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Formel 1 : Machtkampf Motorenfrage

  • -Aktualisiert am

Nur Ferrari hält mit: Mercedes hat den stärksten Motor Bild: AFP

Zwei Rennställe rasen vornweg und der Rest schaut dumm aus der Boxengasse. Mercedes und Ferrari provozieren Langeweile. Die Allianz der beiden stärksten Teams ist nur Teil eines Millionenpokers.

          3 Min.

          Kaum hat die neue Saison der Formel 1 begonnen, da tritt die Politik aus dem Hinter- in den Vordergrund. Eine Runde von Lewis Hamilton diente am Samstag als Aufhänger für den uralten Streit der Szene um Machterhaltung und Machtwechsel. Der Brite hatte am Samstag im Qualifikationstraining Ferrari mit Kimi Räikkönen und Sebastian Vettel auf den Plätzen zwei und drei um fast 0,7 Sekunden hinter sich gelassen. Eine Welt in der Formel 1. Und dabei gelang dem Champion aus England im allerletzten Versuch sogar eine Steigerung um eine Sekunde. Die Rekordfreunde frohlockten: So schnell ist noch niemand im Albert Park von Melbourne gefahren.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Die Teamleitung vom Brausefabrikanten Red Bull aber schäumte ob der Sondervorstellung. Weil sie in dieser Beschleunigung die angeblich zerstörerische Kraft der gegenwärtigen Motorenformel erkennt. Mercedes schon unantastbar in der Umlaufbahn? Red Bull plädiert für einen schnellen Abschied vom komplexen Hybrid-Antrieb mit zwei Elektromotoren und einem Verbrennungsmotor. Zu komplex und zu teuer, heißt es, nur von Mercedes und Ferrari zu stemmen, selbst Honda und Renault tun sich schwer. Der Kläger glaubt, die Formel 1 werde von einem Antriebskonzept beherrscht, das keinen Führungswechsel zulässt: „Du kannst das beste Auto der Welt bauen“, sagte Adrian Newey, der Chefdesigner von Red Bull, dem Fachmagazin „Auto Motor und Sport“, „aber wenn du auf jeder Geraden in jeder Runde acht Kilometer pro Stunde verlierst, bist du machtlos.“

          Red Bull hat guten Grund, das Herzstück des Mercedes in den Blick zu rücken. Der Renault im Heck des eignen Autos hat immer (noch) nicht die gewünschte Kraft des Konkurrenzmodells. Deshalb beeilte sich Mercedes-Teamchef Toto Wolff am Samstag, die Beschleunigung auch auf den Faktor Mensch zurückzuführen. Hamilton war zweifellos besonders gut gefahren. Und ein frischer Reifensatz mag auch zu diesem Coup beigetragen haben. Aber die volle Kraft des Antriebssystems hat ihren Teil zur ersten Pole Position beigetragen. Daran ist nichts ehrenrührig.

          Ferraris schnelle Gerade

          Auch deshalb will Wolff nicht freiwillig aufgeben, was den Silberpfeil neben dem guten Chassis so schnell macht. Er ist dem Stern verpflichtet und weiß bislang Ferrari auf seiner Seite. Red Bull versucht, diese Allianz mit dem Hinweis auf die überlegene Superkraft im Heck des Mercedes offenbar zu sprengen. Aber Ferrari ist auf der Motorenseite nicht hinterher. In den Kurven, das wird sich bei den kommenden Rennen zeigen, sind Vettel und Räikkönen im Vergleich mit den Silberpfeil-Piloten und auch den Red-Bull-Boliden langsamer.

          Auf „den Geraden sind sie ungeheuer schnell“, sagte Hamilton nach seinem vergeblichen Versuch, im Grand Prix den Sieger Vettel einzuholen. Warum sollten die Italiener also Mercedes auf einem Gebiet einbremsen wollen, auf dem sie ebenbürtig sind? Red Bulls Sportdirektor Helmut Marko stellt seine Forderung in einen größeren Zusammenhang und plädiert wie im FAZ.NET-Interview Franz Tost, Teamchef des Tochterteams Toro Rosso, nicht nur für eine simplere Motorentechnik, sondern auch für eine Deckelung der enormen Budgets, die in der Top-Klasse bis zu 400 Millionen Euro pro Jahr betragen sollen.

          Formel 1

          Die Sorge um die Zukunft der Formel 1, in der drei, vier Teams am Ende der Hackordnung, Force India, Williams und Sauber, um ihr Überleben kämpfen, ist berechtigt. Aber Red Bull hatte sich lange gegen eine Begrenzung der Ausgaben gewehrt. Warum der Meinungsumschwung? Er könnte mit dem Gerücht zusammenhängen, Red-Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz denke an einen Verkauf. Falls der Antrieb durch ein neues Konzept an Bedeutung verlöre und die Betriebskosten insgesamt massiv sinken würden, gewönnen Formel-1-Teams an Attraktivität für potentielle Käufer. Porsche gehört zu den Kandidaten.

          Von dem Weg zu einer simpleren und billigeren Formel 1 ist auch Liberty Media überzeugt. In ein paar Wochen will der neue Besitzer der Formel-1-Vermarktungsrechte seinen Masterplan vorlegen. Die Amerikaner haben angeblich auch eine gerechtere Verteilung der Einnahmen für die Teams im Sinn. Das könnte Ferrari weh tun und die heftige Gegenwehr erklären, die als Allianz mit Mercedes in der Motorenformel wahrgenommen wird. Präsident Sergio Marchionne, der mächtige Fiat-Boss, drohte schon mit einem Ausstieg. Die Italiener erhalten wegen ihrer Teilnahme an der Formel 1 vom ersten Rennen 1950 an den größten Anteil, 14 Prozent einer Milliardenausschüttung. Vor diesem Hintergrund ist der Kampf um Mehrheiten, das Hochschnellen der Drehzahlen kein Wunder, sondern eine Konstante der Formel 1. Sie bewegt sich mit Beginn der neuen Saison im roten Bereich.

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