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Toto Wolff im Interview : „Bei Ecclestone weiß man nie“

„Was ich mache, macht mir Spaß“: Toto Wolff. Bild: AFP

Der Besitzerwechsel wird die Formel 1 verändern. Mercedes-Teamchef Toto Wolff spricht im FAZ.NET-Interview über Ecclestone, den Sound der Rennserie – und seine eigene Zukunft.

          5 Min.

          In der vergangenen Woche hat Liberty Media, der neue Besitzer der Formel 1, Bernie Ecclestone als Geschäftsführer abgesetzt – ist Ecclestone damit wirklich raus aus dem Spiel?

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Bei Bernie weiß man nie, ob er wirklich weg ist oder ob er nicht doch wieder irgendwo rauskommt. Aber Liberty hat nicht nur die Aktienmehrheit an der Formel 1 erlangt, sondern auch die Stimmrechte gesichert, und damit einhergeht das Recht, das Management zu besetzen. Chase Carey ist der neue Chef, das ist Fakt – und Bernie darf Ehrenpräsident bleiben. Das ist das Angebot.

          Ist es klug, jemanden zum Ehrenpräsidenten zu machen, der das überhaupt nicht will? Müsste man Ecclestone gerade – in der Übergangsphase – nicht viel mehr einbauen in das System, um an dessen Wissen zu kommen?

          Es ist grundsätzlich eine sehr schwierige Situation. Natürlich wäre es ein Vorteil für Liberty und uns alle, wenn wir das Knowhow von Ecclestone noch nutzen könnten. Aber es ist eine Gratwanderung, dieses Wissen zu wollen, wenn man sich zugleich von Ecclestone emanzipieren möchte – und ich glaube nicht, dass das gelingen wird.

          Wird Ecclestone noch einmal versuchen, die Macht zurückzuerlangen?

          Das ist ja in der Vergangenheit wiederholt passiert, und natürlich muss man in der Formel 1 mit allem rechnen. Ich gehe aber grundsätzlich davon aus, dass nun eine Situation geschaffen worden ist, in der es keinen Schritt zurück geben wird.

          Sehen Sie die derzeitige Situation eher als Chance oder Risiko?

          Beides ist möglich. Das Risiko ist, dass uns viel Wissen abhandenkommt. Bernie hat diese Rennserie in den vergangenen vierzig Jahren zu einem der größten globalen Sportunternehmen überhaupt entwickelt. Er hat unglaublich gute Deals gemacht, wir haben langfristige Fernsehverträge, wir erzielen tolle Reichweiten, weil wir im Free–TV laufen. Daran anzuschließen ist sicherlich nicht einfach, weil vieles auch auf persönlichen Beziehungen aufgebaut ist, die Bernie über Jahrzehnte aufgebaut hat. Andererseits gibt es auch weiße Flecken, wo wir uns verbessern können. Wir kommen in den digitalen Medien noch nicht genug vor. Das ist etwas, was noch nicht zu monetarisieren ist, was aber als Marketing–Tool von immenser Bedeutung ist, um etwa neue Zielgruppen zu gewinnen.

          Welches Business–Modell kann Liberty denn den Teams anbieten?

          Die Gespräche haben gerade begonnen. Ich denke, dass künftig exklusive Inhalte noch wichtiger werden, egal, über welche Plattformen man sie dann vertreibt. Man muss sich vielleicht orientieren am Erfolg von Amazon und Netflix – eine ähnliche Entwicklung setzt nun auch im Sport ein. Deshalb ist es erst einmal ein Coup für Liberty, die Rechte an solch einem globalen Sport zu besitzen.

          Liberty hat den Teams eine Beteiligung angeboten – allerdings ohne Mitspracherechte. Ist so etwas für Mercedes überhaupt attraktiv?

          Grundsätzlich ist es sicher ein guter Ansatz, um die Teams mit ins Boot zu holen, damit am Ende vielleicht einmal alle an einem Strang ziehen. Aber eine Beteiligung als reiner Finanzdeal hat für uns sicher keine Priorität. Die Bedingungen sind also etwas, worüber wir diskutieren müssen. Wenn wir uns langfristig als Teilhaber in der Formel 1 verpflichten, dann müssen wir auch als Team langfristig teilnehmen. Aber dann müssen wir erst einmal verstehen, wie die künftigen Strategien aussehen, was das Geschäftsmodell ist, wie die Entscheidungen getroffen werden. Diese Fragen muss man positiv beantworten – im Sinne des Sports und im Sinne des Unterhaltungswertes. Wenn man zu einem Konsens kommt, kann man auch über eine Beteiligung reden. Grundsätzlich muss es wieder für alle möglich sein, Geld zu verdienen in der Formel 1. Teambesitzer zu sein muss ein funktionierendes Geschäftsmodell sein – auch für die kleinen Rennställe.

          Versteht Liberty, wie wichtig diese europäische Seele für den Sport ist?

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