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Formel 1 in Belgien : Hamiltons süßes Jubiläum

Bild: LECOCQ/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Lewis Hamilton fährt in Spa einen Start-Ziel-Sieg ein. Sebastian Vettel wird ihm nur einmal gefährlich. Bitter verläuft indes das Heimspiel für Max Verstappen.

          3 Min.

          Der Große Preis von Belgien begann als das 200. Formel-1-Rennen in der Karriere von Lewis Hamilton und es endete mit dem 58. Grand-Prix-Sieg des Engländers. „Ich habe erledigt, wofür ich hergekommen bin“, sagte Hamilton nach der Siegerehrung. Ferrari-Pilot Sebastian Vettel hatte den Mercedes-Mann, der am Samstag zum 68. Mal auf die Pole Position gefahren war und damit die Rekordmarke von Michael Schumacher erreicht hatte, über 44 Runden, 308 Kilometer, unter Druck gesetzt. Aber Hamilton machte keinen Fehler. Er siegte vor Vettel und Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo.

          Vettel hatte schon vor dem Rennen Wesentliches erledigt. Am Samstag wurde eine dürre Pressemitteilung verschickt, einen Satz lang: „Scuderia Ferrari hat die technische und rennfahrerische Vereinbarung mit Fahrer Sebastian Vettel auf die Formel-1-Saisons 2018, 2019 und 2020 ausgedehnt.“ Mehr Worte brauchte man in Maranello nicht, um zu zeigen: Ferrari vertraut für die absehbare Zukunft auf Vettel. Erfüllt er seinen Vertrag, wird er sechs Jahre beim berühmtesten Rennstall der Welt verbracht haben. Sieben Rennen hat Vettel bislang, in zweieinhalb Jahren, im Ferrari gewonnen und das Team zum ernsthaften Konkurrenten für die jahrelang überlegene Mercedes-Mannschaft gemacht. In gewisser Weise habe er gar nicht darüber nachdenken müssen, bei Ferrari zu bleiben, sagte Vettel.

          Lewis Hamilton

          Nach dem Start in Spa schossen Hamilton und Vettel wie an einer Schnur gezogen über den längsten Kurs im Formel-1-Kalender. Mal kam der Deutsche bis auf 0,9 Sekunden ans Heck des Mercedes des Engländers heran (Runde 16), dann waren es mal anderthalb (Runde 18), dann wieder knapp mehr als eine Sekunde , zur Hälfte des Rennens 1,7 Sekunden. „So sollte Rennfahren sein“, sagte Hamilton: „Kein Platz für irgendwelche Fehler, weder für ihn, noch für mich.“ Die Piloten an der Spitze erledigten ihre Arbeit fehlerlos, hinter ihnen häuften sich die Klagen. Der Funkverkehr bot einiges an Unterhaltung.

          Insbesondere Fernando Alonso, der zunächst auf Platz sieben vorfuhr, verpackte den Unmut über seine Gesamtsituation in Gespräche mit dem Personal an der Box. Mit dem untermotorisierten McLaren rutschte der Spanier nach seinem Blitzstart schnell wieder aus den Punkterängen heraus. „Peinlich, wirklich peinlich“ sei das, teilte Alonso zunächst mit. Nach 15 Runden hatte er den Kanal voll: „Kein Gefunke mehr für den Rest des Rennens.“ Da war er Fünfzehnter und kurz darauf doch noch einmal zu hören, mit einer für einen Rennfahrer bemerkenswerten Einsicht: die fehlende Geschwindigkeit „ändert an meinem Leben sowieso nichts“. Nach 27 Runden wurde Alonsos McLaren rückwärts in die Garage gezogen.

          Max Verstappen schied bereits früh aus.

          Noch frustrierter verließ nur Max Verstappen den Circuit de Spa-Francorchamps. Der 19 Jahre alte Niederländer, für den 80.000 Landsleute ins südliche Nachbarland gereist waren, die eine Party in Orange feierten, fiel schon in der neunten Runde aus: Zylinderschaden am Red Bull. Verstappen konnte gar nicht mehr aufhören, seinen Kopf zu schütteln. Mehr als „unglaublich, wirklich unglaublich“ brachte er zunächst nicht heraus. Es war der sechste Ausfall im zwölften Rennen für den als künftigen Weltmeister gehandelten Piloten, der erst in der vergangenen Woche gesagt hatte, dass er gerne bei Red Bull bleiben wolle – vorausgesetzt, der Rennstall biete ihm alsbald ein siegfähiges Auto. Was mit dem derzeitigen Dienstwagen möglich ist, zeigte Ricciardo. Warum er mehr Glück habe, wurde der Australier, 28 Jahre alt, anschließend gefragt. „Ich spreche während des Rennens mit dem Auto, massiere es. Ich würde es nicht Vorspiel nennen, aber es ist so was Ähnliches. Max ist jung und aggressiv, der geht direkt ran.“

          In der 30. Runde knallte es, gewaltig. In der Kurve „Eau Rouge“ fanden Sergio Perez und Estéban Ocon, beide bei Force India angestellt und einander in erbitterter Abneigung verbunden, zum zweiten Mal am Sonntagnachmittag nicht genug Raum, um nebeneinander Richtung Rennende zu fahren. Ocon versuchte, sich auf der Bergabfahrt zur „Eau Rouge“ an dem uneinsichtigen Perez vorbei zu drücken. Das ging schief. Der Frontflügel von Ocons Dienstwagen löste sich in Einzelteile auf, Perez musste sich vom rechten Hinterreifen verabschieden. Nicht zitierfähige Funksprüche folgten, und: das Safety Car musste ausrücken.

          Sebastian Vettel

          Auch die Führenden nutzten die Gelegenheit zum Reifenwechsel, Vettel ließ die ultraweiche Mischung aufziehen, Hamilton nahm die härteren Pneus. Dem Engländer platzte der Kragen ob der gebremsten Fahrt hinter dem Sicherheitsfahrzeug. „Das ist eine miese Entscheidung von den Stewards“, behauptete Hamilton. „Hier liegt überhaupt nichts rum.“ Objektiv betrachtet lag diesem Urteil angesichts der von Ocon und Perez großzügig verteilten Karbonschnitzel und Reifenteile ein partieller Sehfehler zugrunde. Aber die Emotionen waren verständlich: Vettel würde Gelegenheit zum Angriff bekommen.

          Nach der 33. Runde kehrte das Safety Car an die Box zurück. Hamilton, der als Führender das Tempo vorgeben darf, verlangsamte die Fahrt. Im Juni in Baku hatte Vettel das Auto des Engländers in einer ähnlichen Situation vorsätzlich gerammt. In Belgien blieb Vettel cool, raste nach Hamiltons Beschleunigung im Windschatten durch die „Eau Rouge“ und setzte auf der Kemmel-Geraden zur Attacke an. Hamilton hielt dagegen. Seite an Seite schossen beide bergan auf die Schikane „Les Combes“ zu, bis Vettel zurückstecken musste. Die Beschleunigung im Windschatten reichte nicht aus, Vettels Ferrari fehlte Leistung, Hamilton blieb vorne. „Ich war zu dicht dran“, sagte Vettel anschließend, „ich musste zu früh aus dem Windschatten. Da habe ich ein bisschen ins Lenkrad gebissen.“ Der Abstand pendelte sich bald wieder auf knapp über einer Sekunde ein. Hamilton brachte den Sieg ins Ziel. Vettel bringt sieben Punkte Vorsprung in der Weltmeisterschaft nach Monza, zum Großen Preis von Italien am kommenden Wochenende.

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