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Lewis Hamilton : Mitunter wie ein Geisterfahrer

  • -Aktualisiert am

In Singapur zeigt sich Hamilton wie so oft gutgelaunt Bild: AFP

Sein Fahrstil bringt Lewis Hamilton Punkte - aber auch Missfallen. Vor dem Nachtrennen in Singapur gehören die Sympathien Felipe Massa. Hamilton müsse sich nicht wundern, „wenn er mal was zurückkriegt“, sagt ein deutscher Pilot.

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          Ausgeschlafen kommt Lewis Hamilton daher. Um 13 Uhr klingelte der Wecker am Donnerstag. Als ein paar Stunden später in Singapur die Sonne unterging, begann für den Briten der Arbeitstag (siehe: Formel 1 in Singapur: Wenn es Nacht wird, geben die Rennfahrer Gas). Er will im europäischen Rhythmus bleiben, um beim Großen Preis am Sonntagabend auf den Straßen des Stadtstaates so frisch zu sein wie daheim zur Mittagszeit. „Es sind nur noch vier Rennen, da kann ein Fehler entscheidend sein“, sagt der Chefpilot von McLaren-Mercedes vor dem ersten Nachtrennen in der Geschichte der Formel 1.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Akribisch hat er sich vorbereitet. X-mal ist er die nagelneue Piste entlang der Marina Bay schon gefahren – im mittelenglischen Woking, im Simulator. In der Wirklichkeit muss Hamilton nach dem Besichtigungsspaziergang noch warten. Fahren und fühlen, wie es bei Tempo 300 in Singapur rundgeht, dürfen die Formel-1-Stars erst beim Training an diesem Freitag.

          Die Kollegen glauben an Hamilton und mögen Massa

          Trotzdem weiß er schon, wo es langgeht: „Stadtkurse liegen mir.“ Hamilton muss sich das nicht einreden. Er raste schon in den regennassen Gassen von Monaco zum Sieg. Die lauthals formulierte Vorliebe für „solche Herausforderungen“ könnte man also auch als Botschaft an seinen Gegner auffassen. Denn nur ein Pünktchen Vorsprung nimmt der 23 Jahre alte McLaren-Mann mit in den Kampf um die Fahrer-Weltmeisterschaft gegen Ferrari-Fahrer Felipe Massa.

          Flott unterwegs in den dunklen Häuserschluchten

          Aber auch die Gewissheit, laut Statistik im Vorteil zu sein. „Lewis hat in seinen ersten 31 Rennen 187 Punkte gemacht und ist zwanzigmal auf dem Podium gelandet“, liest Mercedes-Sportchef Norbert Haug aus der Leistungsbilanz vor: „Keiner ist besser gewesen.“ Zu der Konstanz kommt die beste Straßenlage des McLaren auf nasser Piste. Und so glauben die Kollegen an einen größeren Vorsprung des Briten. Die Sympathien aber gelten Massa.

          Sobald die Ampel Grün zeigt, zieht es Hamilton auf die Überholspur

          Der Fahrer Hamilton hat Punkte gesammelt wie kein Zweiter (siehe: Formel-1-Kommentar: Alles Schikane!). Den zweimaligen Weltmeister Fernando Alonso schlug er bei McLaren-Mercedes in die Flucht. Dessen Nachfolger Heikki Kovalainen verwies er vom ersten Tag an auf den Beifahrersitz. Von dort verfolgt der Finne, wie Hamiltons große Sause die „Petrolheads“ („Benzinköpfe“) schwärmen lässt: rechts und links vorbei, manchmal mittendurch. Sobald die Startampel Grün zeigt, zieht es Hamilton auf die Überholspur. Mit den begeisternden Vollgas-Attacken hat es der Brite zum besten Cockpit, zu einem inzwischen auf 11,5 Millionen Euro erhöhtes Jahressalär nebst Werbeverträgen gebracht.

          Aber die Angriffslust hat ihn auch viel gekostet. Im vergangenen Jahr den WM-Titel, weil der auf maximalen Erfolg programmierte Debütant 2007 bei abtrocknender Piste in Schanghai seine Regenreifen so lange malträtierte, bis er kurz vor dem Wechsel bei der Einfahrt in die Boxengasse ins Kiesbett rutschte. Hamilton wollte siegend triumphieren. Stattdessen verlor er vor lauter Ungeduld zum Ende der Saison den satten Vorsprung (17 Punkte) wie die Weltmeisterschaft. „Ich habe gelernt, dass man ab und zu etwas Tempo herausnehmen muss, um seine Ziele zu erreichen“, erklärte Hamilton im August.

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