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Formel 1 : McLarens Rennen der Hoffnung

Noch fährt McLaren hinterher: Stoffel Vandoorne darf aber auf Besserung hoffen Bild: AP

McLaren glaubt, dass die Motorenprobleme gelöst sind, und ruft Stoffel Vandoorne gleich zum kommenden Weltmeister aus. Ein PS-Boost könnte auch Fernando Alonso im Team halten.

          Die Vermarktung der Formel 1 funktioniert nach einem einfachen Prinzip. Steuert ein junger Pilot einigermaßen aussichtsreich über die Grand-Prix-Strecken der Welt und führt der Kalender auch ein Rennen in seinem Heimatland, findet sich mit einiger Sicherheit alsbald eine Tribüne, die den Namen des Fahrers trägt. Der Circuit de Spa-Francorchamps, die älteste permanente Rennstrecke im Kalender des Formel-1-Jahres, auf dem an diesem Wochenende der Große Preis von Belgien ausgetragen wird, bildet da keine Ausnahme. Die Schilder sind schon aufgestellt, weisen den Weg zur Tribune Stoffel Vandoorne vor der Stavelot-Kurve.

          Für Vandoorne, 25 Jahre alt, wurde zu Beginn dieser Saison bei McLaren der frühere Weltmeister Jenson Button in den Ruhestand geschickt. Seither schlägt sich der Belgier mit dem von Honda untermotorisierten McLaren so ordentlich, dass sein Rennstall am Mittwoch bekanntgab, auch im kommenden Jahr auf Vandoorne zu setzen. Das war, auch wenn die Weiterbeschäftigung nach Vandoornes Aussage „nie in Frage stand“, die gute Nachricht zum Wochenende. Am Donnerstag folgte die schlechte für Fahrer und Fans: Weil in Vandoornes Boliden so viele neue Motorkomponenten eingebaut werden, akkumuliert sich die Strafe der diversen Rückversetzungen in der Startaufstellung auf 35 Startplätze. Wer spotten will, darf behaupten, immerhin könnte Vandoorne sein Auto dann vor den Fans auf der Tribune Vandoorne zum Start plazieren. 7004 Meter schlängelt sich der 1921 eröffnete Kurs durchs Hohe Venn, von der Stavelot-Biegung sind es durchaus noch etliche Meter bis zur Startampel.

          Leistung in Sicht

          Tatsächlich wird Vandoorne am Sonntag wohl vom letzten Startplatz ins Rennen gehen, aber der Belgier hat trotzdem Grund zu ein bisschen mehr Optimismus, nicht nur, weil McLaren-Direktor Zak Brown ihn anlässlich der Bekanntgabe der Vertragsverlängerung einen „künftigen Weltmeister“ nannte. Denn Vandoorne, schon als Nachwuchsfahrer von McLaren gefördert, 2015 Champion in der GP2-Nachwuchsserie, aber in dieser Saison erst ein einziges Mal, vor drei Wochen in Ungarn, in die Punkteränge gefahren, testet in Spa die nächste Weiterentwicklung des Honda-Triebwerks. Und das soll, man höre und staune nach all den Ausfällen, Rückschlägen und Problemen, tatsächlich noch so viel Potential bieten, dass die eigentlich so gut wie feststehende Scheidung der bislang so unglücklich verlaufenen Beziehung zwischen dem englischen Traditionsrennstall und dem japanischen Großserienhersteller womöglich doch noch verhindert werden könnte.

          Vom „Ilmor-Boost“ ist die Rede, und zwar beim britischen Portal Motorsport.com – bei dem Zak Brown, Vandoornes Chef, Aufsichtsrat ist. Hondas Motorenchef Yusuke Hasegawa bestätigt es zwar nicht, aber es gilt als gesichert, dass der Schweizer Motorenspezialist Mario Illien den Japanern beigestanden hat. „Wir dementieren nicht, dass es eine Möglichkeit ist, mit externen Experten zusammenzuarbeiten“, wird ein Honda-Sprecher zitiert. In ähnlicher Weise hatte Illien 2015 schon dem schwächelnden Renault-Triebwerk auf die Sprünge geholfen, als die Schärfe der Klagen beim Renault-Kunden Red Bull vermuten ließen, der Scheidungsanwalt sei bereits mandatiert. Leistung auf Niveau des Renault-Motors ließe sich aus dem Honda-Motor auch herauskitzeln, wenn auch nicht sofort, heißt es nun.

          Ein Wechsel zu Renault – Mercedes und Ferrari haben kein Interesse, McLarens Antriebsschwäche zu beheben – erscheint nun nicht mehr zwangsläufig, zumal eine Trennung von Honda für McLaren auch den Verlust des nicht unerheblichen japanischen Anteils am Budget bedeuten würde. Und Renault betreibt ein Werksteam und beliefert zudem Red Bull und Toro Rosso, eine Vorzugsbehandlung gäbe es nicht für das zweiterfolgreichste Team der Formel-1-Historie.

          Gute Aussicht? Der Belgier Stoffel Vandoorne vor dem Heimrennen in Spa

          Überzeugen muss der Schub vor allem Fernando Alonso, den Brown am Mittwoch den „wohl besten Fahrer, der heute im Sport ist“, nannte. Alonso, Weltmeister von 2005 und 2006, ist frustriert von Dutzenden Rennen, in denen vor allem Lewis Hamilton, Sebastian Vettel und Nico Rosberg Siege einfuhren, ohne dass er auch nur einen Ansatz hatte, eingreifen zu können. Ende Juni hatte der Spanier zu seiner Zukunft gesagt: „Wie immer ich mich entscheide, ich werde 2018 Rennen gewinnen. Nächstes Jahr wird ein glückliches Jahr.“ Damals war die Aussage als weiteres Indiz für einen Abschied gewertet worden. Nun könnte Alonso entscheiden, doch noch einen weiteren Anlauf bei McLaren nehmen zu wollen, zumal wirklich überzeugende Alternativarbeitsplätze nicht offen scheinen.

          Für Hamilton und Vettel, den Mercedes- und den Ferrari-Piloten, beginnt in Spa-Francorchamps die entscheidende Phase der Weltmeisterschaft. 14 Punkte liegt Vettel vor Hamilton. Für alle anderen Teams ist die Saison im Prinzip gelaufen, geht es gedanklich darum, Anschluss zu finden, den Abstand zur Spitze im kommenden Jahr zu verringern, das steuernde Personal bei Laune zu halten. Red Bull hat mit Max Verstappen vermutlich ebenfalls einen kommenden Weltmeister an Bord, muss dem jungen Mann aber Argumente liefern, dass er die Titel bei ihnen gewinnen wird. Ansonsten könnte Verstappen von 2019 an für die Konkurrenz durchstarten. Rund 80 000 Niederländer sollen Verstappen nach Spa begleiten. Abseits der Tribune Stoffel Vandoorne werden die Ränge hauptsächlich in Oranje getaucht werden. Macht nichts, sagt Vandoorne. „Wenn wir wettbewerbsfähig sind, bin ich mir sicher, dass auch sehr viele Belgier kommen werden.“

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