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McLaren-Mercedes : Hamilton hat jetzt einen Partner

  • -Aktualisiert am

Erster unter Gleichen: Lewis Hamilton vor Heikki Kovalainen Bild: dpa

Bei der Präsentation des neuen Boliden von McLaren in Stuttgart wird deutlich, dass Mercedes in der Renngemeinschaft mehr Einfluss nehmen möchte. Der neue Kollege Heikki Kovalainen stellt keine Ansprüche ans Team.

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          Von Valencia nach Stuttgart; von einer Stadtfeier mit Prunk und Pomp 2007 inklusive Illusionstheater und Feuerwerk zu einer nüchternen, knallfreien Nachmittags-Vorstellung: Das soll ein Zeichen sein in der Geschichte der Formel-1-Fahrgemeinschaft McLaren und Mercedes. Jedenfalls schwebt der Stern der Schwaben so unübersehbar über dem Projekt wie kaum zuvor.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Geld ist reichlich geflossen von Stuttgart zum McLaren-Sitz Woking, Abermillionen Mark wie Euro in den vergangenen dreizehn Jahren der britisch-deutschen Renngemeinschaft. Dafür gab es Sekt, Siege - und zuletzt einen Skandal, die sündhaftteuere Spionageaffäre 2007. 100 Millionen Dollar brummte der Internationale Automobil-Verband der Renngemeinschaft nach einem undurchsichtigen Verfahren im vergangenen Herbst zur Strafe auf. Kosten, die Woking verursachte, aber Mercedes als Anteilseigner mit 40 Prozent mit zu tragen hat.

          Stuttgart greift ins Steuer

          Insofern passte die Präsentation des brandneuen Boliden in Stuttgart nur vordergründig in ein Sparprogramm. Hinter den Kulissen gilt die Federführung der Deutschen bei der Inszenierung am Montag als erstes unübersehbares Signal für eine Kurskorrektur nach den bitteren Niederlagen auf und neben der Piste 2007: Stuttgart greift ins Steuer.

          Der Tanz ums silberne Kalb

          Wohin der Weg führt? Vielleicht zu einer grundsätzlichen Richtungsvorgabe aus Baden-Württemberg. Das Interesse des Konzerns, in absehbarer Zeit mit einer Ausweitung der Beteiligung die Mehrheit zu übernehmen, scheint wieder gestiegen. Zumal das mangelhafte Krisenmanagement des britischen Teamchefs Ron Dennis 2007 den Rennstall um Siege und Ansehen brachte, obwohl Mensch und Maschine wie lange nicht mehr auf Sieg gepolt waren. Dabei soll es geblieben sein: „Wir haben ein besseres Auto, wir sind ein neues, ein stärkeres Team“, sagte Lewis Hamilton im Mercedes-Museum nach liebevoller Begutachtung des MP4-23.

          Ein Neuwagen für eine Million Euro zum Geburtstag

          Äußerlich unterscheidet sich der Flitzer nur in Nuancen von seinem Vorgänger. Was nach dem allgemeinen Verbot von Traktionskontrolle und Motorbremse wirklich noch drin steckt, werden die nächsten 68 Arbeitstage bis zum Saisonstart in Melbourne am 16. März zeigen, wenn der Dienstwagen nach allen Weiterentwicklungen rund um das Flügelwerk sein wahres Gesicht entblößen muss.

          Schon die erste Version, ausgeliefert pünktlich zum Geburtstag Hamiltons, nahm der WM-Kandidat als großes Geschenk wahr. Wer aber mit 23 einen Neuwagen im geschätzten Wert von etwa einer Millionen Euro als einzigartiges Spielzeug vor die Tür gestellt bekommt, der ahnt, dass es bald wieder rund gehen wird: „Lewis hat uns versprochen, den Speck nach Hause zu bringen“, sagte der Vorstandschef von Mercedes-Benz, Dieter Zetsche: „Wir werden alles tun, um das zu erreichen.“

          Kovalainen will nicht das zweite „Opfer“ sein

          Alles? Spitzenpiloten wie der nur um einen Punkt am WM-Titel vorbeigeschossene Hamilton verstehen darunter, etwas gleicher zu sein als alle anderen im Team. Wenn es etwa um kleine taktische Vorteile in den Rennen geht. 2007 hatte Fernando Alonso, vor Jahresfrist noch freudig zum neuen Chefpiloten bei McLaren ausgerufen, lange auf diese Position gepocht, sie aber unter dem Druck von Hamiltons Klasse und Cleverness nicht mal im Ansatz einnehmen können. Der Spanier, wütend und enttäuscht wieder zurückgekehrt zu Renault, fuhr als Erster beim Duell mit Hamilton in eine Sackgasse.

          Sein nomineller Nachfolger Heikki Kovalainen will nicht das zweite „Opfer“ sein: „Ich hätte nicht unterschrieben“, sagte der von Renault letztlich abgeschobene Finne, „wenn ich nicht wüsste, dass bei McLaren alle Piloten gleich behandelt werden.“ Da stand der 26 Jahre alte Kovalainen, ein konzilianter Zeitgenosse im Egomanen-Zirkus, und blickte wie nach einer glücklichen Bescherung in die Runde, während die Potentaten wie Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger oder der britische Botschafter in Deutschland, Sir Michael Arthur, von der Seite auf den Jungstar Hamilton schielten: Erst 23, schon eine Art Supermann-Mobil vor der Tür, die erste Biographie auf dem Schreibtisch und einen fett dotierten Vertrag in der Tasche. Bis 2011 soll sich das Salär Hamiltons jedes Jahr um 2,5 Millionen Dollar bis auf zehn steigern, plus jeweils drei Millionen Extragage für einen WM-Titel.

          „Unser Hauptaugenmerk liegt auf Lewis“

          McLarens Geschäftsführer Martin Whitmarsh beteuerte zwar den Gleichheitsgrundsatz im Team, „das ist unsere Strategie, das machen wir seit Jahren so“. Aber der Brite hatte vor dem Auftritt in Stuttgart schon erklärt, dass es sich bei den Briten um den Briten dreht: „Unser Hauptaugenmerk liegt auf Lewis.“ Kovalainen ist nicht die erste Wahl. Dafür spricht schon die kurze Laufzeit des Vertrages - ein Jahr plus Option.

          Diese Konstellation lässt McLaren-Mercedes allen Spielraum: Das Team hat einen durchaus schnellen Piloten an Bord, der aber vorerst jeder sportpolitischen Konfrontation mit Hamilton ausweichen wird, um auch in Zukunft über die Runden zu kommen. „In dieser Konstellation wird es zweifellos leichter für Lewis“, sagt ein Teammitglied. Und so hat Hamilton seine Position schon längst eingenommen: „Ich werde als Führungsfigur des Teams gesehen“, sagte er der Londoner „Times“, „hoffentlich kann ich den Job erledigen.“

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