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Meinungen über Ecclestone : „Ein Idiot oder ein Widerling“

Idiot oder Widerling? Bernie Ecclestone Bild:

Bernie Ecclestone hat sich in der „Times“ lobend über Adolf Hitler geäußert und die Vorzüge von Diktaturen gepriesen. Stephen Pollard, Herausgeber des „Jewish Chronicle“, urteilte daraufhin: „Mister Ecclestone ist ein Idiot oder ein moralischer Widerling.“

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          Was mag in diesem Mann vorgegangen sein? Bernie Ecclestone hat sich in einem Gespräch mit der britischen „Times“ lobend über Adolf Hitler geäußert und die Vorzüge von Diktaturen gepriesen. „Ich vermute, es ist schrecklich, das zu sagen, aber - abgesehen von der Tatsache, dass Hitler mitgerissen und überredet wurde, Dinge zu tun, von denen ich nicht weiß, ob er sie tun wollte oder nicht - konnte er viele Menschen führen und war fähig, Dinge zu erledigen.“ So wurde der 78 Jahre alte Vermarkter der Formel 1 am Samstag zitiert. Mehr noch. Ecclestone behauptete weiter, dass die Demokratie „vielen Ländern nichts Gutes gebracht hätte“. So sei es ein Fehler gewesen, in den Irak einzumarschieren. „Wir haben etwas Schreckliches gemacht, als wir die Idee unterstützten, Saddam Hussein loszuwerden“, sagte Ecclestone. „Er war der Einzige, der dieses Land kontrollieren konnte.“ Mit Entsetzen haben Vertreter britischer Juden, Politiker und Medien auf diese Äußerungen reagiert. Der Jüdische Weltkongress (WJC) fordert Ecclestone zum Rücktritt auf. „Jemand, der ein solches Maß an Missachtung für die Demokratie zeigt, darf nicht Chef einer weltweit so bedeutsamen Sportveranstaltung sein“, sagte WJC-Präsident Ronald S. Lauder.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Sätze von Ecclestone reihen sich in verschiedene Szenen, die im Fahrerlager immer wieder zu beobachten waren. Flavio Briatore, Teamchef von Renault, wurde bei einem „Hitlergruß“ fotografiert, und Gäste im Zelt von Ecclestone werden an den Rennstrecken dieser Welt von dessen österreichischem Koch schon mal mit „Heil Hitler“ begrüßt. Gerade ein Monat ist vergangen, als Ecclestone sagte, die Formel 1 benötige eine „schwarze, jüdische Frau, die möglichst noch ein paar Rennen gewinnt“. Und als im vergangenen Jahr spanische Fans den dunkelhäutigen Piloten Lewis Hamilton rassistisch beschimpften, versuchte Ecclestone der Sache so wenig Aufmerksamkeit wie nur möglich zu schenken. „Ich denke, die mögen es einfach, Leute zu beleidigen“, sagte er damals. „Es war etwas Einmaliges. Nichts, worüber man sich Sorgen machen muss.“ Diverse Gruppen, die sich gegen Diskriminierung engagieren, sahen das anders. Ein Sprecher der Organisation „Unite Against Fascism“ sagte, dass es „eine klare Stellungnahme geben muss, dass Bigotterie und Rassismus in der Formel 1 nicht toleriert werden.“ Sie fehlt bis heute.

          Gemeinsame Liebe zu strengen hierarchischen Strukturen

          Stattdessen hat mit Ecclestone nun schon der zweite mächtige Mann in der Formel 1 mit negativen Schlagzeilen auf sich aufmerksam gemacht. Erst im Frühjahr des vergangenen Jahres gerieten Aufnahmen einer sadomasochistische Sexorgie von Max Mosley, dem Präsidenten des Internationalen Automobilverbandes, an die Öffentlichkeit. Das Gericht stellte später fest, dass die Szenen mit Dominas keine Nazi-Konnotation trugen. Dennoch forderten nach Bekanntwerden der Affäre in der Formel 1 engagierte Konzerne wie Mercedes und BMW oder Automobilklubs wie der ADAC den Rücktritt von Mosley. Zum Fall Ecclestone gaben die Hersteller bisher keine Stellungnahme ab. Der ADAC lässt verlauten: „Der ADAC hat selbst unter der Diktatur des Dritten Reichs gelitten, er wurde damals zwangsaufgelöst. Daher sind solche Aussagen nicht zu kommentieren. Sie sind gänzlich überflüssig.“

          Seit Jahren sind Ecclestone und Mosley nicht nur Verbündete in einer der lukrativsten Sportarten überhaupt, sie sind Freunde. Beide teilen die Liebe zu strengen hierarchischen Strukturen. Im Juni hatte Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo Mosley vorgeworfen, sich wie ein Diktator zu verhalten. Ecclestone antwortete einmal auf die Frage, ob er eine Diktatur in Bezug auf die Organisation der Formel 1 als sinnvoll erachte: „Ich glaube an die Diktatur nicht nur in der Formel 1, sondern überall. Nur so können Sie Sachen schnell erledigen.“ Wer die Zukunft Großbritanniens gestalten könnte, hat er der „Times“ auch verraten: Max Mosley als Premierminister. „Max würde einen tollen Job machen. Er kann Menschen gut führen.“ In den dreißiger Jahren hat Mosleys Vater Oswald die rechtsextreme British Union of Fascists gegründet. All diese Äußerungen lassen Stephen Pollard, den Herausgeber des „Jewish Chronicle“, zu folgendem Urteil kommen: „Mister Ecclestone ist ein Idiot oder ein moralischer Widerling.“

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