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Formel 1 in Monza : Keine Strafe für Mercedes

  • -Aktualisiert am

Wieder gewonnen, aber auch regelgerecht? Lewis Hamilton Bild: Reuters

Sebastian Vettel feiert seinen zweiten Platz in Monza wie einen Sieg. Den holt sich WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton, der nach dem Rennen aber bange Stunden überstehen muss. Gar nicht gut läuft es für Nico Rosberg.

          3 Min.

          Lewis Hamilton winkte auf der Auslaufrunde gelassen aus seinem Cockpit. Als er aus seinem Rennwagen ausgestiegen war, marschierte er zu seinen Mechanikern und holte sich die Glückwünsche ab. Danach beugte er sich zu seinem Rennwagen hinunter und streichelte ihn. Er ist der Mann dieser Saison – auch im Autodromo Nazionale di Monza. Der Engländer legte auf dem Hochgeschwindigkeitskurs einen souveränen Start-Ziel-Sieg hin und gewann eindrucksvoll, aber auch spielend leicht sein siebtes Saisonrennen.

          Wer will ihn noch aufhalten? Für seinen Teamkollegen Nico Rosberg wird dieses Unterfangen immer schwieriger. Er verließ die Rennstrecke punktlos, weil er, auf Platz drei liegend, seinen brennenden Mercedes abstellen musste. Des einen Freud, des anderen Leid, mit diesen Gefühlen verabschiedeten sich die Silberpfeile aus der Lombardei. Doch es ging nicht nur für Hamilton gut – auch für die Italiener.

          Ausgelassen feierten die Tifosi den zweiten Platz des Ferrari-Piloten Sebastian Vettel. Der hatte schon nach dem Überqueren der Ziellinie per Boxenfunk lauthals mitgeteilt: „Forza Ferrari, Forza Monza!“ Hamilton hatte zwar gewonnen, doch die Italiener ließen ihren persönlichen Sieger Vettel im roten Konfetti-Regen hochleben. In den letzten Runde hatten sich noch die Williams-Piloten Valtterie Bottas und Felipe Massa unterhaltsam um den dritten Platz gestritten.

          Der ehemalige Ferrari-Pilot Massa wurde erst überholt, dann überholte er zurück – und stand am Ende glücklich als Dritter auf dem Podest. Hamiltons Sieg war auf der Strecke ungefährdet, wurde aber nach Rennende kurz in Frage gestellt. Am Formel-1-Mercedes des britischen Gewinners wurde ein zu geringer Reifendruck festgestellt. Dasselbe galt für den Silberpfeil von Rosberg. Das Team musste zum Rapport zu den Rennkommissaren. Doch wie am Sonntagabend offiziell mitgeteilt wurde, gingen die Stewards nicht weiter gegen Mercedes vor, weil alles in Ordnung gewesen sei.

          Sebastian Vettel wurde Zweiter bei seiner Premiere für Ferrari in Monza. Bilderstrecke
          Sebastian Vettel wurde Zweiter bei seiner Premiere für Ferrari in Monza. :

          Für Hamilton wurde sein 40. Sieg vorübergehend zu einer Nervenprobe. Er ahnte zunächst von dem drohenden Ungemach nichts. „Nein“, antwortete der Brite auf die Frage, ob er über die Untersuchung der Rennkommissare im Bilde sei. Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff versicherte, dass sich die Mechaniker beim Reifendruck an den Silberpfeilen an die vorgegebenen Daten gehalten haben.

          „Es war alles innerhalb dessen, was gemacht werden durfte“, sagte Wolff bei RTL, nachdem er sich zunächst nicht hatte konkret äußern wollen. „Wir können nur sagen, dass wir unter Pirelli-Aufsicht alles gemacht haben.“ Der italienische Hersteller hatte nach den Reifenplatzern in Spa Richtwerte ausgegeben. In der Startaufstellung hatten sich die Ferrari-Piloten Kimi Räikkönen und Vettel frech zwischen das die Saison so beherrschende Mercedes-Gespann geschoben.

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          Rosbergs vierten Startplatz begründete das Team mit einem Motortausch. Beide Autos wurden vor dem Italien-Grand-Prix mit neuen Aggregaten ausgestattet, doch bei Rosbergs Maschine haben die Ingenieure Wasser im Öl entdeckt. Das führten sie auf einen defekten Wärmetauscher zurück. Also bauten sie in Rosbergs Rennwagen den Motor der vergangenen Wettfahrt in Spa wieder ein. Da dieser schon sechs Rennen und damit Tausende Kilometer im Einsatz war, soll der Grund für Rosbergs unerwartetes Qualifying-Ergebnis ein gewisser Leistungsverlust gewesen sein. Und dann brannte der Wagen im Heck.

