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Formel 1 : Lewis Hamilton krönt sich in Mexiko zum Weltmeister

Jubelpose: Lewis Hamilton ist zum fünften Mal Formel-1-Weltmeister. Bild: Reuters

Als Vierter zu WM-Titel Nummer fünf: Lewis Hamilton entscheidet abermals in Mexiko vorzeitig die Fahrerwertung der Formel 1. Für den Engländer ist es insgesamt der fünfte WM-Titel.

          Der Champion hatte keinen guten Tag. Der Gran Premio de México war für Lewis Hamilton eine eher unerfreuliche Ausfahrt, aber sie hielt für den Engländer das erhoffte, bekannte, überaus erfreuliche Ende bereit: Die Formel-1-Weltmeisterschaft. Zum fünften Mal hat der 33 Jahre alte Hamilton am Sonntag den wichtigsten Titel im Motorsport gewonnen, und wie vergangenes Jahr gelang es ihm, dem letzten verbliebenen Konkurrenten Sebastian Vettel im Ferrari im Autódromo Hermanos Rodríguez in der mexikanischen Hauptstadt die letzte rechnerische Chance zu nehmen. Hamilton steht nun mit fünf Formel-1-Weltmeistertiteln auf einer Stufe mit dem Argentinier Juan Manuel Fangio. Einzig Michael Schumacher ist ihm mit sieben Titeln noch voraus.

          „Es ist ein seltsames Gefühl im Moment“, sagte Hamilton anschließend. „Es war ein fürchterliches Rennen. Der Start war super, aber dann hatten wir Probleme. Wir haben diesen Titel nicht hier gewonnen. Wir haben ihn bei vielen anderen Rennen gewonnen, bei denen wir hart gearbeitet haben. Ich bin seit ich 13 Jahre alt war bei Mercedes. Heute hier zu stehen und das zu schaffen, was Juan Manuel Fangio geschafft hat, ist ein ganz besonderer Moment.“ Vettel, an diesem Tag deutlich besser unterwegs, gratulierte Hamilton mit einer Umarmung. „Kein einfacher Tag“, sagte der Ferrari-Pilot. „Aber er hat es verdient, er ist einfach besser gewesen dieses Jahr. Deshalb Gratulation.“ Nach dem es im Sommer noch so ausgesehen hatte, als könnte Vettel und Ferrari für ein Ende der seit 2014 anhaltenden Serie der Mercedes-Weltmeisterschaften sorgen, entschied Hamilton die Saison mit vier Siegen in vier Rennen zwischen Anfang September in Monza und Anfang Oktober in Suzuka.

          In Mexiko kam Hamilton nach 71 Runden als Vierter ins Ziel, abgeschlagen hinter Rennsieger Max Verstappen im Red Bull, hinter Vettel, der mit einer couragierten Fahrt Zweiter wurde, auch hinter Kimi Räikkönen im zweiten Ferrari. Doch Vettel hätte das Rennen gewinnen müssen, Hamilton nicht besser als auf Platz acht ins Ziel kommen, damit auch in zwei Wochen in Brasilien noch Spannung herrschte in der Fahrer-Weltmeisterschaft. Dass daraus nichts würde, dafür sorgte Hamilton schon am Start.


          Auf Platz drei startete der Engländer im silbernen Dienstwagen – aber das Spiel mit Kupplung und Gas beherrschte in der mexikanischen Höhenluft keiner besser. Binnen weniger Sekunden war Hamilton vorbei an Ricciardo, der von der Pole Position gestartet war. Hinter dessen Teamkollegen Verstappen reihte Hamilton sich ein und sorgte so dafür, dass Vettel sich nicht vorbei schieben konnte. Dabei hätte der Deutsche den Überfall noch in Runde eins gebraucht, um die letzte Chance am Leben zu erhalten.

          Die Fahrer aber steuerten überlegt und diszipliniert durch die erste Schikane. Mancher hatte anderes erwartet angesichts der langen Gerade, die dem Geschlängel voraus geht. Doch im Vorderfeld blieben unfreiwillige Kontaktaufnahmen und Ausflüge vom Asphalt aus. Verstappen, Hamilton, Ricciardo, Vettel – die erste Runde hätte für Mercedes kaum besser verlaufen können. Zumal sich Verstappen im Red Bull schnell auf und davon machte. Selten dürfte das Weltmeister-Team den Vorteil eines Konkurrenten gelassener betrachtet haben. Die Höhenlage erfordert eine auf maximalen Abtrieb gerichtete Aerodynamik der Rennautos – eine Konfiguration, bei der die Vorzüge des Red Bull aufscheinen. Mercedes und Ferrari haben das Nachsehen, obwohl sie mit mehr Leistung im Heck unterwegs sind.

          Formel 1

          Hamilton passte das Geschehen dennoch nicht. Er war als erster der Spitzenkräfte an der Box, schon in der zwölften Runde. Mit einem Set Supersoft-Reifen steuerte Hamilton zurück auf die Strecke. Die vor ihm liegenden 59 Runden quälten den Weltmeister wie die Steine vor der Basílica der Lieben Frau von Guadalupe die Pilger, die sich der Wallfahrtskirche auf Knien rutschend nähern. „Hat hier sonst noch jemand solche Probleme?“, wollte Hamilton alsbald wissen, angesichts der Vibrationen, die, von den Reifen ausgehend, das Auto schüttelten.

          Er erhielt beschwichtigende Antworten, doch Hamilton sah auf der Strecke eine andere Realität. Schnellster Mann im Feld zur Hälfte des Rennens war Vettel im Ferrari, der zunächst Ricciardo ausbremste (35. Runde) und wenige Runden später die Rückspiegel an Hamiltons Mercedes ausfüllte. In Runde 39 war der Deutsche vorbei. Als schließlich auch Ricciardo Hamilton stehen ließ, weil dieser sich verbremste, hatte der Engländer genügend Opfer gebracht: „Diese Reifen sind tot.“

          Weltmeisterlich: Standesgemäße Rauchzeichen nach dem Sieg.

          Ein weiterer Wechsel schuf Abhilfe. Das Rennen war verloren, doch die Weltmeisterschaft gewonnen. Andere hatten weniger Glück: Ricciardo, der anders als Vettel mit nur einem Reifenwechsel das Ziel zu erreichen gedachte, wurde von einem Motorschaden gebremst. „Es tut mir so leid, Kumpel“, hörte der Australier, als der Renault-Motor Rauchzeichen gab. Vettel erbte Platz zwei.

          Teamkollege Verstappen aber kam durch. Wie im Vorjahr gewann der Niederländer in Mexiko, wie im Vorjahr wird er hoffen, dass der Erfolg im drittletzten Rennen der Saison ein Hinweis auf Kommendes ist. In diesem Jahr hatten sich Red Bull und Verstappen kaum gesteigert – für Verstappen war es nach dem Sieg in Österreich erst der zweite Saisonsieg. Im kommenden Jahr nimmt er, dann mit einem Honda-Motor im Heck, einen neuen Anlauf. „Der Start war entscheidend“, sagte Verstappen anschließend.

          Als Hamilton schließlich die Ziellinie querte, knapp achtzig Sekunden nach Verstappen und als letzter Fahrer, der nicht überrundet worden war vom Sieger, klatschte Mercedes-Teamchef Wolff. Sein Gesichtsausdruck aber verriet, dass der Tag in Mexiko-Stadt durchaus schmerzhaft war.

          Faire Geste: Sebastian Vettel gratuliert dem Weltmeister.

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