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Michael Schumacher : Kraftquelle Kerpen

  • -Aktualisiert am

Da zuckt der Rennfahrer: Formel-1-Piloten können den Reizen des Kartfahrens selten widerstehen - Schumacher ist dafür das beste Beispiel Bild: REUTERS

Michael Schumacher hat mächtig Schwung genommen für die neuerlichen Torturen in der Formel 1. Dort, wo alles begann: auf einem Bolzplatz des Motorsports. Laut und ungefiltert. Im Kart zeigt er schon den alten Kampfgeist.

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          Sonntag, 13. Dezember: Wenige ahnen es. Michael Schumacher wird nicht mehr so oft kommen in den nächsten drei Jahren. In die Kiesgrube bei Kerpen-Blatzheim. Das bedeutendste Erdloch in der Sportgeschichte der Bundesrepublik. Kaum etwas hat sich verändert in den vergangenen 18 Jahren, seit Michael Schumacher vom Kreisverkehr auf dem Erftlandring in die Umlaufbahn des Weltsports Formel 1 geschossen ist.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Die Birken am oberen Rand der Hänge sind gewachsen. Ein Gebäude ist um einen Anbau erweitert worden. Ringsherum werkeln und basteln Väter und Söhne an ihren Miniboliden. Wie damals füllen Dunstschwaden aus den Motoren der Karts das kleine Tal. Vermischt mit dem Geruch des aufgeheizten Reifengummis schmeckt es nach ungefiltertem Rennsport. „Der Michel will nicht, dass hier groß was verändert wird“, sagt sein Freund und Partner im gemeinsamem Kart-Team „KSM Motorsport“ Peter Kaiser: „Das hier ist seine Heimat.“

          Schumacher fährt im Winterpokal mit. Er schaltet hart, driftet spektakulär um die Kurve und kommt doch nicht weit. Am dritten Advent stoppt ihn ein technischer Defekt. „Trotzdem hat es Spaß gemacht“, sagt er knapp. Er lacht. So wie auf den vielen Bildern in der an den Hang geduckten Baracke neben der Piste. Kleine und große Rennfahrer des Kartklubs drängen sich auf der Jagd nach einer Süßigkeit vor der Theke. Früher hat Schumachers Mutter in der Grube die „Pommes“ fritiert. Heute serviert eine andere Hausherrin aus freien Stücken Kuchen, garniert mit einem rheinischen Befehl: „Iss dat Jung, tut gut.“

          Als sei es eine Formel 1 en miniature: Schumacher am Start in Kerpen

          Schumacher schaut zu. Von den Fotos an den Wänden. Sie stammen aus São Paulo, Schanghai, aus Melbourne, Indianapolis, Südafrika oder Monaco. Dokumente des ewigen Siegers im Formel-1-Trimm, des Starpiloten eingefroren am Limit. Der Blick über diese zufällige Sammlung bleibt immer wieder hängen an außergewöhnlichen Momenten. Schumacher knieend bei der Arbeit, vor einem winzigen Pokal auf einem mickrigen Podest, Schumacher mit ölverschmierten Händen, beim Gespräch mit kleinen Kerls in großen Overalls, beim herzhaften Lachen im Kreis von langjährigen Freunden. „Ist doch klar“, sagt Peter Kaiser, „die Bilder sind hier an der Bahn gemacht. Hier lebt er auf.“

          Kartfahren bis zum Exzess - und das Verbandsorgan ist begeistert

          Viele Jahre ist er nicht mehr so oft in Kerpen gewesen wie anno 2009. Und wenn alles nach seinen Vorstellungen gelaufen wäre, dann käme dieser einzigartige Bolzplatz des Motorsports kaum zu neuen Ehren, etwa als Kraftquelle Kerpen. Denn der Rekordpilot der Formel 1 hatte vor einem Jahr ganz andere Pläne als den Wiedereinstieg mit Mercedes in die Formel 1. Eigentlich wollte er 2009 richtig Gas geben - auf dem Motorrad. Schumacher plante, an fast allen Rennen seiner Klasse teilzunehmen. Ein schwerer Sturz beim Training im Januar warf ihn aus der Bahn. Was sich im Nachhinein als Glück für die Formel 1 erweist. Ohne die Nacken- und Schädelverletzung hätte der Rheinländer wenig Zeit gehabt, seiner alten Leidenschaft zu frönen. Denn was macht einer, der aus gesundheitlichen Gründen nicht Motorrad fahren darf und kein Formel-1-Auto zu Verfügung hat?

          Schumacher füllte den Leerlauf nach kurzer Schaltung: Mit Kartfahren bis zum Exzess. „Ich habe dann schnell gemerkt, dass ich noch gut dabei bin“, sagt Schumacher. Die anderen auch. Gegner von Rang und Namen. Begeistert berichtet „mx“, die offizielle Verbandszeitung des Deutschen Motorsportverbandes, vom Goldpokal-Rennen in Wackersdorf in der Kategorie KZ2: „Knallhart setzte sich Schumacher am Start zum Großen Finale an die Spitze . . .“ Es reichte nach 23 Jahren Pause und einem hartem Kampf zu Rang drei unter den Vollzeitpiloten. Und zu einer vielsagenden Bemerkung: „Im Schatten dieses sensationellen Rennens ging die Meisterschaftsentscheidung ein wenig unter.“

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