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Mario Andretti im Gespräch : „Formel-1-Fahrer müssten viel mehr verdienen“

  • Aktualisiert am

Mario Andretti (73) mit den Piloten der Gegenwart: Vettel, Hamilton, Alonso Bild: picture alliance / DPA

In Amerika ist Mario Andretti eine Ikone. Der ehemalige Rennfahrer und Formel-1-Weltmeister von 1978 spricht im F.A.Z.-Interview über Rekordjäger Vettel, König Schumacher, untragbare Kosten und blaue Ferraris.

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          Mister Andretti, Sie waren ein Formel-1-Held der sechziger, siebziger und achtziger Jahre. Wie gefällt Ihnen die Serie nun in der Moderne?

          Ich liebe diese Formel 1. Ich denke, dass es weltweit noch immer nichts Vergleichbares gibt. Die Formel 1 ist das Beste, was der Motorsport zu bieten hat.

          Es gibt allerdings Leute, für die ist die Formel 1 zu steril geworden, die Helden austauschbar, die Rennen nicht spannend genug.

          Oh, ich glaube, dass es genug Action gibt. Natürlich kann niemand garantieren, dass es auch ein spannender Nachmittag wird. Das ist aber auch nicht im Fußball so, nicht im Basketball, nicht im Tennis. Die Formel 1 hat stets ihre Kritiker gehabt, vielleicht sogar mehr als andere Sportarten, und so wird es bleiben. Mit Sebastian Vettel sind die Rennen gerade ein bisschen vorhersehbar geworden. Er gewinnt bei Sonne und Regen, er steht meistens ganz oben auf dem Podium, ich weiß nicht, wer oder was ihn noch aufhalten soll.

          Ist Vettel vielleicht nur deshalb so stark, weil er von der Stärke seines Red Bull und den Ideen von Chefdesigner Adrian Newey profitiert?

          Die Formel 1 ist ein Teamsport. Niemand wird Weltmeister mit einem schlechten Auto, doch ein schlechter Fahrer gewinnt selbst im besten Wagen kein Rennen. Ich glaube, dass die Kombination Newey und Vettel gerade unschlagbar ist: Der eine ist mit dem Bleistift unglaublich kreativ, der andere im Cockpit beinahe fehlerlos. Sie zu besiegen bleibt die Herausforderung für die anderen.

          Ist Vettel als Champion aus amerikanischer Sicht nicht ein bisschen langweilig?

          Vielleicht ist er nicht glitzernd genug, Vettel wirkt schüchtern und zurückhaltend, das ist Teil seiner Persönlichkeit. Sicher sind andere charismatischer und auch streitbarer. Wenn man sich jedoch bewusstmacht, was dieser Kerl in seinem Alter schon erreicht hat, dann muss man ihn dafür bewundern. Vettel hat eine realistische Chance, die Rekorde von Michael Schumacher zu brechen - diese Chance hatte niemand in den vergangenen Jahren. Deshalb wird er irgendwann Anerkennung für seine Leistungen finden. Rekorde schreien am lautesten, auch in Amerika.

          Neben Vettel stehen derzeit vier weitere Weltmeister am Start. Wie beurteilen Sie die Qualität der Fahrer?

          Sie ist fabelhaft! Männer wie Alonso, Hamilton, Räikkönen, Button oder eben Vettel haben so viel Talent, so großartige Fähigkeiten, sie sind eine Inspiration für die jungen Fahrer, auch einmal dieses Level zu erreichen. Die Formel 1 erlebt derzeit eine großartige Phase. Vielleicht ist das Niveau so hoch wie nie zuvor.

          Vermissen Sie dann Michael Schumacher überhaupt?

          Ja, denn ich hätte ihn gern noch einmal siegen gesehen. Ich bin ein großer Fan von Michael, und ich habe großen Respekt davor, dass er nach seiner Pause noch einmal zurückgekehrt ist. Er musste niemandem mehr etwas beweisen, er konnte dabei nichts mehr gewinnen, aber er hatte einfach so viel Spaß am Rennfahren. Für die Formel 1 und die Fans auf der ganzen Welt war sein Comeback großartig. Die Leute haben doch über nichts so viel gesprochen und diskutiert wie über ihn und seine Leistung. Ich hätte mir nur gewünscht, dass er wenigstens ein Rennen gewinnt. Aber Schumacher bleibt der König der Formel 1, niemand hat so viel gewonnen wie er.

          Und niemand hat so viel verdient wie Schumacher. Die Gehälter sind weit höher als zu Ihrer Zeit - sind Sie neidisch?

          Ja, ich bin zur falschen Zeit geboren worden.

          Ist es unfair? Sie und die anderen haben damals im Cockpit doch noch ihr Leben riskiert?

          Unfair ist die Situation immer. Formel-1-Fahrer verdienen in etwa so viel wie die besten Fußballer der Welt, aber sie müssten viel mehr bekommen, weil es auf einer Rennstrecke weit gefährlicher zugeht als auf einer grünen Wiese.

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