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Formel 1 in Italien : Leclerc bummelt zur Pole Position

  • -Aktualisiert am

Wieder obenauf: Charles Leclerc bejubelt seinen Sieg im Qualifying. Bild: AP

Formel Farce: Beim Qualifying in Monza sichert sich Charles Leclerc Startplatz eins in einem kuriosen Ende. Sebastian Vettel ist sauer auf den Teamkollegen. Und in der Formel 2 gibt es abermals einen Schockmoment.

          3 Min.

          So ein kurioses Finale eines Wettlaufs um den besten Startplatz hat die Königsklasse selten erlebt. Alle zehn gingen gemeinsam auf die letzte Runde, schleppten sich dahin, weil niemand den Vorfahrer spielen wollte. Der Windschattenvorteil ist zu groß, mindestens 0,3 Sekunde auf eine Runde. Wie die Steher beim Radrennen belauerten sich die Fahrer. Wer zuerst Gas geben würde, hätte das Nachsehen. Und so verloren die Weltmeister und jene, die es werden wollen, die Zeit aus den Augen. Als der Tross nach der Aufwärmrunde  die Jagd beginnen wollte oder sollte, als die Fans auf die ultimative Speedshow setzten, war die vorgegebene Zeit abgelaufen und damit das Recht der meisten Piloten verschenkt, ihre Positionen zu verbessern. Nur Carlos Sainz im McLaren und Ferrari-Pilot Charles Leclerc kreuzten die Startlinie pünktlich. „Wir sehen aus wie die Idioten“, sagte Mercedes‘ Teamchef Toto Wolff. Statt ein spannendes Finale zu bieten, führte die Königsklasse einen Slapstick auf: Formel Farce.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Die verblüfften  Ferrari-Fans feierten trotzdem.  „Forza Ferrari!“ Leclerc war im ersten Versuch des letzten Durchgangs beim  Qualifikationstraining zum Großen Preis von Italien am Sonntag in Monza (15.10 Uhr/RTL/SKY) die Bestzeit gefahren. So blieb er an der Spitze und besetzt die Pole-Position. Schon wieder, zum vierten Mal in dieser Saison. Der Monegasse hatte schon am vergangenen Samstag in Spa die erstbeste Startposition belegt und tags drauf zum ersten Mal ein Formel-1-Rennen gewonnen. In Monza folgte ihm Mercedes-Pilot Lewis Hamilton, nur um 0,039 Sekunden langsamer,  vor dessen Teamkollegen Valtteri Bottas (0,047). Zum Glück für Ferrari fehlte eine gute Zehntelsekunde im schnellsten Umlauf von Sebastian Vettel für eine rote erste Startreihe. Sie wäre möglich gewesen in einem echten Finale. Stattdessen belegte der Hesse Rang vier in einem spannenden Mehrkampf: „Ich bin eine sehr, sehr gute Runde gefahren, hatte aber keinen Windschatten. Unsere Strategie sah vor, dass ich beim ersten Mal vorne fahre und dann beim zweiten Mal hinten. So war es besprochen, aber gut, dann ist es halt so.“ Das Auto sei sehr gut gewesen. „Im Windschatten sind vier, fünf Zehntelsekunden möglich, mindestens aber drei“, fügte der Heppenheimer hinzu. „Der Windschatten machte heute den Unterschied aus zwischen dem Gewinn der Pole-Position und dem Verfehlen der Pole-Position.“

          Untersuchungen laufen

          Die geringen Abstände zwischen den ersten vier Fahrern deuten auf eine Beschleunigung von Mercedes hin. Vor einer Woche noch hatte das Weltmeisterteam keine Chance im Wettlauf über eine Runde gehabt. Nach Auswertung der Rennsimulationen vom Freitag könnte es Hamilton und Bottas  aber noch leichter fallen, Ferrari im Grand Prix einzuholen. Die Schnelligkeit auf den Geraden, das hatte Vettel am Freitag betont, kaschiere die Schwäche des SF90. Nur zwei Plätze hinter Vettel will Landsmann Nico Hülkenberg im Renault Aufstellung nehmen. Allerdings untersuchten die Streckenkommissare seine Extratour zu Beginn der letzten Runde. Der Rheinländer hatte, in Erwartung der Windspielchen, den Notausgang neben der ersten Schikane genutzt. Ohne Not. Eine Strafe gab es weder für Vettel noch für Hülkenberg.

