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Lewis Hamilton im Gespräch : „Alonso ist der Schnellste von allen“

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„Nicht Vettel ist unschlagbar, sein Auto ist es“: Lewis Hamilton Bild: dpa

Sein Abschied von McLaren schien risikoreich, doch der Einstieg bei Mercedes entpuppte sich als richtig. Lewis Hamilton spricht im F.A.Z.-Interview über den „schlagbaren“ Vettel, das stärkste Fahrerteam 2014 und furchtbare Kappen.

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          Einige Fahrer der Formel 1 in den siebziger Jahren waren, wie James Hunt, Stilikonen ihrer Zeit. Ist das heute noch so?

          Nein, es gibt im Fahrerlager doch gar keinen Stil mehr.

          Wären Sie lieber Teil der Formel 1 in den siebziger Jahren gewesen?

          Warum sollte ich mir das wünschen? Heutzutage ist doch vieles so viel cooler. Niemand konnte richtig tanzen in den Siebzigern, die Partys waren noch nicht so gut, die Frauen sahen nicht so gut aus! Ich bin dankbar, dass ich jetzt lebe und das machen kann, was ich so sehr liebe.

          Es wird hin und wieder behauptet, dass die Formel 1 langweilig geworden ist im Vergleich zu damals und die Fahrer viel zu steril. Sehen Sie das auch so?

          Meine Sichtweise ist eine andere, denn ich fahre eines dieser wahnsinnigen Autos, für mich ist das ganz sicher nicht langweilig. Im Gegenteil: Es ist das Aufregendste, war es für mich gibt. Ich habe hier einen Job, und den liebe ich. Aber ich kann mir vorstellen, dass es für den Zuschauer etwas anderes ist. Es gibt ein Auto, das zuletzt dreißig Sekunden vor allen anderen ins Ziel gekommen ist. Die Zuschauer haben in letzter Zeit kein echtes Racing gesehen, keine Rad-an-Rad Duelle. Natürlich ist es langweilig für die Leute, wenn sie schon nach dem Start wissen, was passieren wird.

          Sie sprechen von Sebastian Vettel im Red Bull. Vor dem Rennen in Südkorea an diesem Sonntag (8.00 Uhr MESZ / Live im Formel-1-Ticker bei FAZ.NET) liegt er in der Gesamtwertung 60 Punkte vor Fernando Alonso und sogar 96 Punkte vor Ihnen. Wollen Sie ihm nicht schon gratulieren zum vierten Titel in Serie?

          Das könnte ich machen, ja. Wenn ich ihn am Sonntag vor dem Start in der Fahrerparade sehe, werde ich ihm vielleicht gratulieren.

          Warum ist Vettel derzeit unschlagbar?

          Das ist er nicht – sein Auto ist unschlagbar.

          Mark Webber sitzt auch in einem Red Bull, er liegt allerdings nur auf Platz fünf in der Fahrerwertung. Ist es wirklich nur das Auto, das den Unterschied macht – oder ist es die Kombination mit dem Fahrer?

          Für manche ist der Fahrer der entscheidende Faktor, für andere ist es das Auto. Mir ist das relativ egal. Ich will mich lieber auf mich selbst konzentrieren.

          Denken Sie nicht mal darüber nach, warum dieser Kerl so schnell und erfolgreich ist?

          Nein.

          Glauben Sie denn überhaupt, dass Vettel der Schnellste da draußen ist?

          Nein. Fernando Alonso ist für mich der Schnellste von allen.

          Was macht den Unterschied aus zwischen einem Weltmeister und einem großen Champion?

          Wenn ich das Bild eines richtigen Champions zeichnen müsste, dann wäre er ein richtig harter Rennfahrer und zugleich liebenswürdig gegenüber jenen Menschen, mit denen er zusammen arbeitet. Er wäre demütig und bescheiden, er würde junge Leute inspirieren, und dürfte nicht einfach nur gewinnen, er müsste einen Unterschied in der Welt ausmachen. Aber ich weiß nicht, ob es so einen Fahrer gegeben hat in der Formel 1.

          Welche Ziele haben Sie?

          Ich habe viele Ziele, und die meisten davon haben nichts mit der Formel 1 zu tun. Hier will ich Titel gewinnen. Ansonsten will ich so hart wie möglich arbeiten, um so zu werden, wie ich es gerade beschrieben habe. Es gibt so vieles, das nicht an einer Rennstrecke passiert und trotzdem wichtig ist. Die Familie zum Beispiel. Außerdem engagiere ich mich für Charity-Projekte, ich arbeite mit Kindern zusammen – es gibt so viele großartige Dinge dort draußen.

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