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Kommentar zum Skiunfall : Schumacher ist kein Hasardeur

  • -Aktualisiert am

Michael Schumacher (Foto von 2005) Bild: REUTERS

Wer glaubt, Schumacher habe für sein Hochgeschwindigkeits-Leben bezahlt, hat nicht verstanden, was passiert ist. Ein Mann stürzte beim Skilaufen. Das ist eine Tragödie, wie sie häufig vorkommt. Man muss dazu nicht mal ein Risiko eingehen.

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          Wer sich in Gefahr begibt, so steht es in der Bibel, der kommt darin um. Aber wer definiert diese Gefahr für unser Leben, den angeblichen Hochmut solcher Menschen oder deren vermeintliche Respektlosigkeit vor unserem höchsten Gut? Setzt ein Formel-1-Rennfahrer sein Leben fahrlässig aufs Spiel?

          Oder sind es nicht eher die Jungspunde der Freestyle-Generation im Wintersport, die sich immer höher hinaus katapultieren in den Himmel, immer schwierigere Figuren drehen, ohne irgendeine Grenze akzeptieren zu wollen. Schwerverletzte, Tote sind nicht selten. Ist das nicht ein Wahnsinn?

          Zunächst ist es ein Spektakel, das den Menschen offenbar gefällt. Die Video-Filme von den spektakulären Stunts in der Bergwelt auf Youtube erfreuen sich bei den Jugendlichen großer Beliebtheit. Millionen schauen auch bei der Formel 1 zu, wenn sich die Piloten bei Tempo 300 im Bruchteil einer Sekunde für den richtigen Weg entscheiden müssen, sonst krachts.

          Das Risiko, das ein anderer auf sich nimmt, erscheint besonders attraktiv. Aber hinter der Show von geringer Halbwertzeit verbirgt sich mehr als ein flüchtiger Genuss für den Zuschauer. Sie staunen, was die Artisten in der Manege ihnen vorführen, was so alles möglich ist. Das Maß der Bewunderung hängt sicherlich auch von der eigenen Furcht vor den Folgen eines Missgeschickes ab. Wer riskiert denn heute noch etwas?

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          Es hat die Menschheit sicher nicht entscheidend weiter gebracht, dass Michael Schumacher einen Rekord nach dem anderen aufstellte, sich unzählige Male im Kreise drehte in einer Sportart, die pro Jahr allenfalls zwei Dutzend Fahrern offen steht. Aber er muss die Menschen inspiriert haben. Auf der ganzen Welt sind Wünsche zu seiner Genesung formuliert und veröffentlicht worden, sehr phantasievolle, zum Kampf auffordernde, besonders rührende. Das ist ein herzlicher Dank. Weil er ihnen doch etwas mehr gezeigt hat als eine besonders ausgefeilte Steuerkunst.

          Auf den zweiten Blick nämlich die Fähigkeit des Menschen, sich ohne große Protektion, ohne vererbten Reichtum oder Standeszugehörigkeit zu einer ungeahnten Größe zu entwickeln. Nicht mal der zweckpessimistische Schumacher ahnte, was in ihm steckt. Aus der Kiesgrube bei Kerpen ist er in seine Erd-Umlaufbahn geschossen. Er hat sich über die vielen Jahre das Hochgefühl erarbeitet, die ihm gesetzten Grenzen immer wieder erweitern zu können.

          Bild: dpa

          Außenstehende halten Menschen, die so handeln, gerne für Besessene oder Wahnsinnige. Wahrscheinlich aber attackieren sie aus Angst vor der Wahrheit: sich nicht zu trauen, was ein Schumacher wagt, ein Risiko einzugehen, auch das des fatalen Scheiterns. Aber sie sind in der Minderheit. Die vielen anderen, deren Herzenswünsche Schumacher nun zufliegen, sehen in einem solchen Siegertyp offenbar keinen Hasardeur, sondern einen, der geschafft hat, wovon sie träumten: weiterzukommen, zu erfahren, was in ihnen steckt. Das gibt Hoffnung.

          Wer trotzdem glaubt, Schumacher habe nun für sein Hochgeschwindigkeits-Leben bezahlt, der hat nicht verstanden, was am Sonntag passiert ist. Ein Mann stürzte beim Skilaufen. Er schlug mit dem Kopf auf einen Felsen. Das ist eine Tragödie, wie sie häufig vorkommt. Man muss dazu kein Rennfahrer sein und nicht mal ein Risiko eingehen.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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