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McLaren legt Protest ein : Räikkönen muss wieder zittern

  • Aktualisiert am

Es wäre ein „bisschen grausam” für Räikkönen Bild: AP

Die vom Spionage-Skandal geprägte Formel-1-Saison steht vor einem langen und unschönen Nachspiel. McLaren- Mercedes legte in der Benzin-Affäre Protest vor dem FIA-Berufungsgericht ein. Hat der Protest Erfolg, wäre Hamilton Weltmeister.

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          Lewis Hamilton lehnt eine Formel-1-Weltmeisterschaft am Grünen Tisch ab, doch sein Rennstall McLaren- Mercedes zieht den Protest in der Benzin-Affäre mit aller Konsequenz durch. Damit wird nach dem Konstrukteurs- auch der Fahrertitel außerhalb der Rennstrecke in einer sportgerichtlichen Auseinandersetzung zwischen den Silberpfeilen und Ferrari entschieden. Champion Kimi Räikkönen muss wieder zittern.

          „Die Bedeutung dieser Angelegenheit und der Zeitpunkt sind sicherlich bedauerlich“, hieß es in einer Pressemitteilung des McLaren-Mercedes-Teams am Dienstagabend. Aber wenn es eine Regelwidrigkeit gegeben habe, müsse diese angemessen untersucht werden. Die Begründung für den Freispruch der insgesamt vier betroffenen Piloten, von denen drei am Sonntag beim Finale in Sao Paulo vor Hamilton ins Ziel kamen, könne man nicht verstehen. Bei dem Quartett war zu kaltes Benzin gemessen worden. Der Freispruch erfolgte wegen möglicher Differenzen und Schwankungen bei den Messungen von Außen- und Sprit-Temperatur.

          Hamilton: „Titel auf der Strecke holen“

          Hamilton will davon gar nichts wissen. „Das wäre falsch. Ich möchte den Titel auf der Strecke holen“, hatte der 22 Jahre alte WM-Zweite vor der Bekanntgabe des endgültigen Einspruchs gewarnt. Doch um 18.21 Uhr teilte der Internationale Automobilverband FIA mit, dass der britische Verband im Namen des britisch-deutschen Teams den Protest vor dem FIA-Berufungsgericht eingelegt habe. „Es geht unserem Team nicht darum, den WM-Titel am Grünen Tisch zu gewinnen“, erklärte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug.

          „Aus und erledigt”: Für Hamilton ist die WM gelaufen

          Allerdings wäre genau das die Konsequenz, wenn das Berufungsgericht die drei mitbetroffenen Piloten disqualifizieren würde und Hamilton die entsprechenden Punkte zugesprochen bekäme. Fünfter müsste er sein, um den Titel zu gewinnen, Siebter wurde er. Die Formel-1-Fans dürfen sich nun auf einen langen Kampf vor den FIA-Instanzen gefasst machen. Denn eines ist klar: Sollte nun Ferrari mit Pilot Räikkönen Leidtragender werden, dürften weitere Schritte vorprogrammiert sein und die vom Spionage-Skandal geprägte Saison ein langes und unschönes Nachspiel am Grünen Tisch haben.

          Ein „bisschen grausam“ für Räikkönen

          Es gehe um die Klärung der Basis zur Einhaltung von eindeutigen Reglements und dies sei im Interesse aller Teams, so Haugs Begründung. Letztlich ist es aber der verzweifelte Versuch zu retten, was das Team vor allem selbst verspielte, nachdem Räikkönen in der Saison zwischenzeitlich mit 26 Punkten hinter Hamilton gelegen hatte.

          Es wäre ein „bisschen grausam“ für Räikkönen und „wahrscheinlich auch nicht gut für den Sport“, so der erst im letzten Saisonrennen im Kampf um die Krone geschlagene Hamilton in einem Interview mit dem britischen Sender BBC. „Ich würde mich komisch fühlen, denn Kimi hat in den letzten beiden Rennen einen fantastischen Job gemacht“, sagte der Brite zwei Tage nach seiner bitteren Niederlage beim Saisonfinale in Sao Paulo. Dort war bei drei Autos, die vor Hamilton ins Ziel kamen, zu kaltes Benzin gemessen worden. „Ich bin erst 22 und es wird noch eine Menge Gelegenheiten für mich geben, die WM zu gewinnen. Ich habe keinen Zweifel, dass wir es in der Zukunft schaffen“, sagte Hamilton.

          Alonso: „Das wäre ein Schande“

          Sein in der Endabrechnung punktgleicher (109/3. Platz) spanischer Kollege und Titelverteidiger Fernando Alonso hatte den Einspruch bereits am Montag heftig kritisiert. „Wenn der Protest bei der FIA Erfolg hat und Hamilton dadurch doch noch den Titel gewänne, würde ich vor Scham vergehen. Das wäre eine Schande“, sagte Alonso dem spanischen Radiosender Cadena SER.

          Das Team, das wegen der Spionage-Affäre ganz aus dem Rennen um die Konstrukteurswertung genommen worden war, habe sicherlich gute Gründe für den Protest, meinte Hamilton. „Aber als Fahrer ist es aus und erledigt - die WM gelaufen“, so der Sensations-Neuling. Er hatte den Titel als jüngster Pilot um zwei Punkte verpasst und damit auch den Eintrag, es als erster Fahrer im ersten Formel-1-Jahr geschafft zu haben. „Du willst es mit Stil machen, das Rennen gewinnen oder um die Führung kämpfen. Dadurch aufzurücken, dass andere aus der Wertung genommen werden, ist nicht die Art und Weise, wie ich es schaffen will“, sagte Hamilton.

          Disqualifikation der Vorderleute?

          Vom Protest betroffen sind drei Fahrer, die beim Finale vor Hamilton ins Ziel gekommen waren: Der Williams-Toyota des Brasilien-Vierten Nico Rosberg aus Wiesbaden und die hinter ihm auf fünf und sechs rangierenden BMW-Sauber mit dem Polen Robert Kubica und dem Mönchengladbacher Nick Heidfeld. Es gilt aber gar nicht als sicher, dass bei einer möglichen Disqualifikation der Vorderleute Hamilton automatisch auch die entsprechend höhere Punktzahl einheimsen würde. Am Ende fehlten zwei Zähler gegenüber Räikkönen, der mit sechs Siegen und 110 Punkten vor den punktgleichen Silberpfeil-Piloten Hamilton und Alonso triumphierte.

          Womöglich kommt die angesetzte Feier der Scuderia über den zweiten WM-Titel in dieser Saison vor dem derzeit mit leeren Händen dastehenden Erzrivalen zu früh. Nach einem Bericht der „Gazzetta dello Sport“ wollen die Italiener am Sonntag in Mugello anstoßen. Auch Rekordweltmeister Michael Schumacher soll dann mit dabei sein. Er hatte 2004 Ferrari den bis dato letzten Fahrer-Triumph beschert. Ohne Nachspiel.

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