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Le Mans : Der Monster-Kreisel

Hier gehts rund: 24 Stunden in Le Mans Bild: REUTERS

Alkohol, Lärm und Schlafmangel können eine teuflische Kombination sein, machen die Motorsportfans in Le Mans aber friedlich. 24 Stunden im Kreis und doch kein bisschen müde: Wie Fahrer und Fans genussvoll über die Runden kommen.

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          Sonnengerötete Nordeuropäer mit freiem Oberkörper, angetrunken und doch vornehm still: Ein paar Millionäre campen dort, wo sich der Geruch von Bier, Benzin und Barbecue in der französischen Nachmittagshitze vermischt. Hier hat Bob Lovelace das Sagen. Der Mittfünfziger ist Le-Mans-Chef des englischen Porsche-Clubs und Herr über seine 450 Campinggäste, denen ein eigenes Areal reserviert worden ist. Ihre insgesamt 150 Porsches haben sie direkt neben dem winzigen Igluzelt ins Gras geparkt. Dazwischen stehen wie Fremdkörper noch Audis, Bentleys und Lamborghinis. Man nehme es nicht so genau, sagt Lovelace.

          Jochen Stahnke

          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Abgesehen von der Boxengasse ist der Campingplatz unmittelbar hinter der gefährlichen Porsche-Kurve der wohl wertvollste Sektor an der Rennstrecke von Le Mans. Zelt- und Parkplatz kosten 500 Euro Eintritt, die Eintrittskarte zum Rennen ein Zehntel davon. Manch einer hat sich direkt an die Streckenbegrenzung gelegt. Doch an Schlaf ist kaum zu denken. Insgesamt 55 Boliden rasen 24 Stunden um den berühmten Kurs, der Lärm betäubt die Ohren, bestenfalls. Abends gibt es ein Barbecue, zwanzig Meter hinter der Leitplanke. „Das ist das Schöne“, sagt Lovelace, „hier sind wir alle gleich.“

          Wohl das berühmteste Motorsportereignis der Welt

          Im Rennen selbst gilt das nicht unbedingt: In Le Mans, zusammen mit den 500 Meilen von Indianapolis und dem Grand Prix der Formel 1 in Monaco wohl das berühmteste Motorsportereignis der Welt, fahren vier verschiedene Rennwagenklassen. Zwei sind Prototypen, und zwei Klassen gehen als serienverwandte sogenannte GT-Sportwagen an den Start. Chancen auf den Gesamtsieg haben nur die Prototypen wie die von Audi, Peugeot oder Aston Martin. Solche Werksmannschaften haben oft mehr als das Zehnfache an Budget wie die privaten Teams. Und so fahren auch in diesem Jahr wieder professionelle Rennfahrer neben Halbprofis wie Patrick Dempsey: Der Schauspieler fährt in der schwächsten Klasse einen Ferrari, in seinem Berufsleben spielt er einen Arzt bei „Grey's Anatomy“. Ankommen ist das Ziel der meisten Fahrer.

          Drei Mann in einem Boot: Drei Rennfahrer müssen sich in Le Mans ein Fahrzeug teilen

          Das Miteinander von Profis und Halbprofis macht Le Mans aus. Führte aber 1955 zur Katastrophe: 84 Menschen starben, als Wrackteile des Mercedes von Pierre Levegh auf die Tribüne flogen. Der Franzose war auf das Heck eines langsamen Amateurs aufgefahren und mit seinem Boliden sofort abgehoben. Mercedes kam erst 34 Jahre später wieder nach Le Mans zurück, in der Schweiz wurden „öffentliche Rundstreckenrennen mit Motorfahrzeugen“ verboten. Just an diesem Rennsonntag wurde das Verbot abermals vom Schweizer Ständerat bestätigt.

          Fast vierhundert Runden fahren die Prototypen

          Nicht erst seit 1955 sagen manche, Le Mans sei das härteste Rennen der Welt. Peugeot-Pilot Franck Montagny spricht schlicht vom „Monster“. Fast vierhundert Runden fahren die Prototypen auf der 13 Kilometer langen Strecke und müssen mehrfach pro Minute langsamere Fahrzeuge überrunden. Besonders heikel ist der Parcours, wenn es auf schlechten Asphalt geht - siebzig Prozent des Rennens werden auf gewöhnlicher französischer Landstraße gefahren, mit Geschwindigkeiten von bis zu 340 Kilometern pro Stunde.

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