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Mark Webber im Gespräch : „Leider ist Sebastian Vettel mein Teamkollege“

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„Ich glaube, dass fünf oder sechs Siege nicht mehr möglich sind”: Mark Webber Bild: dpa

Zum 35. Geburtstag an diesem Samstag wurde der Vertrag von Mark Webber bei Red Bull bis zum Ende der kommenden Saison verlängert. Im FAZ.NET-Interview spricht der Australier über sein Image, Sebastian Vettel und das Leben nach der Formel 1.

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          Sie sind an diesem Samstag 35 Jahre alt geworden und haben gerade den Vertrag mit Red Bull um ein weiteres Jahr verlängert. Sehen wir Sie noch mit 42 in der Formel 1?

          Puuuh, ich weiß nicht. Fakt ist, dass ich noch immer richtig gut drauf bin, und ich es liebe, mich dort draußen mit den anderen Kerlen zu messen. Ich spüre mein Alter dabei nicht. Als ich diese „35“ auf der Geburtstagskarte von meinen Eltern gesehen habe, konnte ich mir nicht vorstellen, dass dieses Alter real sein soll. So fühle ich mich nicht. Ich bin vielleicht einfach nur ein bisschen vernünftiger geworden.

          Dann sollten Sie ihrem Teamkollegen Sebastian Vettel vielleicht schon zum WM-Titel gratulieren, er hat 85 Punkte Vorsprung. Wie soll er noch zu stoppen sein?

          Wir müssen den Abstand auf ihn verringern und hier in Spa damit beginnen. Wir müssen zurückschlagen. Am besten machen wir pro Rennen zehn Punkte gut. Es ist egal wie. Und es ist auch egal, wer es übernimmt. Natürlich will ich dabei sein. Sebastian ist in einer großartigen Position, aber der Titelkampf ist noch nicht vorbei. Es sind noch acht Rennen, es kann vieles passieren, vielleicht fällt er zwei Mal hintereinander aus.

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          Kann ein Fahrer die zweite Saisonhälfte so dominieren, wie es Vettel bisher tat?

          Nein, das ist vorbei. Ich glaube, dass fünf oder sechs Siege nicht mehr möglich sind. Das wird nicht mehr passieren in diesem Jahr. McLaren und Ferrari haben zu uns aufgeschlossen, die Grand Prix werden härter und enger.

          2010 fuhren Sie zum ersten Mal um die WM - mit 33 Jahren. Das war eigentlich ein bisschen zu spät, oder?

          Es war nicht einfach für mich, in so ein außergewöhnliches Cockpit wie das des Red Bulls zu steigen. Aber so war mein Weg, und andere haben früher beinahe genauso lange auf eine derartige Gelegenheit warten müssen: Mansell, Senna oder Häkkinen. Aber dieser Sport hat sich verändert, junge Fahrer wie Sebastian (Vettel) oder Lewis (Hamilton) saßen wesentlich früher in einem schnellen Auto. Sie konnten im Simulator trainieren, die Leistung der Boliden ist geringer als früher, die Rennstrecken sind viel sicherer - all das macht es leichter für junge Piloten. Natürlich ist es noch immer schwer, schnell unterwegs zu sein, aber in den neunziger Jahren brauchtest du dafür noch viel mehr Erfahrung.

          Wäre Ihre Karriere unvollendet ohne WM-Titel?

          Nein, so denke ich nicht. Natürlich wäre es großartig, diesen Titel zu gewinnen, nichts anderes ist mein Ziel. Aber wenn du dich mehr als zehn Jahre in der Formel 1 hälst, dann bist du nicht gescheitert. Dann kann ich nicht so viel falsch gemacht haben.

          Denken Sie manchmal: Warum muss mir immer dieser Vettel im Weg sein?

          Ja, leider war Sebastian mein Teamkollege, als ich zum ersten Mal ein richtig gutes Auto bekam. Es gibt andere Fahrer, die hatten da mehr Glück. Schauen wir uns Jenson Button an. Der hatte 2009 einen phänomenalen Rennwagen bei Brawn GP und mit Rubens Barrichello einen Kollegen, den er schlagen konnte. Das habe ich auch versucht, Sebastian und ich hatten im vergangenen Jahr einen sensationellen Kampf. Aber er hat ihn gewonnen. Dazu habe ich ihm gratuliert.

          Wie wichtig ist Ihnen ein gutes Image?

          Du willst respektiert werden, das ist doch ganz klar. Das beginnt damit, dass du ehrlich bist zu dir selbst, das versuche ich permanent. Es beschäftigt mich nicht, was andere über mich denken könnten, ich bin nicht auf sehr viele Menschen angewiesen. Nur wenn Menschen, die dir wirklich wichtig sind, plötzlich den Respekt vor dir verlieren, bekommst du Schwierigkeiten. Doch das hat nichts mit meinem Image zu tun. Fragen Sie doch mal eintausend Leute, wofür ich stehe. 900 von ihnen kennen mich vermutlich nicht einmal, und der Rest weiß womöglich überhaupt nicht, ob ich ein guter Typ bin oder nicht.

          Spielt das Bild von Ihnen in der Öffentlichkeit also überhaupt keine Rolle?

          Nein, für mich persönlich nicht. Aber als Sportler brauchst du natürlich ein gutes Image. Wenn ich Radfahrer bin und tolle Sachen erreiche, später aber positiv getestet werde, dann habe ich ein Problem. Und zwar für den Rest meines Lebens.

          Sie sind fasziniert vom Radsport, schauen sich gerne Rugby oder Cricket an - was begeistert Sie an anderen Sportarten?

          Ich liebe diese Auseinandersetzung mit mir, ich mag es, wenn Menschen ihre Grenzen austesten. Das ist doch viel besser, als wenn sie nur auf der Couch sitzen und nichts mit sich anfangen können. Meine Mutter hat immer darauf bestanden, dass ich Sport treibe. Ich weiß noch, dass ich eigentlich keine Lust hatte, zu schwimmen, aber sie wollte es. Also bin ich dort hingegangen und habe es genossen. Seit meiner Jugend habe ich permanent Sport getrieben.

          Und was kommt nach Ihrer Karriere als Fahrer in der Formel 1?

          Ich habe keine Ahnung. Seit ich 13 Jahre alt bin, bewege ich mich in dieser Welt. In meinem Leben ging es immer um Rennen und Geschwindigkeit, das ist etwas, was ich verstehe. Wenn ich plötzlich auf die Idee käme, Fotograf zu werden, dann würde ich vermutlich scheitern.

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