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Mercedes abgehängt : Ein Schlag ins Wasser

  • -Aktualisiert am

Das ging ins Auge: Schumacher hatte mit dem Podium geliebäugelt - und kam als Zehnter ins Ziel Bild: dpa

Ist der W03 von Mercedes das kurioseste Gefährt der Formel 1? Beim Qualifying noch das Auto mit dem Topspeed, sind Schumacher und Rosberg im Regen von Sepang kaum konkurrenzfähig. Eine quälende Erfahrung.

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          Jetzt qualmen die Köpfe - schon wieder. Kaum war der Große Preis von Malaysia am Sonntag gelaufen, da zogen sich die Denker und Lenker von Mercedes für die erste interne Manöverkritik zurück. Statt einer Lösung für die Probleme bei der Saisonpremiere in Australien hatte der Formel-1-Rennstall den Zuschauern ein neues Rätsel geboten. Was macht den Boliden, der samstags so erfrischend schnell ist sonntags so lahm?

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Rang drei hinter den beiden McLaren im Qualifikationstraining, das beste Ergebnis für den Rheinländer seit dem Herbst 2006, hatte Schumacher zwar nicht als erstklassige Aussicht auf einen Sieg betrachtet: „Das wäre zu optimistisch.“ Aber unter den ersten Dreien wäre er doch gerne gelandet.

          Blindflug: Schumacher quält sich durch den Grand Prix von Malaysia Bilderstrecke

          Dieser Plan entwickelte sich zu einem Schlag ins Wasser. Nach den Schwierigkeiten wegen des starken Reifenabriebs auf trockener Piste beim Saisonauftakt in Melbourne kamen Schumacher (10.) und Rosberg (13.) am Sonntag auch mit den Pneus für die nasse Strecke von Sepang nicht in Schwung.

          Abgehängt vom mittelmäßig talentierten Senna

          Schon als es tröpfelte, stand Mercedes mit seinem Sprinter im Regen. Nun wächst der Zweifel, ob der W03 vielleicht das kurioseste Gefährt der Formel 1 ist. Obwohl Mercdes energisch widerspricht, führen Red Bull, Lotus und Ferrari den krassen Leistungsunterschied auf ein von ihnen kritisch beäugtes Luftleitsystem im Silberpfeil zurück. Im Rennen darf es maximal einmal pro Runde eingesetzt werden, im Qualifikationstraining nach Belieben.

          Während Schumacher am Samstag bis auf 0,17 Sekunden an die Pole-Zeit von Lewis Hamilton herankam, lagen er und Rosberg während der Regenphase des Grand Prix mitunter zweieinhalb Sekunden hinter den Schnellsten. Also unter Bedingungen, in denen der siebenmalige Weltmeister einst zu besonderer Form auflief: „Ich war happy, auf der Strecke zu bleiben, weil die Sicht so schlecht war und Aquaplaning herrschte. Im zweiten Teil haben wir auch nicht so viel Eindruck machen können auf die Jungs vor uns.“

          Und die hinter ihnen. Rosberg wurde innerhalb von drei Runden von Sebastian Vettel (11./ Siehe Text auf dieser Seite), von Kimi Räikkönen (5.) im Lotus und Mark Webber (4./Red Bull) überholt, ohne auch nur den Hauch einer Chance zu haben: „Die Reifen wurden immer schlechter.“

          Schumacher wehrte sich zwar anfangs mit eindrucksvollen Manövern, aber schließlich musste er sogar den eher mittelprächtig begabten Bruno Senna im Williams passieren lassen. Nur weil dessen Teamkollege Pastor Maldonado mit einer Rauchfahne am Heck von Rang zehn in die Box abbog, erbte der Rheinländer noch ein Pünktchen, den ersten und bislang einzigen für Mercedes.

          Im Regen das neuntbeste Auto

          Gäbe es eine Hackordnung für das Vermögen der Autos im Regenwetter, dann läge der Silberpfeil nach dem Eindruck von Sonntag hinter Ferrari, Sauber, McLaren, Red Bull, Lotus, Williams, Toro Rosso und Sahara Force India mit Nico Hülkenberg (9.) als bestem Deutschen auf Rang neun - von zwölf Teams.

          An den Fahrern liegt das nicht. Schumacher verließ Malaysia am Sonntag gefasst. Nicht einmal die Attacke des Franzosen Romain Grosjean mit dem Lotus kurz nach dem Start hatte ihn besonders aufgeregt. „Das war unnötig. Ich habe es nur im Augenwinkel mitbekommen. Beim Herausbeschleunigen ist er mir ans Hinterrad gefahren und hat mich rumgedreht.“

          Der missglückte Angriff bedeutete das Ende von Schumachers Hoffnung auf Rang drei und bildete gleichzeitig den Anfang einer neuen, quälenden Erfahrung. Der Mercedes ist auch wetterfühlig. Aber, glaubt man dem Piloten, nur etwas pflegebedürftig: „Es überwiegt das Positive. Ich gehe mal davon aus, uns fehlt eine Sekunde“, sagte Schumacher: „Vergangenes Jahr waren es zwei Sekunden. Es sind klare Fortschritte zu erkennen. Und ich habe von vornherein gesagt: Man darf nicht von uns erwarten, dass wir um Siege kämpfen, das braucht seine Zeit. Konzentrierte Arbeit wird uns weiter nach vorne bringen.“ Und gutes Wetter.

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