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Hubschrauber, Partys, Mode : Hamilton ist mehr als nur ein Rennfahrer

„Still I rise“, daran wachse ich, hatte er sich 2013 über die Schulterblätter tätowieren lassen. Es ist der Titel eines Albums des erschossenen Rappers Tupac Shakur und eines Gedichtbands der amerikanischen Schriftstellerin und Bürgerrechtsikone Maya Angelou. Ein an Erfolg wie Einkommen (131 Millionen Pfund, laut „Rich List“ der Sunday Times) reicher Sportler tut sich nicht unbedingt einen Gefallen, wenn er seine Persönlichkeit mit derartiger Bedeutung auflädt.

Es sei denn, er wird der Bedeutung gerecht. Hamilton versucht es. Als Unicef-Botschafter war er im Sommer auf Kuba, anschließend äußerte er sich kritisch über die amerikanische Embargopolitik. Zunehmend spricht er inzwischen über politische Themen, über den Klimawandel, über den Rassismus, den er als Kind erfahren hat, in der weißen Motorsportwelt und abseits der Pisten, kritisiert Donald Trump („the big, big cheese“), schwärmt von der Protestbewegung des amerikanischen Quarterbacks Colin Kaepernick, erzählt, wie er spüre, dass sich die negative Energie auf dem Planeten vermehre.

Nicht immer passt alles zusammen, nicht immer ist alles richtig, manches sogar frappierend widersinnig. Drei Wochen, nachdem er in einem Interview der „Times“ sagte, er habe noch nie gewählt, weil er nicht glaube, dass seine Stimme einen Unterschied mache, schwärmt er gegenüber der „Süddeutschen“, wie ihn Angela Merkel inspiriert habe. Aber: Hamilton behauptet nicht, jedes Thema durchdrungen zu haben, zu dem er sich äußert. Dass er es überhaupt tut, macht ihn in der Welt der Downforce-Analysten und Boxenstrategie-Rechner zum Solitär.

Seitdem Sebastian Vettel am 30. Juli den Großen Preis von Ungarn gewonnen hat, heißt der Sieger sämtlicher Formel-1-Rennen – mit Ausnahme des Rennens in Malaysia, wo ihn Verstappen schlug – Lewis Hamilton.

Brawn, Wolff, Niki Lauda, alle haben in den vergangenen Tagen davon gesprochen, dass sie Hamilton nie stärker erlebt haben auf der Rennstrecke. Hamilton selbst sagt in Mexiko, dass er nie stärker gefahren sei als in der zweiten Hälfte der Saison 2017. Dabei war die Situation noch im vergangenen Jahr „unangenehm“, wie Hamilton sagt.

Der Blick in die Zukunft

Im vergangenen Winter, nachdem er den erbitterten Zweikampf gegen Nico Rosberg verloren hatte, saß er in der Küche von Teamchef Wolff. „Entscheidend“ sei dieses Treffen gewesen, hatte Hamilton vergangene Woche in Austin gesagt. Sie sprachen über die negative Energie, die sich im Team aufgebaut hatte. „Es wurde gesagt, was gesagt werden musste. Wir haben eine neue, stärkere Beziehung aufgebaut.“ Alle Fragen, aller Frust sei damals verflogen, sagte auch Wolff in Texas.

Hamilton habe sich in den Urlaub verabschiedet und sei mit einer großartigen Einstellung zurückgekehrt. Seither schwärmen Wolff, Hamilton und der neue Teamkollege Valtteri Bottas vom Zusammenhalt im Team.

Noch hat Hamilton seinen Vertrag, den er zuletzt 2015 erneuert hatte, nicht verlängert. Nach der kommenden Saison läuft er aus. „Ein paar Jahre“ wolle er noch fahren, sagt Hamilton in Mexiko. „Ich werde schon merken, wenn es so weit ist.“ Seine Verhandlungsposition scheint unangreifbar. Wolff wird daran häufiger erinnert. „Ich bin sehr stolz und zufrieden, dass ich, als wir damals meinen neuen Vertrag verhandelt haben, gesagt habe: Irgendwann kommt der Punkt, an dem wir gegen Ferrari fahren. Dann werdet ihr mich brauchen. Und jetzt kann ich nach den Rennen gegen Sebastian immer sagen: Ich habe es euch gesagt.“

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