          Red-Bull-Pilot Max Verstappen, Sieger der Rennen in Österreich und Ungarn, und Kandidat für vordere Plätze, betrachtete das Schauspiel von der Box aus. Der Niederländer blieb wegen eines technischen Defektes ohne Rundenzeit. Das Problem änderte nichts an seinen Aussichten. Wegen eines Motorwechsels, dem vierten, stand seine Versetzung  ans Ende der Startaufstellung schon fest. Das gleiche Los traf Pierre Gasly (Toro Rosso) und Lando Norris im  McLaren.

          Überschattet wurde der Samstag in Monza von einer schlechten Nachricht aus England. Der Formel-2-Fahrer Juan Manuel Correa, schrieben seine Eltern in der Nacht zum Samstag, sei in einem zwar stabilen, aber kritischen Zustand. Bei dem tragischen Unfall am vergangenen Samstag in Belgien hatte der Amerikaner schwere Beinverletzungen erlitten. Der Franzose Anthoine Hubert hatte den Zusammenstoß nicht überlebt. Correa war in dieser Woche von Belgien nach  London verlegt worden. Dort ist nach Angaben der Eltern ein massives Lungenproblem als indirekte Folge des Aufpralls mit – geschätzt - mehr als 250 Kilometern pro Stunde aufgetreten. 

          Zuvor schien der Zwanzigjährige auf dem Weg der Besserung gewesen zu sein. Er soll, so war in Monza zu hören, auf Sms-Botschaften geantwortet haben. Nach einem Atemstillstand werde er nach Auskunft seiner Eltern beatmet. „Correa kämpft um sein Leben“, sagte der Präsident des Internationalen Automobil-Verbandes, Jean Todt, am Samstag im Fahrerlager mit Blick auf die Nachricht kurz nach einem weiteren schweren Unfall. Alexander  Peroni war im Formel-3-Rennen am Samstagvormittag in der Parabolica-Kurve auf einen Kerb gefahren.

          Das Auto des Australiers stieg steil in die Luft auf, drehte sich zweieinhalbmal um die Längsachse und schlug kopfüber mit dem Cockpit auf eine Werbebande, bevor es gegen den Fangzaun prallte. Peroni entstieg dem Wrack äußerlich unverletzt scheinend. Bei seinem Flug erreichte er eine  - geschätzte - Höhe von drei bis vier Metern. Der Plastik-Kerb wurde abmontiert. Er sollte die Piloten aller Rennen davon abhalten, einen größeren Bogen zu fahren und Schwung zu nehmen für die der Parabolica folgende Zielgerade. Damit das unterbleibt, steht nun das Überfahren der weißen Linie unter Strafe.

          Grand Prix von Italien, Startaufstellung:

          1. Startreihe:
          1. Charles Leclerc (Monaco) -     Ferrari 1:19,307 Min.; 2. Lewis Hamilton (Großbritannien) -     Mercedes 1:19,346

          2. Startreihe:
          3. Valtteri Bottas (Finnland) -     Mercedes 1:19,354; 4. Sebastian Vettel (Heppenheim) -     Ferrari 1:19,457

          3. Startreihe:
          5. Daniel Ricciardo (Australien) -     Renault 1:19,839; 6. Nico Hülkenberg (Emmerich) -     Renault 1:20,049

          4. Startreihe:
          7. Carlos Sainz Jr. (Spanien) -     McLaren 1:20,455; 8. Alexander Albon (Thailand) -     Red Bull -

          5. Startreihe:
          9. Lance Stroll (Kanada) -     Racing Point -; 10. Kimi Räikkönen (Finnland) -     Alfa Romeo -

          6. Startreihe:
          11. Antonio Giovinazzi (Italien) -     Alfa Romeo 1:20,517; 12. Kevin Magnussen (Dänemark) -     Haas 1:20,615

          7. Startreihe:
          13. Daniil Kwjat (Russland) -     Toro Rosso 1:20,630; 14. Romain Grosjean (Frankreich) -     Haas 1:20,784

          8. Startreihe:
          15. Sergio Perez (Mexiko) -     Racing Point 1:21,291; 16. George Russell (Großbritannien) -     Williams 1:21,800

          9. Startreihe:
          17. Robert Kubica (Polen) -     Williams 1:22,356; 18. Lando Norris (Großbritannien) -     McLaren 1:21,068 + 5 Plätze/Neue Antriebseinheiten

          10. Startreihe:
          19. Pierre Gasly (Frankreich) -     Toro Rosso 1:21,125; 20. Max Verstappen (Niederlande) -     Red Bull -

          (Strafen: Gasly (am Ende des Feldes/Neue Antriebseinheiten), Verstappen (am Ende des Feldes/Neue Antriebseinheiten))

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