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Michael Schumacher : Der Super-Assistent

  • -Aktualisiert am

Berater, Lobbyist, Tester, Schumacher Bild: AP

Michael Schumacher hat bei Ferrari einen Job ohne Jobbeschreibung. „Er kann machen, was er will“, sagt Jean Todt. Einige glauben, der erfolgreichste Formel-1-Fahrer aller Zeiten werde auf eine Karriere als Rennleiter vorbereitet.

          3 Min.

          Berater ist ein großes Wort. Im normalen Leben sind das berühmte Menschen, die für viel Geld Ratschläge erteilen, die viele andere für viel weniger Geld genauso gut geben könnten. Michael Schumacher ist bei Ferrari offiziell ein Berater. Manche haben ihm auch den Titel Assistent verliehen, doch weil ein siebenmaliger Weltmeister niemals eine so profane Tätigkeit ausüben kann, nennt man ihn halt einen Super-Assistenten.

          Tatsächlich übt der 91malige Grand-Prix-Sieger einen Job ohne Jobbeschreibung aus. Was genau er macht und machen soll, darüber steht in keinem Vertrag etwas geschrieben. Wenn es überhaupt einen Vertrag gibt. Schumacher ist mit seinen Erfolgen auf ewige Zeiten ein Ehrenmitglied der Ferrari-Familie, und die lässt ihre Liebsten nicht hängen. "Er kann machen, was er will", formuliert Ferrari-Chef Jean Todt die Aufgabenstellung seines Ziehsohnes.

          Rentner auf eigenen Wunsch

          Michael Schumacher sieht das auch so. Er will sich nicht festlegen. Er will keinen fixen Zeitplan. Er will keinen Posten, der von ihm offizielle Aussagen zu Ferrari verlangt. Der Rentner auf eigenen Wunsch schaut mehr oder weniger regelmäßig vorbei, hört zu, teilt seine Meinung mit. Er war bei der internen Präsentation des neuen Autos dabei. Er kam zur ersten Probefahrt mit dem F2007 nach Fiorano. Er nimmt an den Vorstandssitzungen teil, bei denen sich Todt mit Sportdirektor Stefano Domenicali, Technikchef Mario Almondo sowie den Projektleitern Aldo Costa und Gilles Simon trifft. Er saß auch am Tisch, als FIA-Renndirektor Charlie Whiting über Reglements der Zukunft referierte.

          Wenn Räikkönen ein Problem hat, ist Schumacher der beste Ratgeber
          Wenn Räikkönen ein Problem hat, ist Schumacher der beste Ratgeber : Bild: AFP

          Und er tauchte am vergangenen Mittwoch überraschend in Barcelona auf, um sich über den Fortgang der Testfahrten zu informieren. War es Zufall, dass ausgerechnet an diesem Tag dem neuen Ferrari der Durchbruch gelang, nachdem er zunächst ein wenig geschwächelt hatte? Keine Angst, Schumacher saß nicht als Räikkönen verkleidet im Cockpit. Kimi Räikkönen und Felipe Massa fuhren ganz allein die beiden schnellsten Runden des Tages.

          Schmerzliche Erfahrung mit Dezentralisation

          Tatsache ist, dass Michael Schumacher in diesem Winter öfter in Maranello war als zu seinen aktiven Zeiten. Es wirkt wie eine vorauseilende Therapie gegen die Langeweile, die den PS-Junkie irgendwann einmal packen könnte. Oder steckt mehr dahinter? Einige bei Ferrari glauben, der erfolgreichste Formel-1-Fahrer aller Zeiten werde auf eine Karriere als Rennleiter vorbereitet. Dabei war es doch genau der Posten, den Schumacher nie wollte. Todt hält Schlussfolgerungen dieser Art für pure Spekulation. Es gäbe keine Pläne irgendwelcher Art. Weder seinerseits noch von seinem ehemaligen Piloten.

          Jean Todt kann sich seinen Kumpel Michael auch gar nicht als echten Rennleiter vorstellen. Der Kerpener ist keiner, der wie sein Chef zehn und mehr Stunden im Büro sitzt. "Und von der Schweiz aus kann man den Posten eines Ferrari-Rennleiters nicht ausüben", stellt Pressesprecher Luca Colajanni fest. Man habe Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre schmerzliche Erfahrung mit der Dezentralisation gemacht. Als die Technikabteilung nach England ausgelagert wurde, ging Ferrari durch die größte Krise seiner Rennhistorie.

          Entlastung für Todt

          Manchmal kommt der Appetit mit dem Geschmack. Wer weiß schon, wie Schumacher in einem Jahr über sein künftiges Leben denkt? Und wer weiß, wie gut sich Ferraris neues Team einspielt? Ohne Ross Brawn und mit einem Jean Todt, der als Chef immer mehr in das Geschäft mit den Straßenautos eingebunden ist. Todt führt als Konsequenz eine zusätzliche Ebene unter sich ein, die ihn entlasten soll. Der frühere Personalchef Mario Almondo koordiniert die Projekte im Konstruktionsbüro. Stefano Domenicali ist für den sportlichen Ablauf zuständig. Ein "piccolo commendatore", wie man in Italien so schön sagt.

          Domenicali heuerte 1991 bei Ferrari an. Der 41 Jahre alte gelernte Betriebswirt aus der Rennstadt Imola ist ein harter Arbeiter und versiert in allen Fragen seines Jobs. Ihm fehlen aber die Härte, Durchsetzungskraft und Schlitzohrigkeit von Jean Todt. Ihm fehlt die Autorität, die Ross Brawn innerhalb des Teams genoss. Brawns Wort war Gesetz. Domenicali muss sich trotz langjähriger Zugehörigkeit zum Formel-1-Zirkus erst das Ansehen bei Bernie Ecclestone, dem Weltverband und den anderen Teamchefs erarbeiten. Dazu hat der bisherige Teammanager jetzt ein Jahr Zeit.

          Lobbyarbeit als Teil des Erfolgsgeheimnisses

          Michael Schumacher brächte die letztgenannten Eigenschaften qua seiner Person praktisch automatisch mit. Wer genießt mehr Ansehen in dieser Branche als der ehemalige Weltmeister? Er redet auf Augenhöhe mit den Drahtziehern der Szene. Sein Einfluss bei der Sporthoheit ist immens, und gute Lobbyarbeit ganz oben war immer auch ein Teil des Erfolgsgeheimnisses von Ferrari. Schumacher arbeitet seit Jahren in der Sicherheitskommission von FIA-Präsident Max Mosley.

          Zurzeit beschränkt sich Schumachers Input mehr auf die logischen Dinge. Er ist der Mittler zwischen Fahrern und Ingenieuren. Schumacher versteht die Sprache von beiden. Wenn Kimi Räikkönen ein Problem mit den elektronischen Fahrhilfen von Ferrari hat, dann ist Schumacher der beste Ratgeber. "Michael hat diese Spielzeuge geliebt", erinnert sich der ehemalige Technikchef Ross Brawn. "Er hat so gerne damit herumgespielt, dass wir ihn manchmal daran erinnern mussten, das restliche Testprogramm nicht zu vergessen."

          Bis jetzt hat sich Michael Schumacher vom Cockpit ferngehalten, auch wenn er den neuen Ferrari fahren dürfte, wann immer er will. Es würde bei einem Test bleiben. Die Möglichkeit, dass er jemals als Rennfahrer zurückkommt, schließen in Maranello mittlerweile fast alle aus.

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