noch ein weiteres Mal als Führender, dann zog der Brasilianer Sergio Sette Camara, ein Zögling des McLaren-Teams, auf der Zielgeraden als Erster an ihm vorbei. „Grundsätzlich bin ich ganz zufrieden mit dem Wochenende“, hatte Schumacher schon vor dem Rennen gesagt, als die Formel-2-Piloten auf der Ladefläche eines Lastwagens um den Kurs im Inselwüstensand gefahren wurden. Auch insofern simuliert die Nachwuchsklasse den Formel-1-Alltag. „Aber um uns herum sind einige sehr erfahrene Jungs.“

          Der Kanadier Nicholas Latifi beispielsweise, seit Ende 2014 in der höchsten Nachwuchsklasse unterwegs und Sieger des längeren Samstagsrennens. Oder der Italiener Luca Ghiotto, seit 2016 in der Serie – er fuhr im Sprintrennen am Sonntag schließlich zu seinem ersten Sieg, mit einer ungewöhnlichen Strategie: Obwohl nach 23 Runden Schluss sein würde, kam Ghiotto nach zwölf Runden in Führung liegend an die Box, ließ neue Reifen aufziehen und holte schließlich in der zweiten Rennhälfte einen Rückstand von zwanzig Sekunden auf. Mick Schumacher, der schließlich Sechster wurde, wird vor allem den möglichst effizienten Umgang mit den Reifen möglichst schnell lernen müssen, das sagte er vor der Saison, am Donnerstag, selbst am Sonntag auf dem Lastwagen betonte er die Bedeutung des „Reifen-Managements“.

          Sein Rennwagen ist rot, nur die Klasse stimmt noch nicht: Mick Schumacher beim Rennen der Formel 2 in Bahrein.

          Das erste Rennen am Samstag hatte Schumacher von Platz zehn aufgenommen, in der Qualifikation hatte er rund eine Sekunde Rückstand auf den Schnellsten, Ghiotto. In den letzten beiden Runden des Rennens holte Schumacher mehrere Sekunden Rückstand auf den Japaner Nobuharu Matsushita auf und fuhr vom neunten auf den achten Platz und die Pole-Position für den Sonntag vor. Am Tag darauf verlor er Positionen gegen Ende des Rennens, als der Chinese Guanyu Zhou und der Schweizer Louis Deletraz vorbei zogen. Schumacher rettete sich knapp vor dem Niederländer Nyck de Vries. „Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass ich komplett zufrieden bin“, zitierte sein Prema-Team Schumacher in einer Pressemitteilung, „aber wir konnten nicht viel machen.“ Ein Verbremser in der Qualifikation hatte einen möglichen Wechselreifensatz ruiniert.

          Statt 240 PS, wie in der Formel 3, arbeiten nun 650 PS im Heck seines Rennwagens, am Dienstag im Ferrari werden es noch einmal rund 350 mehr sein. Beobachter aus der Formel 1 trauen Schumacher diesen schnellen Lernprozess zu. Ross Brawn, der Sportchef der Serie, einst als Chefingenieur maßgeblich an den Erfolgen Michael Schumachers bei der Scuderia Ferrari beteiligt, sagte jüngst in London, er sei „fasziniert“ von den Fortschritten des Juniors. Daraus spricht ohne Frage auch das Interesse am Aufmerksamkeits-Zuwachs, den die Formel 1 erreichen würde, sollte in ihrem Feld einer mit dem Namen Schumacher kreisen.

          Die Konkurrenten in der Fahrschule Formel 2 aber fahren selbst an jedem der insgesamt zwölf Rennwochenenden um die Gunst der Teamchefs und Sponsoren aus der Eliteklasse. Der Klassenschnitt ist dabei in den vergangenen Jahren gestiegen – seit dem steilen Aufstieg von Charles Leclerc ist auch die Aufmerksamkeit gewachsen. Der Monegasse stieg 2017 in die Formel 2 auf, fuhr, wie Schumacher, für das Prema-Team, gewann gleich sein zweites Formel-2-Rennen in Bahrein, testete für Ferrari und Alfa Romeo und verließ die Serie nach einem Jahr als Champion Richtung Formel 1.

          Dort stand er am Sonntag mit seinem Ferrari und dem besten Blick in die Michael-Schumacher-Kurve auf der Pole Position. Er war dafür allerdings am Samstag Bestzeit gefahren. Auch wenn es am Ende nur zu Platz drei reichen sollte, zeigte der junge Ferrari-Pilot doch sein ganzes Talent. Mick Schumacher sagte in Bahrein noch einmal, wie sehr ihm sein Vater stets Vorbild sei in der eigenen Formel-Karriere. Er wird nicht das einzige sein.

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