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Michael Schumacher : Braucht er das noch?

  • -Aktualisiert am

Experten raten Michael Schumacher zum Aufhören Bild: AP

Je mehr Experten Michael Schumacher zum Aufhören raten, um so eher fährt er weiter - vielleicht gar im Team des Formel-1-Weltmeisters Renault.

          3 Min.

          Michael Schumacher hat es schwer. Zwei Rennen mit magerer Ausbeute, und schon rät ihm der Expertenrat im Fahrerlager zum Aufhören. Die Meinungen in diesem Geschäft haben eine kurze Halbwertszeit. Vergessen, daß Schumacher beim Saisonauftakt in Bahrein auf der Pole-Position stand. Verdrängt, daß er mit Fernando Alonso um den Sieg kämpfte.

          Der Ausflug in die Mauer der Zielkurve von Melbourne rief die Zweifler auf den Plan. „Zu viele Unfälle“, warnt Altmeister Jackie Stewart, „das sollte ihm zu denken geben.“ Niki Lauda sieht gar eine Tendenz zum Realitätsverlust: „Michael muß sich immer öfter einreden, daß der Ferrari konkurrenzfähig ist.“

          Das Bild kann sich schon beim nächsten Rennen in Imola drehen. Wenn die Erfahrungen des Vorjahres ein Maßstab sind, dann liegt die Strecke dem Ferrari und vor allem den Bridgestone-Reifen. Und die Roten haben mobil gemacht. Ein Aerodynamik-Facelift mit neuem Frontflügel und modifizierter Motorabdeckung. Eine überarbeitete Hinterachse. Eine Motorenrevision, die das Kolbenproblem gelöst zu haben scheint. Die Dauerläufe über 1300 Kilometer verliefen positiv.

          Ob der Formel-1-Pilot auf die Kritiker hört?

          Mutmachen um jeden Preis

          Der Motor kann jetzt in der Qualifikation und in kritischen Phasen des Rennens wieder bis 19.200 Umdrehungen in der Minute gedreht werden. Zuletzt hatte Ferrari aus Sicherheitsgründen freiwillig 20 PS verschenkt. Bridgestone probierte bei Testfahrten in Barcelona eine neue Chemie, die es erlaubt, weichere Mischungen einzusetzen. Schumacher spricht von „positiven Anzeichen“.

          Ist das wieder nur jener Zweckoptimismus, mit dem er in der jüngeren Vergangenheit so oft danebenlag? Das Mutmachen um jeden Preis, das Niki Lauda verwundert, „wo doch der Michael eigentlich ein Mensch ist, der mit beiden Beinen auf dem Boden steht“? Der dreifache Weltmeister von einst erkennt beim Rekordsieger der Formel 1 Mechanismen, die auch ihm im Endstadium seiner Karriere begegnet sind.

          „Michael merkt, daß da mit Alonso und Räikkönen zwei Fahrer herangewachsen sind, die auf seinem Niveau fahren. Da versuchst du dir automatisch einzureden, daß du mehr riskieren mußt, um dagegenzuhalten. Doch gleichzeitig baut sich in deinem Kopf ganz unbewußt eine Schranke auf, die dich zweifeln läßt. Und irgendwann kommt der Moment, wo du dich fragst: Brauche ich das alles noch?“

          Wechselt Kimi Räikkönen zu Ferrari?

          Alonso und Räikkönen, beide mehr als zehn Jahre jünger als Schumacher, haben nach den Ausführungen von Lauda einen anderen Kopf. „Für die ist Motorsport noch alles“, sagt der Österreicher. „Die haben ihre Ziele nicht oder erst zum Teil erreicht. Was denen leichtfällt, ist für einen mit 37 mit Anstrengungen verbunden.“ Irgendwann kommt dann einer, der einem die Augen öffnet. „Bei mir war es Alain Prost. Hätte ich ihn nicht als Teamkollegen gehabt, wäre ich noch drei Jahre länger gefahren.“

          Schumachers neuer Teamkollege bei Ferrari würde Kimi Räikkönen heißen. Allen Dementis zum Trotz: Der Finne ist fix bei Ferrari. Er müßte sich schon wie Jenson Button bei Williams freikaufen, wenn er plötzlich nicht mehr wollte. Die Verpflichtung des McLaren-Piloten, die schon im Februar 2005 abgewickelt worden sein soll, ist kein Mißtrauensvotum gegen Schumacher. Der ehemalige Champion wurde vorher konsultiert. Bei Ferrari läuft nichts hinter seinem Rücken. Weil Schumacher aber zu dem Zeitpunkt keine Aussage über seine Zukunft nach 2006 machen konnte oder wollte, mußte sich Ferrari mit einem anderen Spitzenfahrer absichern.

          Schumacher wurden keine Fristen gesetzt. Es werde Sommer werden, gab er als vages Ziel bekannt. Intern rechnet man mit Mai, schlimmstenfalls Anfang Juni. Auch Schumacher sucht noch Antworten auf einige Fragen. Wer hat bei Ferrari künftig die Zügel in der Hand? Jean Todt und Ross Brawn haben sich noch nicht festgelegt, auch wenn Todt sagt: „Wir wissen zu 95 Prozent, wie 2007 unser Team, unsere Fahrer und unsere Sponsoren aussehen.“

          Briatore: „Wir können uns Michael nicht leisten“

          Die nächsten Rennen in Imola und am Nürburgring werden zeigen, ob Ferrari technisch noch in der Lage ist, auf die Kampfansage von Renault, McLaren und Honda zu antworten. Nach dem hoffnungsvollen Saisonstart war Sand ins Getriebe geraten. Falsche Reifenwahl, Motorenprobleme, Fehler bei der Rennstrategie. Auch der Meister selbst fuhr nicht fehlerfrei.

          Je mehr Experten Schumacher zur Rente raten, um so wahrscheinlicher ist, daß er weiterfährt. Schon als Ansporn, es allen noch einmal zu zeigen. Doch Schumacher weiß auch, was ihn mit Räikkönen erwartet - der wahrscheinlich schnellste Fahrer der Gegenwart. Warum soll er sich die schwerste Prüfung gerade am Ende seiner Karriere antun? Oder kommt dann doch das berühmte eine Prozent ins Spiel, mit dem Schumacher die Phantasien der PS-Szene anregt? Renault-Chef Flavio Briatore würde den Deutschen gerne in das Team zurückholen, das ihn 1994 und 1995 zum Weltmeister machte. „Aber wahrscheinlich“, winkt Briatore ab, „können wir uns Michael nicht leisten. Er müßte beim Gehalt schon sehr nett zu uns sein.“

          Jean Todt kann über die Möglichkeit, daß sein Starpilot noch einmal das Team wechselt, nur lachen. „Die Leute machen das eine Prozent größer als die restlichen 99“, sagt er. „Das ist doch lächerlich.“ Trotzdem räumt er ein: „Kennen Sie ein Geschäft, das null Unsicherheitsfaktor birgt?“

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