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Toto Wolff über Laudas Tod : „Es war ein Schock für alle, so surreal“

  • -Aktualisiert am

Toto Wolff (links) sah in Niki Lauda einen Freund und Sparringspartner. Bild: Picture-Alliance

Im Mai starb Formel-1-Legende Niki Lauda. Sein Tod ging vielen sehr nah. Mercedes-Sportchef Toto Wolff erinnert an eine außergewöhnliche Persönlichkeit – und ein besonderes Erlebnis nach Laudas Tod.

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          Das überschattendste Ereignis in diesem Jahr war Nikis Tod. Er hatte seit Juli 2018 nicht mehr an die Strecke kommen können, aber als es im Mai vor dem Rennen in Monaco tatsächlich passierte, war es für uns alle im Team ein Schock, so surreal. Wir konnten das nicht begreifen. Nach dem Rennen in Monaco sah ich Ron Meadows, unseren Teammanager, ein Pfundskerl, hartgesotten, mit Tränen in den Augen.

          Im Herbst hatte ich dann ein besonderes Erlebnis während eines Langstreckenflugs zurück von der japanischen Rennstrecke Suzuka nach Europa. Mit Niki hatte ich diese Reisen sehr häufig zusammen unternommen. Ich bin in der Nacht aufgewacht und sah ihn neben mir sitzen. Das kam mir total echt vor. Ich habe das Licht anmachen müssen, um zu verstehen, dass es nur eine Vorstellung von mir war. Das hatte ich vorher noch nie erlebt.

          Ich habe mich auch im Büro an der Rennstrecke immer wieder bei dem Gedanken ertappt, er käme jetzt gleich um die Ecke und riefe: „Hör auf jetzt, wir gehen Abendessen.“ Das ist bis heute so. Im Gespräch mit den Teammitgliedern mache ich die gleiche Erfahrung. Wir können nicht glauben, dass der Niki, diese Institution des Teams, nicht mehr dabei ist. Nach Bernies Abschied (Bernie Ecclestone war bis 2017 Chefmanager der Formel 1/die Redaktion) ist er die wichtigste Persönlichkeit in der Formel 1 für mich gewesen.

          Seine Präsenz und seine Unterstützung, ob auf politischer Ebene oder als Sprachrohr, hat uns unheimlich Power gegeben. Er konnte Dinge sagen, die sich andere nicht zu sagen trauten, so direkt und ungeschminkt, nach innen wie nach außen. Wenn wir eine kontroverse Botschaft zu verkünden hatten, dann war es Niki, der das gemacht hat und dafür immer geradestand.

          Für mich als sein Freund und Sparringspartner war er so etwas wie ein safe haven, ein sicherer Hafen. Er wusste, wann er mich nach einem langen, harten Tag an der Rennstrecke aus der Mühle herausholen musste, damit wir bei einem Abendessen stundenlang über alles reden und lachen konnten, über alle möglichen Blödheiten, über Triviales, aber auch über Privates.

          Sein offizieller Titel war: Aufsichtsratvorsitzender des Formel-1 Teams von Mercedes. Darunter mag man einen Herrn verstehen, der im Hintergrund wirkt, von oben auf die Dinge schaut, Fragen stellt, wenn es nicht so läuft. Das hat er getan. Aber Nikis phantastische Stärke war seine Ausstrahlung, seine schiere Anwesenheit. Er musste nur zur Tür hereinkommen.

          Aufgezeichnet von Anno Hecker.

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