          Zehn Minuten vor dem Start machten neun Düsenjäger Krawall und zeichneten mit Farbstoff in den Abgasen die italienische Flagge in den blauen Himmel über Monza. Wenig später ließ sich der von der Pole Position gestartete Hamilton nicht überrumpeln; er verließ auch führend die erste Kurve. Räikkönen kam beim Start nicht vom Fleck weg, Rosberg verlor in dem daraus resultierenden Rückstau zwei Plätze – nur noch Vettel war übriggeblieben von den drei größten Rivalen des WM-Führenden. Für die zwei Lotus-Autos war das Rennen ausfallbedingt nach drei Runden beendet. Vorne setzte sich Hamilton peu à peu von Vettel ab und verschaffte sich Luft.

          Die Befürchtungen von Ferrari, beim Heimrennen im königlichen Park von Monza die Mercedes-Mannschaft ganz bestimmt nicht ärgern zu können, bewahrheiteten sich. Auf schnellen Strecken wie in Spa oder Monza sind die Silberpfeile mit ihren starken Motoren nicht zu bremsen. Hamilton machte sich also auf und davon. Strotzend vor Selbstbewusstsein kam er an der Rennstrecke etwas nördlich von Mailand ja schon an. Mit blond gefärbten Haaren und dicker Goldkette um den Hals wurde er seinem Ruf, als extravaganter Superstar die oft müde Szene zu beleben, mal wieder gerecht. Skurril im Privatleben – aber mit dem Bleifuß auf der Strecke und fokussiert auf das Wesentliche. Solange die Leistung bei dem 30 Jahre alten Briten stimmt, gibt es für die Mercedes-Teamleitung wenig auszusetzen an seinem Lebensstil.

          Der Vorsprung auf Vettel wuchs und wuchs, spätestens nach der ersten Hälfte des Rennens waren Fakten geschaffen. Sein Teamkollege Nico Rosberg kämpfte sich, auf Rang drei liegend, noch an Sebastian Vettel heran – bis auf 1,2 Sekunden. Dann kam der große Knall. In der drittletzten Runde rollte der Mercedes von Rosberg am Straßenrand aus. Das Heck brannte, Motorschaden, alles aus. Er kletterte hektisch aus seinem Boliden. Die damit einhergehende Nullnummer könnte im Hinblick auf die WM einen vorentscheidenden Charakter haben. Aber die Hoffnung, sie stirbt bekanntlich zuletzt.

          Grand Prix von Italien (53 Runden à 5,793 km/306,720 km), in Monza

          1. Lewis Hamilton (England) Mercedes 1:18:00,688 Std. (Schnitt: 235,902 km/h);
          2. Sebastian Vettel (Heppenheim) Ferrari + 25,042 Sek.;
          3. Felipe Massa (Brasilien) Williams + 47,635;
          4. Valtteri Bottas (Finnland) Williams + 47,996;
          5. Kimi Räikkönen (Finnland) Ferrari + 1:08,860 Min.;
          6. Sergio Perez (Mexiko) Force India + 1:12,783;
          7. Nico Hülkenberg (Emmerich) Force India + 1 Runde;
          8. Daniel Ricciardo (Australien) Red Bull + 1 Runde;
          9. Marcus Ericsson (Schweden) Sauber + 1 Runde;
          10. Daniil Kwjat (Russland) Red Bull + 1 Runde;
          11. Carlos Sainz jr. (Spanien) Toro Rosso + 1 Runde;
          12. Max Verstappen (Niederlande) Toro Rosso + 1 Runde;
          13. Felipe Nasr (Brasilien) Sauber + 1 Runde;
          14. Jenson Button (England) McLaren Honda + 1 Runde;
          15. Will Stevens (England) Manor + 2 Runden;
          16. Roberto Merhi (Spanien) Manor + 2 Runden;
          17. Nico Rosberg (Wiesbaden) Mercedes + 3 Runden;
          18. Fernando Alonso (Spanien) McLaren Honda + 6 Runden

          Ausfälle: Romain Grosjean (Frankreich) Lotus (2. Runde); Pastor Maldonado (Venezuela) Lotus (2. Runde)

          Schnellste Rennrunde: Lewis Hamilton (Mercedes) 1:26,672 Min.
          Pole Position: Lewis Hamilton (Mercedes) 1:23,397 Min.

          Fahrer-Wertung nach 12 von 19 Rennen:

          1. Lewis Hamilton 252 Pkt.
          2. Nico Rosberg 199
          3. Sebastian Vettel 178
          4. Felipe Massa 97
          5. Kimi Räikkönen 92
          6. Valtteri Bottas 91
          7. Daniil Kwjat 58
          8. Daniel Ricciardo 55
          9. Romain Grosjean 38
          10. Sergio Perez 33
          11. Nico Hülkenberg 30
          12. Max Verstappen 26
          13. Felipe Nasr 16
          14. Pastor Maldonado 12
          15. Fernando Alonso 11
          16. Carlos Sainz jr. 9
          17. Marcus Ericsson 9
          18. Jenson Button 6

          Team-Wertung nach 12 von 19 Rennen:

          1. Mercedes 451 Pkt.
          2. Ferrari 270
          3. Williams 188
          4. Red Bull 113
          5. Force India 63
          6. Lotus 50
          7. Toro Rosso 35
          8. Sauber 25
          9. McLaren Honda 17

          Nächstes Rennen: GP von Singapur am 20. September in Singapur

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