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Mercedes ist zu langsam : Quälende Fragen und Kritik

Blick in die Zukunft: Mercedes plant bereits für das nächste Jahr Bild: AFP

Zwei Sekunden pro Runde verloren Schumacher und Rosberg beim Großen Preis von Deutschland auf die Spitze, kurz vor Ende wurden sie gar überrundet. Langsam wird dem letzten Silberpfeil-Fan klar: Der Mercedes ist zu langsam.

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          Es gibt doch noch eine Konstante bei Mercedes. Wie schon so oft in dieser Saison schoss Michael Schumacher auch beim Großen Preis von Deutschland nach dem Start nach vorne, von Rang elf auf acht – seine Systeme funktionieren noch immer. Die Probleme des Teams bleiben jedoch. Der Mercedes mit der Kennzeichnung W 01 ist zu langsam. Neu jedoch ist, dass der Rekordweltmeister ganz offensichtlich mit der Strategie am Kommandostand unzufrieden ist. Schon in Runde fünfzehn wurde er an die Box gerufen und wechselte von der weichen auf die harte Reifenmischung. „Das Team muss wohl gute Gründe dafür gehabt haben“, sagte Schumacher. „Die Marschroute war eigentlich anders.“

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die neue Strategie kostete ihn einige Plätze, und Schumacher (9.) und Nico Rosberg (8.) kreisten bei der Rückkehr der Silberpfeile auf deutschen Boden nur noch in der Bedeutungslosigkeit. „Es ist offensichtlich, dass die Probleme nicht zwischen Lenkrad und Tank sitzen, sondern davor und dahinter“, sagte Schumacher.

          Am Ende wurden Schumacher und Rosberg sogar überrundet

          Zwei Sekunden pro Runde verloren er und Rosberg in den ersten Umdrehungen auf die Spitze, kurz vor Rennende wurden sie sogar überrundet. „Für uns ist das eine Katastrophe, das ist unglaublich“, sagte Rosberg. Die Worte der Piloten werden deutlicher, und ihre Enttäuschung zeigt sich inzwischen auch äußerlich.

          Eher am Ende eingereiht: Michael Schumacher

          Schon am Samstag nach dem Qualifikationstraining hatte Schumacher gesagt: „Unsere Waffen sind stumpfer als erhofft und vorausgesagt.“ Doch die Ungeduld im Umfeld wächst, die deutsche Öffentlichkeit ist es nicht gewohnt, dass einer wie Schumacher nicht um Siege und Titel rast und dass seine Gegner plötzlich im Renault, Sauber oder Williams sitzen. Nach dem Heimspiel hat sich nun auch Rosberg endgültig von seinen Titelambitionen verabschiedet. Die Verantwortlichen zeigen sich selbstkritisch: „Wir hätten die Voraussetzungen gehabt, ein Auto zu bauen, das eine halbe Sekunde pro Runde schneller ist“, sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug.

          Mercedes hat seine Mitarbeiterzahl auf rund vierhundert Kräfte reduziert

          Nur hätte selbst dies in diesem Jahr nicht für einen Sprung nach ganz vorne gereicht. In Deutschland brachte auch das neue Aerodynamik-Paket nicht den gewünschten Erfolg, und nicht einmal Teamchef Ross Brawn konnte die Gründe dafür benennen. Der Blick geht nach vorne, schon im März haben die Ingenieure mit der Entwicklung des Boliden für die neue Saison begonnen, 2011 soll vieles besser werden, Schumacher gibt sich kämpferisch: „Ich weiß ganz genau, was wir mit diesem Auto für Möglichkeiten haben, wenn wir den gesamten Winter zum Umbau nutzten können.“

          Darauf vertrauen sie genauso wie auf die strengeren Reglementierungen in der Branche. Während die Konkurrenten personell noch aus dem Vollen schöpfen, hat Mercedes seine Mitarbeiterzahl auf rund vierhundert Kräfte reduziert.

          Sogar Hülkenberg hat Schumacher schon abgehängt

          Die junge Generation deutscher Rennfahrer hat den Kampf mit dem Rekordweltmeister im Mercedes aufgenommen: „Michael ist lange genug dabei, um zu wissen, wie der Hase läuft. Jeder muss schauen, wo er bleibt“, sagte Williams-Pilot Nico Hülkenberg. Im Qualifikationstraining blieb der Zweiundzwanzigjährige knapp vor Schumacher, im Rennen fuhr er lange auf der weichen Reifenmischung, schob sich zeitweise bis auf Rang sieben nach vorne, fiel nach seinem Boxenstopp aber wieder zurück und wurde 13.

          Damit war er noch besser bedient als Adrian Sutil (Force India), der dieses Wochenende am liebsten vergessen wollte. Er startete als 19., musste schon in der sechsten Runde zum zweiten Mal an die Box, kam in der 36. zum dritten Mal rein – und konnte danach immerhin für wenige Sekunden das Gefühl der schnellsten Rennrunde spüren. Das Ziel erreichte er als 17., eine Runde vor Timo Glock (Virgin), der 18. wurde.

          „Sie können es Enttäuschung nennen“

          All das sahen rund 6500 Zuschauer auf der ausverkauften Mercedes-Tribüne. Die Karten seien innerhalb kurzer Zeit vergriffen gewesen, die Begeisterung rund um das Comeback von Schumacher und die Wiederkehr von Mercedes in die Formel 1 weiterhin spürbar, sagen die Verantwortlichen.

          Das ist die eine Seite dieser Geschichte, die andere besteht nicht erst seit diesem Wochenende aus quälenden Fragen und Kritik, die – zugegebenermaßen – gerade auf dem „Boulevard“ zuweilen recht eindimensional erscheint. Mercedes-Motorsportchef Haug hört diese Stimmen und sagte dennoch: „Sie können es Enttäuschung nennen, ich versuche derartige Begriffe zu vermeiden.“ Das Zwischenfazit bleibt das gleiche.

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