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Formel-1-Dominator : Hamilton und die Leichtigkeit seines Seins

Siegen und lachen: Lewis Hamilton dominiert derzeit die Formel 1 Bild: Reuters

Viertes Rennen, dritter Sieg: Lewis Hamilton dominiert die Formel 1 und gibt nicht nur auf der Strecke eine gute Figur ab. Die Konkurrenten brauchen mehr als ein gleichwertiges Auto, um den Weltmeister abfangen zu können.

          Am Wochenende drehte sich sogar eine Ferrari-Mitarbeiterin nach Lewis Hamilton um: „Oh, wie stylisch“, rief die ganz in Rot gekleidete Scuderia-Dame dem Formel-1-Weltmeister hinterher, als der Brite durch das Fahrerlager der Rennstrecke von Bahrein wandelte: weiße Kappe, weißes Team-Shirt, eine weiße knielange Hose, halbhohe, bestickte Sportschuhe – natürlich in Weiß. Hamilton liebt es Ton in Ton. Und weil er gern variiert, gibt es bei Mercedes einen Stylisten, der ihn und, nach Angaben des Teams, auch Nico Rosberg berät.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Der Engländer Hamilton hat Zeit, seine Eitelkeiten zu pflegen, sich abzusetzen mit einem Stil, der nicht nur auffällt in der Uniformität des Fahrerlagers, sondern auch Fragen aufwirft. Wer trägt schon mehrere Mittelklassewagen um den Hals? So viel soll allein eins der beiden schweren, bis zum Bauch reichenden goldenen Geschmeide wert sein, mit denen man bei Bedarf und Zweckentfremdung spielend ein, zwei Spitzbuben (wahlweise aus dem Fahrerlager) in Ketten legen könnte.

          Das Gewicht, das der Engländer seiner Erscheinung verleiht, haben dessen Rivalen schon als willkommene Unterhaltung im grauen Fahrer-Alltag begrüßt. Allerdings in der Hoffnung, dieser blitzschnelle Kollege werde sich eines Tages von seinen Spiegelbildern blenden, also ablenken lassen. Bislang aber scheint die Kostümierung Hamilton eher eine beneidete Leichtigkeit zu verleihen.

          Während sein Rennstall vom Freitag an unter dem Druck von Ferrari stand, während seine Chefs von einer Bedrohung sprachen, und sein Teamkollege Nico Rosberg die Sorge, eingeholt werden zu können, so offen wie selten formulierte, blieb der Weltmeister äußerlich völlig entspannt. Ein halbnackter Auftritt in einem Fitness-Magazin, Ketten, Style und Rapper-Freunde im eigenen Musikstudio – Hamilton schwebt in einer anderen Welt.

          Muntere Show hinter Lewis Hamilton

          Dieses Bild hat er am Sonntag beim Großen Preis von Bahrein auf die Piste übertragen. Nicht allein wegen seines dritten Sieges im vierten Rennen, sondern wegen der äußerlichen Gelassenheit, mit der er zum zweiten Mal im kleinen Königreich gewann. Souverän sah das aus, obwohl ihm die Jäger einmal sogar im Nacken saßen, ihm bis auf wenige Meter nahe kamen. Obwohl sich in seinem Rücken ein harter, hektischer Kampf abspielte. So sehr sie sich auch mühten und hetzten, Hamilton blieb unangetastet. Weil sich alle, die ihn verdrängen wollten, Fehler leisteten.

          Ferrari-Mann Kimi Räikkönen wurde nur Zweiter, weil er seine Siegchance mit Rang vier im Qualifikationstraining verspielt hatte. Vettel landete nur auf Platz fünf, weil er vom Jagdfieber gepackt, zu oft von der Ideallinie abkam. Und Rosberg wurde Opfer seiner Vorliebe für Denkspiele. Statt eines Sieges sprang nur Rang drei heraus. Denn beim Qualifikationstraining hatte er sich mit einer komplizierten Reifentaktik verzockt. All diese potentiellen Siegkandidaten demonstrierten bei dieser munteren Show hinter dem Weltmeister, was sie brauchen, um den gegenwärtigen Chefpiloten abfangen zu können: mehr als ein gleichwertiges Auto.

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