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Formel 1 in Belgien : Der „Große Preis für Max“

Max Verstappen im RedBull Bild: LECOCQ/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Die Niederländer adoptieren das Formel-1-Rennen von Spa. Nach Pleiten, Pech und Pannen hofft ihr Held Verstappen auf sein „Heimrennen“.

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          Es gibt keinen Großen Preis der Niederlande mehr. Den letzten, vor 32 Jahren, gewann Niki Lauda, in den Dünen von Zandvoort. Macht nichts, Niederländer sind bekanntlich erfindungsreich. Wer seit knapp 500 Jahren aus Meer Land macht, kann sich auch ein Formel-1-Rennen basteln. Dazu braucht es nicht viel: eine im nahen Ausland gelegene Rennstrecke, selbstverständlich, ein paar Campingplätze, auch das selbstverständlich. Ein nicht allzu kümmerlicher Biervorrat ist von Vorteil und ausreichend Gelegenheit, die kulinarischen Vorlieben zu befriedigen. Und, tenslotte, wie es auf Niederländisch heißt, wenn last, not least gemeint ist, einen Fahrer, für den es sich lohnt, sich auf die Reise zu machen. Und deshalb gibt es, seit Max Verstappen im phänomenal jungen Alter von 17 Jahren seinen ersten Grand Prix fuhr, wieder einen Großen Preis der Niederlande.

          Genau genommen sind es sogar deren zwei – oder eineinhalb wenigstens, denn das Rennen in der Steiermark, Großer Preis von Österreich genannt, wird Jahr für Jahr ebenfalls adoptiert, Zehntausende Zuschauerplätze in fröhliches Orange getaucht. Nirgends aber funktioniert das Modell des „Großen Preis für Max“ besser als auf dem Circuit de Spa-Francorchamps in den Ardennen, 75 Kilometer südlich von Maastricht – und das längst nicht nur wegen der belgischen Tradition, geschnittene Kartoffeln in Bratfett zu sieden. 80 000 Niederländer sollen an diesem Sonntag an der Strecke sein, vorwiegend in oranje gekleidet, vereint unter einem Motto: Go Max!

          Bei dieser Kulisse wird das Rennen in Belgien für den Niederländer Verstappen fast zum Heimspiel.

          Alle für einen, das hat Tradition, gerade in Spa. „Schumi, Fritten und Bier – darum sind wir hier“, hieß es in der Schumacher-Ära, als Zehntausende deutsche Fans kamen. Der Unterschied von damals zu heute: Die Chancen auf einen Sieg Schumachers waren stets hoch. Sechsmal gewann Schumacher hier, ein weiterer Sieg wurde ihm nachträglich aberkannt (1994). Verstappen aber, inzwischen 19 Jahre alt, erlebt in diesem Jahr zum ersten Mal in seiner Karriere, dass sich auch Wunderkinder gedulden müssen.

          Als er im vergangenen Jahr das Cockpit bei Red Bull bekam, nach dem Großen Preis von Russland, gewann er im Mai gleich das erste Rennen in Spanien. Von den folgenden 28 Formel-1-Rennen gewann er keines mehr, sein Teamkollege Daniel Ricciardo aber immerhin zwei, zuletzt im Juni in Baku. Kein Pilot ist in diesem Jahr bislang weniger Rennkilometer gefahren als Verstappen: 1959 Kilometer. Zum Vergleich: Lewis Hamilton und Sebastian Vettel, bislang noch nicht ausgefallen, kommen auf 3313, in die Differenz lassen sich mehr als vier Formel-1-Rennen in Spa packen.

          „Er hat sehr viel Pech gehabt in dieser Saison“, sagt Red-Bull-Teamchef Christian Horner über Verstappen, „es gibt keinen besseren Ort als sein Heimrennen, damit sich das ändert.“ Fünfmal ist Verstappen bislang ausgefallen in dieser Saison, meist wegen technischer Defekte am Red Bull. In Montreal, Baku und Spielberg kam er dreimal in Serie nicht ins Ziel, in Österreich endete das Rennen in der ersten Kurve, als er am Ende der Kollisionskette Kwjat, Alonso, Verstappen unverschuldet von der Piste gedrückt wurde, just vor der Tribüne mit ein paar tausend Fans in orangefarbener Kleidung. Der bislang letzte Auftritt der Marke „Go Max!“ liegt schon Monate zurück. Anfang April in China stürmte Verstappen binnen einer Runde von Startplatz 16 auf Rang sieben und stand am Ende des Rennens tatsächlich neben Hamilton und Vettel bei der Siegerehrung. Es war das einzige Mal in dieser Saison, dass ein Grand Prix ein derart schönes Nachspiel für ihn hatte.

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