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Luc Alphand : Der Dakar-Typ braucht Härte, Leidenschaft und Glück

  • -Aktualisiert am

Luc Alphand - ein aus hartem Holz geschnitztes Stehaufmännchen Bild: AP

Härte, Ausdauer, Können - all das reicht noch nicht zum Dakar-Sieg. Das Glück ist ein Element, das jeder auf dieser mörderischen Wettfahrt braucht. Die einen, um heil nach Hause zu kommen. Die anderen, um zu gewinnen. So wie jetzt Luc Alphand.

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          Eigentlich war Freitag der 13. erst einen Tag später. Für Stephane Peterhansel war aber schon der Donnerstag der schwarze Tag der Dakar-Rallye. Schwitzend und außer Fassung geraten, schraubte der große Favorit dieser Dakar-Rallye an seinem roten Mitsubishi Pajero Evolution herum. Das Hinterrad und die es umgebenden Teile sahen nach einer Kollision des 270 PS starken Gelände-Rennwagens mit einem Baum ziemlich mitgenommen aus - die Selbstheilungsversuche des achtmaligen Dakar-Siegers (sechsmal auf dem Motorrad und in den vergangenen beiden Jahren im Auto) waren wohl eher symbolischer Art.

          Bis der Service-Lkw zu dem irgendwo zwischen Bamako in Mali und Labe in Guinea stehenden Havaristen kam, vergingen zwei Stunden; bis die Mechaniker den "Evo" wieder flott hatten, verstrich weitere wertvolle Zeit. Drei Stunden verlor Peterhansel - der Sieg, der in greifbarer Nähe schien, war dahin. So zog Teamkollege Luc Alphand an seinem Landsmann vorbei und ist auf dem besten Weg zu seinem ersten Triumph bei der Königin der Offroad-Rallyes.

          Zwei Kinder sterben an der Strecke

          Die Dakar hatte - unberechenbar und gefährlich - wieder zugeschlagen. Diese Rallye ist zuweilen heimtückisch wie eine Schlange und grausam wie ein wildes Tier, das auf Beute aus ist. Auch in diesem Jahr hat die Dakar Menschenleben gefordert. Am Freitag kam ein zehn Jahre alter Junge ums Leben, am Samstag strab ein Zwölfjähriger, beide waren als Zuschauer an der Strecke. Am vergangenen Montag starb der Australier Andy Caldecott, als er mit seinem Motorrad auf freier Strecke stürzte und sich das Genick brach. Die Ähnlichkeiten mit dem Unfall, dem der italienische Motorradprofi Fabrizio Meoni im Jahr vorher zum Opfer fiel, stimmten nachdenklich. Meoni war ganz in der Nähe jenes Ortes gestorben, an dem die Dakar auch Caldecott das Leben raubte. Auch bei ihm war die Todesursache ein Genickbruch, auch Meoni hatte kurz zuvor einen Tankstop eingelegt. Vielleicht sei er nach der Pause nicht ganz konzentriert gewesen auf der Weiterfahrt, lautete eine These, die den merkwürdigen Sturz auf freier Strecke zu erklären versuchte.

          Nur eines ist sicher: Wer die Dakar fährt, muß mit allem rechnen - auch mit dem Schlimmsten. Daß es bei den Teilnehmer auf vier Rädern viel weniger fatale Unfälle gibt als unter den Zweiradpiloten, ist aufgrund der ausgeklügelten Sicherheitssysteme in den Autos naheliegend. Dennoch muß man ein ganz spezieller Typ sein, um bei der Dakar zu bestehen und auch noch Erfolg zu haben. Gerade Männer wie Alphand und Peterhansel gehören zu jenen kantigen Profis, die über mehr verfügen als nur Talent hinter dem Steuer. Alphand bringt die Härte vom Skifahren mit. Kaum einer im alpinen Profizirkus war so waghalsig unterwegs wie der Abfahrtsläufer aus Serre-Chevalier in Frankreich. 1996 war Alphand Weltcupsieger in der Abfahrt, 1997 gewann er den Gesamtweltcup - und dies nach einem Karriereweg, der gepflastert war von Stürzen und schlimmeren Verletzungen. Alphand, der Mann aus den Bergen, ist ein aus hartem Holz geschnitztes Stehaufmännchen, ein Bewegungstalent, einer der das für den Motorsport unbedingt nötige Gefühl für das Tempo und die Dynamik mitbringt. Alleine dies würde aber für eine Dakar noch lange nicht reichen. Härte, Ausdauer, Leidensfähigkeit, Mut und eine Bereitschaft zu einem zeitweisen Dasein als kühl kalkulierender Hasardeur kommen dazu - erst dann kann einer die Dakar besiegen.

          Härte, Ausdauer, Können

          Auch Peterhansel gehört zu diesem Typus. Er ist ein Dynamiker, der seinen Bewegungsdrang als Kind auf dem Skateboard ausgelebt hat. Mit zwölf Jahren hatte er sich der Leidenschaft mit Haut und Haaren verschrieben, wurde wenig später französischer Meister im Slalom und Mitglied in der Nationalmannschaft. Dann kam der Motocross-Sport - eine der körperlich anspruchsvollsten Disziplinen im Motorsport überhaupt. Und schließlich die Dakar mit sechs Siegen auf dem Motorrad. Doch auch ihn hat es jetzt erwischt. Ein Moment der Unaufmerksamkeit, ein kleiner Fehler - und der Sieg verschwindet in den Weiten der afrikanischen Savannen.

          Auch Jutta Kleinschmidt war es so ergangen. Sie geriet am Mittwoch mit ihrem Volkswagen Race Touareg in ein Loch, beschädigte ein Vorderrad so stark, daß für sie und ihre Beifahrerin Fabrizia Pons die Rallye beendet war. Vermutlich ist Jutta Kleinschmidt die einzige Frau, die das Zeug zum Dakar-Sieg mitbringt. Hart und ausdauernd ist sie, ein sportliches Multitalent. Mit 14 Jahren war sie als Abfahrtsläuferin Mitglied in der Ski-Nationalmannschaft, vier Jahre später wurde sie Dritte bei der Skibob-WM. Auch sie fuhr die Dakar auf dem Motorrad, bei der Rallye Paris-Kapstadt wurde sie nur 23., weil sie sich fünf Tage vor Schluß den Fuß brach. Weitergefahren ist sie trotzdem. Härte, Ausdauer, Können - all das reicht aber auch noch nicht zum Dakar-Sieg. 2001 profitierte Jutta Kleinschmidt von einem Fehler des Japaners Hiroshi Masuoka und gewann die Dakar. Das Glück ist ein Element, das jeder auf dieser mörderischen Wettfahrt braucht. Die einen, um heil wieder nach Hause zu kommen. Die anderen, um zu gewinnen. So wie jetzt Luc Alphand.

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