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Ärger um Wechsel : Der Mann, der in der Formel 1 zu viel weiß

  • -Aktualisiert am

Im Fokus: Marcin Budkowski arbeitet bisher bei der Fia, bald bei Renault. Bild: Imago

Sie sind neben Piloten die Königsfiguren der Formel 1. Nun wechselt ein Ingenieur vom Weltverband zu Renault und nimmt viele Geheimnisse mit. Dieser Tabubruch sorgt für mächtig Ärger. Nur einer gratuliert.

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          Am Anfang war es nur eine unbedeutende Personalie im Mikrokosmos der Formel 1: Sechs Tage vor dem Großen Preis von Malaysia am vorvergangenen Wochenende meldete der Automobil-Weltverband (Fia), dass sein Technischer Direktor gekündigt hatte. Marcin Budkowski war nicht nur die rechte Hand von Rennleiter Charlie Whiting, über den Tisch des 40 Jahre alten Polen mit französischem Pass ging sämtliche Korrespondenz mit den Technikchefs der zehn Rennställe.

          Budkowski kennt somit alle Daten der aktuellen Autos, und er weiß, was die Teams für die Saison 2018 planen. Schließlich muss jede Neuentwicklung von der Fia auf Regelkonformität überprüft und danach abgesegnet werden. Noch drei Wochen vor seinem Abgang war Budkowski im Windkanal von Red Bull, um sich das Modell des Jahrgangs 2018 anzuschauen. Eine Woche später stattete er Sauber einen Besuch ab. „Er weiß, wie unser neues Auto aussehen wird, er kennt die Designphilosophie, die dahintersteckt“, erzählt Sauber-Teamchef Frederic Vasseur. Force-India-Teammanager Andy Stevenson berichtet: „Wir haben ihm die Daten des nächstjährigen Autos und der Aufhängung geschickt.“ Auch Otmar Szafnauer, Sportdirektor von Force India, ärgert sich: „Budkowski ist clever genug, dass er diese Daten versteht.“

          Der fahnenflüchtige Fia-Techniker war vor seiner Zeit beim Verband als Aerodynamiker bei McLaren angestellt. Damit kennt er alle Zusammenhänge eines modernen Formel-1-Autos. Daten von fremden Autos sind für ihn nicht nur Zahlenkolonnen. Er kann sie interpretieren. Die Teams haben Budkowski als Ansprechpartner bei der Fia geschätzt. Erst im vergangenen Winter erhielt er viel Respekt, als er die Aerodynamik-Regeln verständlicher formulierte, mit entsprechenden Zeichnungen versah und das Regelwerk neu strukturierte. Seit diesem Jahr leitete er an Stelle von Whiting die Sitzungen der Technischen Arbeitsgruppe.

          Die Kündigung des Mannes, der alles weiß, bekam eine neue Dynamik, als durchsickerte, dass seine Arbeitssperre lediglich drei Monate beträgt. Da Budkowski die Fia ohne Angabe von Gründen verlassen hat, setzte sich im Fahrerlager schnell der Verdacht durch, dass er bei einem Team andocken könnte. Und das womöglich schon am 1. Januar 2018. Anfangs wollte sich noch niemand unbeliebt machen und zugeben, das wandelnde Techniklexikon angeheuert zu haben.

          Doch die Teamchefs horchten sich gegenseitig aus. Und nach dem Ausschlussverfahren kristallisierte sich schließlich heraus, dass es sich bei der neuen Adresse von Budkowski nur um Renault handeln könne. Inzwischen ist dieser Transfer zur Tatsache geworden. Am Freitag, zwei Tage vor dem Großen Preis von Japan in Suzuka am Sonntag, verschickte Renault eine offizielle Pressemitteilung und vermeldete die Verpflichtung von Budkowski. Er wird im britischen Standort Enstone als Leiter der Chassisentwicklung beschäftigt sein. „In den letzten Monaten haben wir viele positive Veränderungen bei Renault vorgenommen, zum Beispiel die schnelle Aufrüstung der Fabrik in Enstone, die Restrukturierung unserer Motoren-Entwicklung in Viry und die Ankunft von neuen strategischen Partnern“, sagte Renault-Sportchef Cyril Abiteboul: „Es war klar, dass auch die Management-Ebene verstärkt werden muss. Budkowskis Mission beinhaltet, Enstone weiter zu stärken, damit Renault bis 2020 mit den Top-Teams mithalten kann.“

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