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Formel 1 in den Niederlanden : Verstappen „fliegt“ in den Dünen zum nächsten Sieg

Ein gewohntes Bild in der Formel 1: Max Verstappen jubelt mit dem Pokal des Siegers. Bild: EPA

Mit dem zehnten Sieg im 15. Rennen ist Champion Max Verstappen auf dem besten Weg zum WM-Titel. Die Fans in den Niederlanden freuen sich nicht nur über seinen Erfolg. Ferrari zeigt wieder Slapstick.

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          Orangene Schwaden steigen über den Tribünen auf. Das ist in den Niederlanden, wenn die Formel 1 das Ziel erreicht hat, ein Rauchzeichen von den Fans: Wir haben einen Champion! Max Verstappen. Daran ist nach seinem zehnten Sieg im 15. Formel-1-Rennen der Saison kaum mehr zu zweifeln.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Denn Verstappen ließ im Red Bull beim vierten Sieg in Serie diesmal den keineswegs überraschend schnellen George Russell (Mercedes) hinter sich. Sein Herausforderer Charles Leclerc wurde im Ferrari „nur“ Dritter, verlor im Kampf um den Fahrertitel noch mehr Boden. Sein Rückstand auf den Führenden Verstappen wuchs auf 109 Punkte an. Sieben Grand Prix sind noch zu fahren. „Der Abstand ist ziemlich groß“, sagte Leclerc nüchtern, „wir schauen jetzt von Rennen zu Rennen.“

          Fein ausgetüfteltes Taktikprogramm

          Die Zuschauer, geschätzt 70.000 auf den voll besetzten Tribünen, mussten warten. Nicht auf die Führung Verstappens, der nach dem Start von der Pole-Position an der Spitze blieb, verfolgt von Leclerc und dem zweiten Ferrari-Piloten Carlos Sainz. Aber auf das, was die Herzen der Fans höher schlagen lasst, Überholmanöver. Ein Problem in Zandvoort. Die Streckenführung bietet nur eine Gelegenheit für heikle Attacken. Ein Risiko am Sonntag, weil die Boliden der Schnellsten, Red Bull, Ferrari und Mercedes lange auf Augenhöhe zu kreisen schienen.

          Und so hatte die Ingenieursgemeinde ein Taktikprogramm vorbereitet, um mit den Boxenstopp-Plänen voran zu kommen. Fein ausgetüftelt bis auf die Zehntelsekunde. Das wäre wohl gut gegangen, wenn da nicht der Mensch wäre in und an der Maschine. Deshalb kamen die Fans schon während der sich langsam anbahnenden Entscheidung über Sieg und Niederlage auf ihre Kosten.

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          Zumindest beim Blick in die Boxengasse bot die Formel 1 gute Unterhaltung. Allen voran Ferrari. 16. Runde: Sainz, an Dritter Stelle liegend, kommt zur Box. 2,5 Sekunden sind Standard für den Reifentausch. Wenn denn alle Pneus zur Stelle sind. Ferrari fehlt der linke Hinterreifen. 12,7 Sekunden verrinnen, ehe die Scuderia ihren zweiten Mann wieder ins Rennen zurückschickt.

          Teamchef Mattia Binotto gibt auf Befragung offen zu, Sainz sei früher als geplant gerufen worden: „Ein Durcheinander, die Mechaniker waren noch nicht vorbereitet.“ Auch Haas ließ Mick Schumacher wegen eines klemmenden Wagenhebers zehn Sekunden schmoren, er wurde deshalb nur 13. vor Sebastian Vettel im Aston Martin. Aber Ferrari schielt noch auf den Konstrukteurstitel. Mit drei Rädern?

          Verstappens Fangemeinde, wie am Volkswandertag in Oranje von den Auto- und Fahrrad-Parkplätzen zur Piste geströmt, nahm die Schwächung des Gegners mit hörbarer Freude hin. Zumal ihr Landsmann die erste Boxenstopp-Arie souverän überstand, die Führung vor Leclerc auf gut acht Sekunden ausbaute zur Hälfte des Rennens. Eine kleine Überraschung, wollte Ferrari nach dem Desaster in Belgien vor gut einer Woche doch wieder in Schlagdistanz sein.

          Die Piste in den Dünen erlaubt eine andere, dem Ferrari liegende Abstimmung. Über eine Runde, im Qualifying, hatte Verstappen den Monegassen dann auch nur um 0,021 Sekunden hinter sich lassen können, dank virtuoser Steuerkünste. Aber im Dauerlauf ließ der Weltmeister den Herausforderer nicht herankommen, im Gegenteil. Die Distanz wuchs. Das war ein guter Moment, den Blick zu wenden auf eine ganz andere Strategie, die von Mercedes: Mit einem statt zwei Boxenstopps über die Runden kommen zu wollen.

          Und siehe da, Lewis Hamilton kehrte auf die Bühne zurück, attackierte Sergio Perez im zweiten Red Bull, Rad an Rad zogen die beiden durch die erste Kurve, bis der Mexikaner den Rekord-Weltmeister in der nächsten Runde auf abgenutzteren Pneus Rang drei überlassen musste. Ein Hinweis auf drohende Gefahr für Verstappen? Mit seinem zweiten Boxenstopp würde der Champion hinter Hamilton und Russell zurückfallen.

          Just in dieser Phase rund um die 45. Runde tritt Yuki Tsunoda auf den Plan. Der Japaner kehrte nach einem ersten Halt auf offener Strecke zur Box zurück, nahm das Rennen wieder auf, ehe er kurz danach den Alpha Tauri am Rand der Strecke abstellte. Er hätte eine bessere Position wählen können. Was ein Glück für Verstappen. Das Malheur im Tochterteam von Red Bull führt zum Einsatz des Virtuellen Safety-Cars. Die Abstände werden eingefroren, ein Boxenstopp, der von Verstappen zum Beispiel, dauert in Zandvoort dann acht Sekunden weniger.

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          Und so blieb der Lokalmatador nach seinem Service vor den Mercedes-Fahrern. „Das wäre wohl ein anderes Finale geworden“, sagt Mercedes’ Teamchef Toto Wolff später. Aber man trifft sich zweimal im Rennen. Als ein Alfa Romeo nicht mehr weiterkommt, rückt das echte Safety-Car raus. Verstappen lässt zum dritten Mal die Gummis wechseln. Mercedes setzt auf zwei Strategien: Hamilton bleibt draußen, Russell folgt Verstappen.

          Die Silberpfeile setzen auf ihre Siegchance. Aber das Auto ist zu langsam auf der Geraden. Beim „fliegenden“ Neustart erlaubt sich Hamilton einen Fehler, Verstappen zieht wieder vorbei in Führung. Da zeigt sich das wahre Potential des RB18. Der Weltmeister fährt anfangs pro Runde fast eine Sekunde schneller. Hamilton wird von Russell auf den besseren Gummis überholt und muss dann auch Leclerc weichen. Er schimpft wie ein Rohrspatz. Sein Nachfolger scheint gefunden.

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