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Formula E in Saudi-Arabien : Kurzschluss in Riad

Sportinteressierter Staatsmann: Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman Bild: AFP

Formula E als Einstieg: Die Sause ist Teil der Zukunftsvision des saudischen Kronprinzen für sein Land. Auch für die deutschen Teams ist die Rennserie mehr als nur Sport.

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          Der Motorsport ist vor allem: prinzipientreu. Allen – Herstellern, Teams, Veranstaltern, Streckenbetreibern – geht es bei der ganzen Raserei zuallererst um Werte. Pekuniäre Werte. Entscheidend ist, was auf dem Konto landet. Das Motto gilt seit ehedem: Win on Sunday, sell on Monday. Wer sonntags auf der Rennstrecke vorne ist, kann montags Neuwagen verkaufen. Das gilt immer noch, besonders für die Formel E. Audi, BMW, Mercedes, Porsche: alle sind elektrisiert, starten in der Formel E.

          Gewinnen wird allenfalls einer. Macht nichts, es gilt in der Formel E eine weitere eherne Begleiterscheinung des Rennsports: sehen und gesehen werden. Sie ist womöglich wichtiger, jedenfalls für den Moment. Schaut her, wir rasen grün. Die Botschaft ist der Star. Weil grün sexy ist – und Autos verkauft, die, so ehrlich sollten die deutschen Hersteller sein, ihnen nicht aus den Händen gerissen werden. Schon weil ihre E-Modell-Paletten arg überschaubar sind. Aber Ehrlichkeit ist nun keine Tugend, die den Spitzensport prägt.

          Weshalb es nicht schadet, noch einmal auf die Grünschwäche der Formel E zu blicken, die derart ausgeprägt ist, dass sie nicht nur Ophthalmologen ins Auge sticht. Ihre Begleiterscheinungen sind nicht nur deshalb fragwürdig, weil ungeklärt ist, wo die entsorgten Batterien denn eigentlich eines Tages landen werden. Über die Kinder, die in Kongo Kobalt gewinnen – elementarer Bestandteil der Batterien – ist in all den attraktiven Werbebotschaften auch eher selten etwas zu hören. Und vergangenes Jahr tauchten zum Saisonstart der Elektro-Serie Tankwagen im Fahrerlager auf – ohne Dieselgeneratoren ging es offenkundig nicht.

          Womit wir endlich in Riad sind, in der Hauptstadt des Königreiches Saudi-Arabien, dem Kronprinz sei Dank. Muhammad bin Salman lässt sich das Spektakel über zehn Jahre 260 Millionen Dollar kosten, schrieb das Fachmagazin „Auto Sport“ vergangenes Jahr, als Riad zum ersten Mal das Reiseziel zum Saisonauftakt war. Die Sause ist Teil der Zukunftsvision des Kronprinzen für sein Land, aber bevor die E-Apologeten zu enthusiastisch werden – der Mann ist in der Wahl seiner Mittel bekanntlich nicht zimperlich. In ein paar Wochen schickt er die Rallye Dakar in die Wüste, seit jeher die fragwürdigste aller Motorsportveranstaltungen. Und mit Nachdruck feilen Advokaten und Emissäre an Angeboten und Verträgen, mit denen die Formel 1 ins Land geholt werden soll, möglichst schnell.

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          Prinz Brumm ist „The Fast and The Furious“ in einer Person, schnell und rasend. Als er vergangenes Jahr den Frauen in seinem Land endlich die Fahrerlaubnis erteilen ließ, waren diejenigen, die sich jahrelang dafür eingesetzt haben, eingekerkert. Sie sitzen bis heute, berichten von Folter – mit Elektroschocks. Beim Großen Preis von Frankreich tauchte an jenem Tag Aseel Al Hamad auf, sie durfte eine Runde in einem Renault drehen. Gerne hätte man gewusst, was sie zum Umgang mit den Frauen in ihrem Land zu sagen hat – eine Mitarbeiterin der Presseabteilung des Teams verhinderte es. Die Qualität der aktiven Beteiligung an der Inszenierung des Regimes steigt aber mit dem Kontostand.

          Der Journalist Jamal Khashoggi war drei Wochen tot, im saudischen Konsulat in Istanbul zersägt, da erklärte Formel-1-Chef Agag 2018 Saudi-Arabien zum „neuen Zuhause“ der Formel E. „Dank der Vision von Kronprinz Muhammad bin Salman wird hier zum ersten Mal ein internationales Motorsport-Event ausgetragen“, sagte Agag. „Saudi-Arabien entwickelt sich in die richtige Richtung und macht gute Fortschritte. Das ist es, was uns angezogen hat.“ Es ist das Grundprinzip der Elektrizität: Ungleiche Ladung zieht sich an. Abstoßend.

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