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Michael Schumacher : Mitten im WM-Kampf, nicht am Ende der Karriere

  • -Aktualisiert am

Noch immer flott unterwegs: Michael Schumacher Bild: dpa

Michael Schumacher haben die heißen Diskussionen um seine Zukunft kalt gelassen. Beim ersten Kräftemessen in Monza wurde der Ferrari-Pilot nur von Sebastian Vettel geschlagen.

          3 Min.

          "Danke, Schumy!" - Halt! So eilig hat es der siebenmalige Formel-1-Weltmeister nun doch nicht. An den Plakaten und Transparenten am Zaun der Haupttribüne mit liebevollen Abschiedsgrüßen italienischer Fans ist Ferraris Chefpilot am Freitag jedenfalls vorbeigeschossen, ohne einen geschärften Blick darauf zu werfen. So ungefähr mit Tempo 330.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Es ist eben noch nicht vorbei. Im Gegenteil: "Wir stehen", sagt der Rheinländer, "mitten im WM-Kampf." Vier Rennen vor Ende der Saison sind zwar gut Dreiviertel der Saison gelaufen. Aber mit zwölf Punkten Rückstand hinter dem führenden Weltmeister Fernando Alonso gibt es aus Sicht von Ferrari bis zum Ende des Großen Preises von Italien wichtigeres, als endlich die große Frage nach der Zukunft des erfolgreichsten Piloten der Formel-1-Geschichte zu beantworten: "Wir machen es so", erklärte Schumacher, "damit es uns am allerwenigsten stört."

          Frommer Wunsch

          Ruhe, bitte! Ein frommer Wunsch in der Welt der hochgezüchteten Motoren. Aber tatsächlich findet Schumacher den größten Abstand zur internationalen Journalisten-Jagdgemeinschaft dann, wenn es am lautesten ist. Helm auf, Visier runter und ab in die geliebte Einsamkeit des Formel-1-Piloten: Das losgelöste Kreisen vom Menschen in der Maschine befreit allerdings nicht von einer existentiellen Frage unter Piloten vom Schlage Schumachers: Wird es denn diesmal reichen, den zwölf Jahre jüngeren Spanier auf Abstand zu halten? In der Türkei vor zwei Wochen, in Ungarn Anfang August leistete sich Schumacher Fehler, die Punkte kosteten. Der Druck ist gewachsen wie in der Türkei der Rückstand: Vier Grand Prix nur noch, ein Rennen in der Heimat, der Sieg als Pflichtprogramm. Wer bleibt da ruhig? (Siehe auch: Alle reden über Schumis Zukunft, keiner kennt sie).

          Seine Fans bangen

          Ferraris Generaldirektor Jean Todt hat sich wieder Klebestreifen um die Fingerkuppen gewickelt. Der WM-Verlauf, ein Strategiefehler zum Nachteil Schumachers in der Türkei, die verlorenen Punkte, nagen an dem französischen Strategen. Aber sein geliebter Fahrer wirkt gelassen. So jedenfalls sitzt Schumacher auf dem Schemel bei der Pressekonferenz im Ferrari-Motorhome: rote Kappe, Ferrari-Hemd, Jeans mit Blumenmuster und teuer erkauften Löchern. Fragen zum Thema des Wochenendes verbittet er sich bestimmt, aber freundlich. Den folgenden zehnminütigen Beschuß mit Neben- oder Fangfragen zur Hauptfrage wehrt er mit der Routine aus 15 Jahren Formel 1 ab. Mal scherzend: "Dann werde ich arbeitslos", mal schweigend, mal anerkennend abwimmelnd: "Guter Versuch."

          „Er ist immer noch schnell“

          Aus der Kurve läßt er sich nicht tragen. Schumacher hält Kurs. "Er kann sehr schnell abschalten, wenn ihm was zuviel wird", sagt Balbir Singh, zwischen 1995 und 2005 Schumachers Physiotherapeut und ständiger Begleiter: "Seine Willenskraft ist unglaublich groß." Aber können Hände und Füße bei der virtuosen Arbeit im Cockpit noch so schnell ausführen, was der Kopf befiehlt? Der Fitneßfreak Schumacher fühlt sich als 37jähriger Methusalem der Szene wie im Körper eines "Sechsundzwanzigjährigen". (Siehe auch: Schumachers Einfluß auf die Formel 1).

          Selbst Kollegen glauben, bei Schumacher ticke die biologische Uhr langsamer. "Er ist immer noch schnell", erklärte Renaults zweiter Mann, Giancarlo Fisichella. "Er ist der kompletteste Fahrer der Formel 1", schwärmte sein Beifahrer bei Ferrari, Felipe Massa. Und selbst der große Rivale Alonso sparte im Moment der großen Spannung nicht an Bewunderung: "Michael zu schlagen ist schöner als ein Sieg über jeden anderen. Er ist ein phantastischer Fahrer."

          Fehlt also nur noch das entsprechend getrimmte Auto für den so nötigen Triumph auf Ferrari-Terrain. Die Scuderia und Reifenlieferant Bridgestone haben nach Ende der Testpause wieder eifrig nachgelegt. Beim letzten Test in Monza gab Ferrari das Tempo vor, wenn Schumacher auch von Pannen gebremst wurde. Und so spricht Renaults abwandernder Chefpilot von Schadensbegrenzung: "Die Strecke wird Ferrari entgegenkommen", sagt Alonso: "Es wird schwierig, sie hier zu schlagen. Aber ich glaube an ein gutes Rennen. Wir wollen ihnen das Leben so schwer wie möglich machen."

          Liegt Briatore falsch?

          Immerhin steckt in Alonsos Chassis ein frischer, stärkerer Motor (dritte Ausbaustufe), der auf dem Hochgeschwindigkeitskurs die Rundenzeiten um eine Zehntelsekunde drücken soll. Zudem setzt Alonso auf die Verbesserung des Fahrwerks und auf neue Gummis von Michelin. Trotzdem unkte Briatore vor der Anreise ins Land des schärfsten Rivalen: "Wir müssen in Monza möglichst unbeschadet davonkommen." Am Freitag nachmittag fühlte er sich bestätigt: Schumacher fuhr als schnellster Stammpilot im zweiten Training 1,4 Sekunden schneller als der Weltmeister. "Das ist manchmal ein Wegweiser", erklärte Schumacher mit Blick auf eine wahrscheinlich andere Vorbereitungsstrategie Renaults, "aber das kann sich schnell ins Gegenteil verkehren. Ich bin sicher, daß sie sich nicht in die hinteren Punkteränge verabschieden werden."

          Sicher, daß Briatore in der Schumacher-Frage falsch liegt, ist sich Sebastian Vettel. Als Test-Pilot von BMW-Sauber nur am Freitag eingesetzt, kam der 19jährige Heppenheimer quasi außer Konkurrenz noch schneller als Schumacher über die Runde. Trotzdem glaubt er nicht an Briatores These von der sich aufdrängenden Machtübernahme der Jugend: "Uns junge Piloten steckt Michael noch immer in den Sack."

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