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Mercedes-Teamchef : Warum Wolff die Ecclestone-Nachfolge ablehnt

„Wenn es mir ums Geld ginge, müsste ich in meinen vorherigen Job zurückkehren und mich um Finanzinvestitionen kümmern“: Toto Wolff. Bild: dpa

Der Unternehmer Toto Wolff hat den Formel-1-Rennstall Mercedes an die Spitze geführt. Das macht ihn zu einer begehrten Figur. Nach F.A.Z.-Informationen hatte er ein interessantes Angebot – und lehnte ab.

          Smart ist er, dieser gebürtige Wiener. Darin sind sich die meisten einig im Fahrerlager der Formel 1. Torger Christian, genannt „Toto“, Wolff beherrscht das Spiel vor den Fernsehkameras, er lächelt, antichambriert, er macht Witze und präsentiert das harte Geschäft im schnellsten Zirkus der Welt mit einer erstaunlichen Leichtigkeit. Aber nur mit Höflichkeit bringt es niemand an die Spitze einer Branche - und Wolff ist in Rekordzeit zu einem der erfolgreichsten Teamchefs in der Geschichte dieser Rennserie aufgestiegen.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Drei Konstrukteurstitel hat Mercedes unter seiner Regie in den vergangenen drei Jahren gewonnen, an diesem Sonntag (14.00 Uhr / Live bei RTL, Sky und im Formel-1-Ticker bei FAZ.NET) folgt der dritte Fahrer-Titel. Die einzige verbliebene Frage ist, ob ihn Lewis Hamilton und Nico Rosberg gewinnt. Mit Wolff am Steuer ist das Formel-1-Projekt der Daimler AG dort angekommen, wo es seit der Übernahme des Brawn-GP-Rennstalls zur Saison 2010 hinwollte: nach ganz oben.

          Wolff kommt aus einfachen Verhältnissen. Sein Vater ist früh an einem Gehirntumor gestorben, da war der Sohn gerade einmal fünfzehn Jahre alt. Seine Mutter arbeitete als Anästhesistin für die Gemeinde Wien. „Damit hat sie meine Schwester und mich am Leben gehalten. Finanziell war das für mich bitter, und diese Erfahrung wurde später für uns ein Treiber“, sagt Wolff. Es sei ihm darum gegangen, etwas zu Ende zu führen. Etwas, wozu seinem Vater keine Zeit mehr blieb.

          Es ist Donnerstag abend, Wolff steht im Fahrerlager von Abu Dhabi. Zum weißen Teamhemd mit den Logos der Sponsoren trägt er eine beigefarbene Hose und Sneakers. Wolff ist gerade mal 44 Jahre alt, seine berufliche Laufbahn ist deshalb umso erstaunlicher. Ihm eilt der Ruf voraus, ein beinahe schon sensationell anmutendes Gespür für Geschäfte zu besitzen. In Wien studierte er Handelswissenschaften, verließ die Universität jedoch vorzeitig, um in Warschau ein Praktikum bei einer Investmentbank zu beginnen.

          Nico Rosberg (links) oder Lewis Hamilton – wer wird Formel-1-Weltmeister 2016?

          Wolff war der Meinung, dass er in der Praxis mehr lernen würde als in allen Vorlesungen zusammen. Und er überzeugte, so dass er danach das Vertriebsmanagement in einer Stahlverarbeitungsfirma übernahm. Als er 24 Jahre alt war, nahm er sich eine erste Auszeit, reiste in die Vereinigten Staaten und geriet dort mitten hinein in den neuen, boomenden Markt des Internets. Und der Gedanke daran ließ ihn nicht mehr los.

          Zurück in Österreich, machte sich Wolff selbständig. „Peter Pan“ - so nannte er seine Beteiligungsgesellschaft, die er 1997 gründete und ein Jahr später in „Marchfifteen“ umbenannt hat. Wolff hatte es auf Technologieunternehmen abgesehen und erwarb knapp ein Dutzend Beteiligungen. Er machte dabei zum Beispiel gemeinsame Sache mit einem jungen Grazer, der herausgefunden hatte, wie man die damals recht neuen SMS viel günstiger über das Netz verschicken konnte. Wolff sorgte für das Kapital, er machte die Firma groß, und im Jahr 2000 wurde „ucp“ für einen dreistelligen Millionenbetrag an die Deutsche Telekom verkauft. Wie viel Geld Wolff daran verdient hat, erzählt er nicht.

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