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Michael Schumacher : Es geht um alles

  • -Aktualisiert am

Anschnallen vor der neuen Saison: Michael Schumacher Bild: dpa/dpaweb

Schumacher, die 16.! Es sieht alles nach einer Wiederholung aus: 232 Rennen, fünfzehn Jahre Formel 1. Er beherrscht die Abläufe im Schlafe. Jedes Jahr Anfang März hat er sein Deja-vu-Erlebnis: immer die gleichen Gesichter, immer die gleichen Fragen.

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          Schumacher, die 16.! Es sieht alles nach einer Wiederholung aus: 232 Rennen, fünfzehn Jahre Formel 1. Er beherrscht die Abläufe im Schlafe. Jedes Jahr Anfang März hat er vor dem Saisonstart sein Deja-vu-Erlebnis: immer die gleichen Gesichter, immer die gleichen Fragen.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Aber diesmal ist etwas anders. Es geht nicht nur um den 16. Versuch, wieder einmal Weltmeister zu werden. Es geht um mehr, um die Karriere als Pilot, um die Zukunft von Ferrari, die Zukunft der Formel-1-Begeisterung in Deutschland. Wenn es nicht läuft, wird der siebenmalige Weltmeister aussteigen. Es geht um alles.

          Erstmals den „heiligen“ Skiurlaub unterbrochen

          Man kann dem 37jährigen Rheinländer ansehen, was auf dem Spiel steht. Als er am Donnerstag im Fahrerlager des "Bahrein International Circuit" Rede und Antwort steht, spannen sich die Oberarmmuskeln wie bei einem professionellen Kraftsportler. Unter dem Poloshirt steckt ein Schumacher, wie er wohl athletischer nie antrat. Kein Aufwand schien ihm in der Vorbereitungszeit zuviel. Erstmals seit fünf Jahren unterbrach er im Dezember den "heiligen" Winterurlaub für Testfahrten. "Er rief an und fragte", sagt Ferrari-Rennleiter Jean Todt.

          Und als die Scuderia in der vergangenen Woche buchstäblich im Regen stand bei den abschließenden Proberunden in Mugello, da verlängerte der Deutsche seine geplante Arbeitszeit aus eigenem Antrieb, obwohl der neue Teamkollege Felipe Massa Gewehr bei Fuß stand. Erst ließ Schumacher den Geburtstag seiner Frau fahren, dann blieb er auch noch bis zum späten Freitagnachmittag: Um 16 Uhr, als sich die Himmelstore endlich schlossen, ließen sich in letzter Minute wenigstens noch ein paar Runden drehen. Bis die Dunkelheit hereinbrach.

          Nackte Zahlen sind nur das Resultat seines Jobs

          Der Chefpilot aus Kerpen will eben nichts dem Zufall überlassen, bevor er in diesem Frühsommer die wohl schwierigste Entscheidung seiner einzigartigen Karriere treffen muß: Fahr' ich weiter? Die Gretchenfrage ist schon anders gestellt worden: Warum tut er sich das noch an? 85 Grands Prix, sieben WM-Titel und so viel Geld gewonnen, daß man es kaum ausgeben kann. Aber für Schumacher sind die nackten Zahlen nur das Resultat seines Jobs, nicht das erste Ziel. Der Mann, der sich die Geschichten seiner glorreichen Vergangenheit für die Enkelkinder aufheben möchte, fährt um des Gefühls willen. Sagt er.

          Wie ein Speed-Junkie scheint er süchtig nach dem entscheidenden Moment, der nur in der Gegenwart zu fühlen ist: "Ich mag es, wenn es optimal läuft, wenn du weißt, daß du alles auf den Punkt bekommen hast. Du absorbierst jede Möglichkeit, alles, was das Auto, die Reifen, der Motor dir geben können", sagte Schumacher dem britischen Magazin "Autosport". "Das gibt dir die Chance, alles herauszuholen, was möglich ist. Das ist der Punkt, wo das Gefühl da ist, dann schwebt man im siebten Himmel."

          Der ausgeglichene Schumacher in einem ausbalancierten Auto

          Schumacher spricht nicht gerne über Gefühle. Aber neuerdings gerne über die "Harmonie" im Auto. Der neue V-8-Motor macht es möglich. Das 200 PS schwächere Aggregat paßt offenbar ideal zum Auto und zu den Reifen: "Die Relation zwischen PS-Zahl, mechanischem Grip (Haftung der Reifen) und aerodynamischem Grip ist viel besser." Diese Balance verleiht dem Piloten einen neuen Fahrspaß und einen ganz anderen Spielraum: "Man kann mehr am Limit des Autos fahren, mehr an seinem eigenen Limit. (. . .) Ich fühle, daß ich mich besser ausdrücken kann in diesen Autos, daß ich mich nicht so zurückhalten muß, weil ich mich nicht länger um den Reifenverschleiß sorgen muß." Nun sitzt der ausgeglichene Schumacher in einem ausbalancierten Auto.

          Da die Einheit von Mensch und Maschine die Basis für den Erfolg bildet, scheint Ferrari auf einem guten Weg. Aber Schumacher fährt nicht allein. Am Ende der Lustreise wollen er und sein Rennstall nach einem möglichst spannenden Kampf vor der Konkurrenz stehen. Aber die macht auch in Harmonie. Jedenfalls gab es bei Renault und Honda über den Winter längst nicht jene Geräusche, die bei Ferrari die Ingenieure erzittern ließen.

          Dann gibt es Schumacher, die 17.

          Nur eine einzige Renndistanz hat die Scuderia absolviert. Bei den Testfahrten in Bahrein mußte diese übliche wie notwendige Generalprobe mehrfach abgebrochen werden - aus Sorge vor Pannen. In Mugello fielen die Langlauf-Versuche dann dem Wetter zum Opfer. So bleibt das unbestimmte Gefühl, Ferrari habe zwar "mit harter Arbeit" (Schumacher) an allen Ecken und Enden den Rückstand hinter Renault und McLaren vom Ende der vergangenen Saison aufgeholt, wisse aber nicht genau, ob es das zurückgewonnene Tempo über ein ganzes Rennen halten kann.

          Das könnte an einer Reifenschwäche im Vergleich zur Konkurrenz liegen. Aber außerdem übertrug sich die Harmonie der Kräfteverhältnisse im Ferrari nicht auf jedes Detail. Besonders die Kupplung blockierte immer wieder den feinen Abstimmungsprozeß. Und so ist die generelle Saison-Zuversicht bei Rennleiter, Technischem Direktor und Chefpiloten ausgeprägter als der Optimismus vor den ersten drei Rennen in Übersee: "Wenn man nach Europa kommt", sagte Schumacher am Donnerstag vielsagend, "sollte man nicht zu viele Punkte Rückstand haben." Geht das Spiel auf, dann wird es aber ein nächstes Mal geben: Schumacher, die 17.

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