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Michael Schumacher : Die persönlichen Grenzen testen

Rennsüchtig: Michael Schumacher kehrt in die Formel 1 zurück Bild: AP

Ein Vertrag sporthistorischen Ausmaßes: Michael Schumacher kehrt zu Mercedes und in die Formel 1 zurück, für drei Jahre. Am 14. März 2010 ist die Rennpremiere im Silberpfeil. Das Ziel ist der oberste Platz auf dem Siegerpodest. Kein Zweifel: Diese Fahrer-Team-Kombination hat es in sich.

          Er machte erst gar nicht den Versuch, seine Gefühle zurückzuhalten: „Ich fühle mich gerade wie ein Zwölfjähriger, der durch die Gegend hüpft, wie ein kleiner Junge“, sagt Michael Schumacher am Mittwochmorgen. In der Nacht zuvor hatte der Vierzigjährige seine Unterschrift unter den Vertrag mit Mercedes-Grand-Prix gesetzt und damit auch schriftlich seine Rückkehr in die Formel 1 besiegelt. Drei Jahre umfasst die Vereinbarung, danach soll der Rekordweltmeister der Königsklasse als Markenbotschafter für den Konzern agieren. Er will es noch einmal wissen, seine persönlichen Grenzen testen und seine deutlich jüngeren Gegner herausfordern. „Mein Ziel wird natürlich sein, am Ende oben auf dem Treppchen zu stehen.“ Eine Kampfansage. „Ich glaube an die Kombination - an Mercedes und Ross Brawn“, sagt der Rheinländer. „Und an mir selbst zweifele ich auch nicht wirklich.“ Am 14. März 2010 wird er beim Grand Prix in Bahrain zum ersten Mal in einem Silberpfeil Gas geben; 1239 Tage nach seinem letzten Rennen in São Paulo.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Damit schließt sich der Kreis seiner Karriere als Rennfahrer. Aus dem einstigen Mercedes-Juniorteam hatte Schumacher 1991 den Sprung zu Jordan in die Formel 1 geschafft, war später mit Benetton und Ferrari sieben Mal Weltmeister geworden und avancierte so zum Rekordmann der Hochgeschwindigkeits-Branche. Sein treuer Helfer in dieser Zeit: Ross Brawn. Beim letzten Grand des Jahres 2009 in Abu Dhabi erzählte der Teamchef Schumacher erstmals von seinen Plänen. Davon, dass Mercedes bei Brawn GP einsteigen und dass Weltmeister Jenson Button das Team wohl verlassen werde. Es war wie eine Avance. Schumacher war sich zunächst nicht sicher. Aber nach dem nächsten Anruf von Brawn spielten die Gefühle verrückt: „Da ist mir das Rennfahrerherz aufgegangen“, sagt er am Mittwoch: „Da hat es in mir wieder gefunkt. Ich bin richtig aufgeregt.“

          Dabei hätte er sich eine Rückkehr im Sommer noch nicht vorstellen können. In den Monaten vor seinem Rücktritt 2006 kostete ihn vieles in der Welt der Formel 1 nur noch zu viel Kraft; Sponsoren, die befriedigt werden wollten; Medien, die ihn im Fahrerlager belagerten; Fans, die nach ihm kreischten. Schumacher verabschiedete sich mit „leerem Akku“. Ein Comeback? „Diese Lust war eher nicht da.“

          Titel im Visier?

          „Ich bin wieder voller Energie und Tatendrang“

          So war war es der Zufall, der ihm die Gelegenheit bot. Im Juli war Ferrari-Pilot Felipe Massa auf dem Hungaroring bei mehr als 250 Kilometern in der Stunde eine rund 800 Gramm schwere Dämpferfeder gegen den Helm geflogen, der Brasilianer wurde schwer verletzt. Schumacher, der nur noch als Berater für die Scuderia tätig war, sollte den Brasilianer bis zur Genesung ersetzen. Aber eine Schädel- und Halswirbelverletzung, die er bei einem Motorradsturz erlitten hatte, durchkreuzte seine Pläne. „Wir wussten, dass Michael durch seine Testfahrten für Ferrari wieder auf den Geschmack gekommen war“, sagt Mercedes-Sportchef Norbert Haug, „er wollte wieder, konnte aber nicht. Das hat ihn geärgert.“ Und genau das war die Chance für Mercedes. Bei Ferrari sind die Cockpits in der neuen Saison besetzt mit Massa und Fernando Alonso, Schumachers altem Rivalen. Mercedes aber hatte neben Nico Rosberg noch einen Platz frei.

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