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Formel 1 in China : Hamilton schlägt gegen Vettel zurück

„Es war schwierig anfangs auf der feuchten Piste“: Lewis Hamilton. Bild: AFP

Umgedrehte Wagenreihung: Nach Vettels Sieg zum Start liegt Hamilton in China vorne. Der Ferrari-Pilot verliert seine große Chance in einem unterhaltsamen Rennen früh. Da hilft auch die späte Attacke nicht.

          3 Min.

          Eins zu eins nach Siegen: Das ist das Ergebnis nach dem zweiten Formel-1-Rennen der Saison am Sonntag in Schanghai. Lewis Hamilton gewann den unterhaltsamen, von relativ vielen Überholmanövern geprägten Großen Preis von China im Silberpfeil vor Ferrari-Pilot Sebastian Vettel. Es war sein fünfter Erfolg auf der Piste vor den Toren von Schanghai, der 54. seiner Karriere. „Es war schwierig anfangs auf der feuchten Piste. Sebastian hat auch einen tollen Job gemacht“, sagte Hamilton.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Vettel verlor seine große Siegchance in einer Safety-Car-Phase und weil er zwischenzeitlich zu lange hinter seinem Teamkollegen Kimi Räikkönen (5.) festhing. „Ich war ein bisschen sauer, als nach der virtuellen Safety-Car-Phase zurückgefallen war und festhing für einige Zeit“, sagte Vettel. „Ich hatte das Gefühl, ich kann sehr viel schneller fahren.“ Hamilton und der Deutsche liegen nun mit je einem Sieg und einem zweiten Platz gemeinsam an der Spitze der Fahrerwertung (je 43 Punkte). Dritter und Vierter am Sonntag wurden mit großem Abstand die Red-Bull-Fahrer Max Verstappen und Daniel Ricciardo vor Räikkönen und Valtteri Bottas im zweiten Silberpfeil. Nico Hülkenberg (Renault) belegte als zweiter Deutscher im Feld Platz zwölf.

          Überholen ist unmöglich? Was haben die Experten und Piloten gejammert: Die neuen Autos, der enorm gesteigerten Abtrieb über die aerodynamischen Konstruktions-Freiheiten würden Attacken auf der Piste zu gefährlichen Manövern machen. Weil doch im Windschatten der Anpressdruck auf der Vorderachse so nachlasse, dass die Bremse nicht mehr ausreichend wirke.

          Auf der Piste von Schanghai war davon kaum was zu sehen. Nicht erst der zweite Crash des unerfahrenen Sauber-Piloten Antonio Giovenazzi (als Ersatzmann von Pascal Wehrlein) nach dem Unfall im Qualifying am Samstag zwang die Jäger von Pole-Gewinner Lewis Hamilton, sich selbst zu widerlegen. Max Verstappen hatte in seinem Red Bull, von Rang 16 kommend, schon einige aus dem Freund- und Feindeskreis in seinem Red Bull überholt, als Vettel an die Reihe kam.

          Der Sieger genoss das Bad in der Menge. Bilderstrecke

          In der virtuellen Safety-Car-Phase nach dem Unfall Giovenazzis war der Heppenheimer von Rang zwei zurückgefallen hinter die Abwehrspezialisten seiner Gilde. Und? Er gab Gas ohne Rücksicht auf irgendwelche Luftverwirbelungen. Mit einem Überraschungsangriff zog er nach ein paar Runden hinter Räikkönen, auf Rang vier liegend, vorbei. Den Australier Daniel Ricciardo narrte er eine Tour später mit dem nächsten Überfall, diesmal auf der Außenseite.

          Der Red-Bull-Mann wehrte sich nach Kräften, die Räder der Boliden touchierten sich, es stieg Qualm des schmorenden Gummis auf. Dann applaudierten die Ferrari-Mechaniker frenetisch in der Box: Vorbei auf drei, Verstappen im Visier, den jungen Zweikampfmeister der vergangenen Saison, nicht gerade ein Intimus Vettels. Kaum tauchte der Deutsche formatfüllend im Rückspiegel des Niederländers auf, da sah er ihn schon neben und dann hinter sich. Weil sich Verstappen beim Anbremsen einen Fehler erlaubte und Tempo herausnehmen musste. Überholen problematisch?

