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Michael Schumachers Abschied : „Ich bin im Reinen mit mir“

Der Rekordweltmeister beendet nach dieser Saison seine Karriere: Michael Schumacher Bild: REUTERS

Zielflagge ohne Neustart: Michael Schumacher hat vor dem Grand Prix von Japan seinen Abschied aus dem Rennzirkus zum Saisonende angekündigt. Der erfolgreichste Formel-1-Pilot der Motorsportgeschichte war sieben Mal Weltmeister.

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          Michael Schumacher wird seine Formel-1-Karriere nach dieser Saison beenden. Das gab der Rekordweltmeister am Donnerstagnachmittag Ortszeit in Suzuka bekannt. „Time to say goodbye“, sagte Schumacher vor dem sechsletzten Saisonrennen: „Ich habe die Motivation und Energie verloren, die zweifelsfrei notwendig sind.“ Noch Stunden vor der Erklärung hatten Nachrichtenagenturen über Versuche Schumachers, bei Sauber ein Cockpit zu bekommen, berichtet.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dabei hatte der Rheinländer nie die Absicht gehabt, für die Schweizer in der Formel 1 anzutreten. Sein Entscheidung stand längst fest: „Obwohl ich immer noch konkurrenzfähig bin, habe ich mich zu diesem Schritt entschlossen. Wir haben nicht die Ziele erreicht, die wir uns gesteckt haben. Aber ich kann stolz sein auf das, was ich erreicht habe“, sagt Schumacher und fügt auf seiner Homepage mit Blick auf die sechs Jahre seit seinem ersten Ausstieg aus dem Cockpit im Jahr 2006 hinzu: „Ich habe in den vergangenen sechs Jahren vieles - auch über mich selbst - dazugelernt, und dafür bin ich dankbar: dass man sich öffnen kann, ohne an Fokus zu verlieren. Dass Verlieren schwieriger als Gewinnen sein kann, und auch lehrreicher; vorher hatte ich das manchmal aus den Augen verloren. Dass man es schätzen muss, wenn man tun darf, was man liebt. Dass man seine Überzeugungen leben sollte. Ich habe meinen Horizont erweitert und bin im Reinen mit mir.“

          Bilderstrecke

          Die Abschiedstour des Dreiundvierzigjährigen beginnt damit an diesem Sonntag beim Großen Preis von Japan und endet mit dem letzten Rennen am 25. November in São Paulo. Ende der vergangenen Woche hatte Mercedes erklärt, dass der Brite Lewis Hamilton (bisher McLaren) in den kommenden Jahren in einem Silberpfeil an den Start gehen wird. Schumachers Vertrag mit den Deutschen läuft zum Ende der Saison aus.

          Er hätte im Frühjahr eine Verlängerung mit seinem Rennstall durchsetzen können, wollte aber die Entwicklung des Autos abwarten. Seit seinem Comeback 2010 hatte es Mercedes nicht geschafft, ein konstant siegtaugliches Auto auf Räder zu stellen. Schumacher, der um Siege und die WM hatte mitfahren wollen, gelang in diesem Jahr eine Pole-Position (in Monaco) und Rang drei in Valencia. Den einzigen Sieg für Mercedes fuhr Teamkollege Nico Rosberg in China heraus.

          Ausstieg aus dem Rennzirkus: Michael Schumacher lässt es künftig etwas langsamer angehen

          Ansonsten war der Bolide nie schnell genug für Spitzenplätze und in Schumachers Fall dazu noch anfällig für Pannen. Von Hamilton erhofft sich das Team neuen Schwung: „Michael ist eine Legende“, sagte der siebenundzwanzigjährige Engländer in Suzuka. „Ich hoffe, dass ich irgendwann Ähnliches erreichen kann wie er.“
          Schumacher gab sein Debüt in der Formel 1 am 25. August 1991, seither setzte der gelernte KFZ-Mechaniker Bestmarken: Er errang die meisten Titel (sieben), die meisten Siege (91), die meisten WM-Punkte (bislang 1560) und die meisten Trainingsbestzeiten (69) in der Formel 1.

          Zweites Karrierende nach 2006

          2006 hatte er seine Laufbahn nach Auftritten im Jordan, für Benetton und von 1996 an als Ferrari-Pilot im schnellsten Kreisverkehr der Welt zum ersten Mal beendet. 2010 kehrte Schumacher überraschend zurück, um mit dem Werksteam von Mercedes an alte Erfolge anzuknüpfen. Die Rechnung, in drei Jahren reif für die Weltmeisterschaft zu sein, ist nicht aufgegangen. Fahrer und Team haben sich verkalkuliert.


           

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