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Formel-1-Pilot Lewis Hamilton : „Die Menschheit ist außer Kontrolle“

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„Ich nutze die Zeit, um an mir zu arbeiten, körperlich, aber auch mental“: Lewis Hamilton Bild: AFP

Die Autos stehen still, kein Reifen dreht sich. Die Corona-Krise setzt auch der Formel 1 mächtig zu. Wann geht es weiter? Niemand weiß es. Lewis Hamilton nutzt die Zeit für sich – und zeichnet ein düsteres Szenario.

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          Der Schatten eines Mannes im Meer, der Kopf gesenkt, die Hände gefaltet, im Hintergrund ein leuchtender Sonnenuntergang – Lewis Hamilton liebt die pathetische Selbstinszenierung, das war schon vor Corona so und ist jetzt nicht anders. „Ich nutze die Zeit, um an mir zu arbeiten, körperlich, aber auch mental“, schreibt der Formel-1-Champion und zeichnet in den sozialen Medien ein düsteres Szenario: „Die Menschheit ist außer Kontrolle.“

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          Nun, zunächst mal ist die Formel 1 außer Kontrolle und damit auch das gewohnte Arbeitsumfeld von Hamilton und seinen Kollegen. Acht der 22 ursprünglich geplanten Rennen sind mittlerweile abgesagt oder verschoben, der aktuell vorgesehene Start am 14. Juni in Montreal ist angesichts der weltweit grassierenden Corona-Pandemie mehr als fraglich. Fast schon verzweifelt ringen die Formel-1-Bosse um Lösungen, neuestes Konstrukt: Der Freitag an den Grand-Prix-Wochenenden soll gestrichen und damit mehr Platz für mehr Rennen in kürzerer Zeit geschaffen werden.

          Auch das dürfte wie so viele andere Überlegungen kaum der Königsweg sein. Niemand weiß, wann Corona die Rückkehr zu einem geregelten Alltag erlaubt, weshalb McLaren-Chef Zak Brown für einige Teams bereits das Schlimmste befürchtet. Die aktuelle Lage sei „für mehrere Rennställe möglicherweise gefährlich“, sagte Brown der BBC. Sollten „genügend Teams – was nicht unbedingt mehr als zwei bedeutet – betroffen sein, wäre die gesamte Formel 1 bedroht.“ Dazu kommen viele weitere Fragen, die die Formel 1 derzeit beschäftigen.

          Der langjährige Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hat sich bereits dafür ausgesprochen, die Saison 2020 komplett ausfallen zu lassen. „Wir sollten die Meisterschaft dieses Jahr stoppen und nächstes Jahr hoffentlich wieder beginnen. Denn ich sehe nicht, wie man in diesem Jahr noch auf die notwendige Anzahl von Rennen kommen soll“, sagte der 89-Jährige dem BBC Radio.

          Unterstützung erhält er vom früheren Weltmeister Jacques Villeneuve, der sich im Gespräch mit Canal+ ebenfalls für die Absage der WM 2020 aussprach. „Es wäre schade, den August vollzupacken und dann von September bis Weihnachten oder sogar darüber hinaus Woche für Woche Rennen zu veranstalten, nur um eine Meisterschaft zu haben“, sagte der Sohn des legendären Ferrari-Piloten Gilles Villeneuve.

          Stattdessen schlägt er „spektakuläre Einzelrennen“ vor, die ähnlich wie die 500 Meilen von Indianapolis oder die 24 Stunden von Le Mans einen hohen Unterhaltungswert hätten: „Die Teams könnten außerdem unter Wettbewerbsbedingungen an ihren Autos für 2021 arbeiten.“ Und Lewis Hamilton könnte die trüben Gedanken abstreifen und endlich wieder im Mercedes-Cockpit für Aufsehen sorgen.

          In Zeiten der Corona-Pandemie hat der frühere Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg derweil für sich die „Meditation wiederentdeckt“. Die habe bereits „einen Riesenanteil“ an seinem WM-Titel gehabt, dann habe er damit aufgehört, weil „mir die Motivation fehlte. Jetzt habe ich wieder die Disziplin“, sagte Rosberg im Gespräch mit der österreichischen Tageszeitung „Der Standard“. Während seiner Karriere, die er Ende 2016 nach dem Gewinn des WM-Titels überraschend beendet hatte, habe er über das Thema Mentaltraining allerdings nie mit anderen Fahrer gesprochen. „Psychologie ist bei uns ein Tabuthema“, sagte Rosberg. Die Formel 1 sei „ein Machosport, jeder, der sich psychologisch interessiert und Hilfe in Anspruch nimmt, ist tendenziell erst einmal ein Loser.“

          Er selber habe vor allem im schwierigen und anstrengenden Jahr 2016 seine Vorteile daraus gezogen, „dass ich versucht habe, jedes Detail umzukrempeln. Mit dem Mentaltraining, das kein anderer Fahrer gemacht hat, habe ich sicher ein paar Prozent rausgeholt. Oder den Lack von meinem Helm wegzunehmen, weil das noch einmal 80 Gramm sind – das hat auch kein anderer Fahrer gemacht.“ Wäre er im Kampf um den WM-Titel im Duell mit seinem Mercedes-Teamkollegen Hamilton damals leer ausgegangen, hätte das das „Potential gehabt, mich mental für den Rest meines Lebens ein bisschen zu vernarben“, sagte Rosberg: „Weil es so groß ist, der Traum ist so stark, es machen so viele Menschen mit, es hat so eine Power. Deswegen war es dann umso schöner.“

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