          Vettel fuhr zur Mitte des Rennens wieder dort, wo er angefangen hatte, auf Platz zwei, diesmal aber mit elf Sekunden Rückstand hinter Hamilton. Daran änderte auch der zweite Boxenstopp zunächst nichts. Beide kamen ohne Probleme vom Akkord-Service zurück auf die Piste. Vettel nutzte den Wechsel auf Soft-Pneus im letzten Drittel für seinen letzten Angriff, ohne Rücksicht auf Reifenverschleiß oder Benzinverbrauch: volle Attacke! Er kam näher, auf acht Sekunden zwölf Runden vor Schluss. Er trieb den Ferrari mit Verve durch die Kurven, er weckte die Hoffnungen seiner Fans mit einer schnellsten Runde, kreiste sogar einmal eine Sekunde schneller als der Brite an der Spitze. Aber seiner Frage an den Kommandostand folgte eine ernüchternde Botschaft: „Du musst 0,7 Sekunden schneller sein.“

          Der Ferrari mag im Renntrimm vielleicht hier und da einen Tick vorne liegen. Aber in der Schlussphase des Großen Preises von China bewegten die beiden Spitzenpiloten ihre Rennwagen auf gleichem Niveau. „Als ich dann Lewis jagte und etwas näher kam, hat er immer reagiert“, sagte Vettel. Auch Hamilton spürte den Druck des Ferrari. „Es war so ein spannendes Rennen für mich. Wir fuhren in etwa die gleichen Zeiten, als wir zum Schluss Druck machen mussten“, sagte der Brite. „Wenn noch ein Safety-Car gekommen wäre, wäre es eng geworden.“ Die kam nicht. Letztlich siegte Hamilton mit sieben Sekunden Vorsprung. Das Duell wird fortgesetzt, am Ostersonntag in Bahrein (17.00 Uhr MESZ / Live bei RTL, Sky und im Formel-1-Ticker bei FAZ.NET).

          Formel 1
          Liveticker

          Grand Prix von China in Schanghai (305,066 km)

          1. Lewis Hamilton (Großbritannien) - Mercedes 1:37:36,160 Std.;
          2. Sebastian Vettel (Heppenheim) - Ferrari +6,250;
          3. Max Verstappen (Niederlande) - Red Bull +45,192;
          4. Daniel Ricciardo (Australien) - Red Bull +46,035;
          5. Kimi Räikkönen (Finnland) - Ferrari +48,076;
          6. Valtteri Bottas (Finnland) - Mercedes +48,808;
          7. Carlos Sainz Jr. (Spanien) - Toro Rosso +1:12,893;
          8. Kevin Magnussen (Dänemark) - Haas + 1 Runde;
          9. Sergio Perez (Mexiko) - Force India + 1 Rd.;
          10. Esteban Ocon (Frankreich) - Force India + 1 Rd.;
          11. Romain Grosjean (Frankreich) - Haas + 1 Rd.;
          12. Nico Hülkenberg (Emmerich) - Renault + 1 Rd.;
          13. Jolyon Palmer (Großbritannien) - Renault + 1 Rd.;
          14. Felipe Massa (Brasilien) - Williams + 1 Rd.;
          15. Marcus Ericsson (Schweden) - Sauber + 1 Rd.

          Ausfälle: Lance Stroll (Kanada) - Williams (1. Rd.); Antonio Giovinazzi (Italien) - Sauber (4. Rd.); Stoffel Vandoorne (Belgien) - McLaren (18. Rd.); Daniil Kwjat (Russland) - Toro Rosso (19. Rd.); Fernando Alonso (Spanien) - McLaren (34. Rd.)

          Pole Position: Lewis Hamilton (Großbritannien) – Mercedes 1:31,678 Min.

          Fahrer-Wertung, Stand nach 2 von 20 Wettbewerben:

          1. Sebastian Vettel (Heppenheim) - Ferrari 43 Pkt.;
          2. Lewis Hamilton (Großbritannien) - Mercedes 43;
          3. Max Verstappen (Niederlande) - Red Bull 25;
          4. Valtteri Bottas (Finnland) - Mercedes 23;
          5. Kimi Räikkönen (Finnland) - Ferrari 22;
          6. Daniel Ricciardo (Australien) - Red Bull 12;
          7. Carlos Sainz Jr. (Spanien) - Toro Rosso 10;
          8. Felipe Massa (Brasilien) - Williams 8;
          9. Sergio Perez (Mexiko) - Force India 8;
          10. Kevin Magnussen (Dänemark) - Haas 4;
          11. Daniil Kwjat (Russland) - Toro Rosso 2;
          12. Esteban Ocon (Frankreich) - Force India 2

          Konstrukteurs-Wertung, Stand nach 2 von 20 Wettbewerben:

          1. Mercedes 66 Pkt.;
          2. Ferrari 65;
          3. Red Bull 37;
          4. Toro Rosso 12;
          5. Force India 10;
          6. Williams 8;
          7. Haas 4

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