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Wechselbörse 2016 : Warum in der Formel 1 Stillstand herrscht

  • -Aktualisiert am

Rücktritt nicht ausgeschlossen: Aber vielleicht hängt der Engländer Jenson Button noch eine Saison an seine lange Karriere. Bild: dpa

Noch nie war es auf dem Transfermarkt in der Formel 1 so ruhig. Der Stillstand in der Königsklasse des Motorsports hat Gründe. Ein Deutscher könnte aber trotzdem 2016 neu in die Formel 1 kommen.

          Früher war es wie ein zusätzliches Rennen im Kalender. Die Engländer nennen es die „silly season“. Jene Zeit, in der an der Fahrerbörse die besten Lenkradakrobaten der Welt gehandelt und von Team zu Team verschoben werden. Manchmal überlagerte die Aufmerksamkeit sogar einen Grand Prix. Es gab Jahre, in denen sich alles auf den Kopf stellte.

          2010 zum Beispiel: Rekordweltmeister Michael Schumacher kehrte zurück. Der zweimalige Champion Fernando Alonso ging von Renault zu Ferrari. Kimi Räikkönen wurde in eine vorübergehende Rente geschickt. Weltmeister Jenson Button stellte sich seinem Landsmann Lewis Hamilton bei McLaren. Nico Rosberg wechselte von Williams zu Mercedes. Robert Kubica tauschte BMW gegen Renault. Und Williams spannte den Neuling Nico Hülkenberg aus dem Rheinland mit dem Dienstältesten, Rubens Barrichello, zusammen.

          Von der vergangenen auf diese Saison wechselten immerhin zwei Weltmeister die Farben. Fernando Alonso machte seinen Platz bei Ferrari für Sebastian Vettel frei. Der Spanier heuerte mangels Alternativen bei McLaren-Honda an, obwohl die Aussichten nicht gut waren. Die Veränderung belebt das Geschäft.

          Deshalb zog Bernie Ecclestone in der Vergangenheit oft an den Strippen, wenn sich zu viel Routine in seinem Ensemble einzuschleichen drohte. Der Chefmanager hatte zum Beispiel beim Transfer von Lewis Hamilton zu Mercedes 2013 die Finger im Spiel. Weil es nach fünf Jahren McLaren Zeit für einen Tapetenwechsel war.

          Die Teams setzen auf Stabilität

          So betrachtet, muss Ecclestone die Saison 2016 Sorgen machen. Noch nie war es auf dem Transfermarkt so ruhig. Bei Mercedes, Ferrari, Red Bull, Williams, Force India, Sauber und ToroRosso bleibt alles beim Alten. Das könnte selbst bei McLaren der Fall sein. Obwohl Jenson Button mit Rücktrittsgedanken kokettiert. Eigentlich will der 35-jährige Engländer noch eine 17. Saison an seine lange Karriere dranhängen.

          Obwohl der renommierte Rennstall vor allem wegen des schwachen Antriebs von Honda weit hinterherfährt und wohl auch im nächsten Jahr nicht den erhofften Sprung machen wird. Der Vertrag sichert Button aber 2016 eine bekömmliche Gehaltssteigerung zu. Die will McLaren-Chef Ron Dennis nicht mehr zahlen. Das Team verliert nächstes Jahr zwei Sponsoren und wird deutlich weniger Bares aus dem Preisgeldtopf erhalten.

          Einstieg möglich: DTM-Pilot Pascal Wehrlein

          Falls Button den Helm an den Nagel hängt, wird der Rückzug offiziell so verkauft werden: Die Chance auf einen Sieg ist für einen ehemaligen Weltmeister die einzige Motivation. „Von dem Duell mit Alonso kannst du nicht ewig zehren.“ Für die Nachfolge des fünfzehnmaligen Grand-Prix-Siegers stehen gleich zwei Kandidaten bereit. Der Däne Kevin Magnussen, der im vergangenen Jahr bei McLaren mit einem zweiten Platz debütierte, dann aber Alonso Platz machen musste. Und Stoffel Vandoorne, der als eines der größten Talente der Szene gilt. Der 23 Jahre alte Belgier, auf dem Weg zum GP-2-Champion, gilt als Favorit.

          Die große Ruhe an der Fahrerbörse hat einen Grund: Die Teams setzen (aus unterschiedlichen Gründen) auf Stabilität. Räikkönen durfte bleiben, weil er sich mit Sebastian Vettel gut versteht. Und weil der Finne einen leistungsbezogenen Vertrag akzeptierte. Felipe Massa und Valtteri Bottas bringen Williams regelmäßig Punkte. Das wird in diesem Jahr zum zweiten Mal für den dritten Platz in der Konstrukteurs-WM reichen.

          Nico Hülkenberg und Sergio Perez fahren 2016 ihre dritte Saison zusammen, „weil beide extrem gut zusammenarbeiten. Das bringt unser Auto weiter“, erklärt Sportdirektor Otmar Szafnauer. Auch die kleinen Teams bleiben ihren Fahrern treu. Felipe Nasr und Marcus Ericsson sind wegen ihrer Sponsoren so eine Art Lebensversicherung für Sauber, Pastor Maldonado der Geldesel von Lotus. Solange keine schnelleren Fahrer mit höherer Mitgift auf dem Markt sind, macht es keinen Sinn, nach neuen zu schauen.

          Nachwuchsausbildung bei Mercedes noch keine Früchte getragen

          Der „spektakulärste“ Wechsel betrifft den neuen Rennstall Haas F1. Renault-Schützling Romain Grosjean hatte keine Lust, auf das immer noch in der Schwebe befindliche Renault-Comeback als Käufer von Lotus zu warten. Die Unterschrift beim amerikanischen Rennstall Haas F1 sichert ihm eine Option bei Ferrari, 2017 Kimi Räikkönen zu beerben.

          Der Rennstall von Gene Haas ist enger Entwicklungspartner der Italiener. Die „echten“ von Ferrari ausgebildeten Junioren sind weit von einem Formel-1-Cockpit entfernt. Das Programm wirkt im Vergleich zu Red Bull mehr als halbherzig. Auch bei Mercedes hat die Nachwuchsausbildung noch keine Früchte getragen.

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          Ein Versuch, Pascal Wehrlein bei Force India zu installieren, scheiterte. Der DTM-Spitzenreiter, der Mitte Oktober am Hockenheimring Meister werden könnte, soll 2016 trotzdem in die Königsklasse befördert werden. Der Rennstall Manor erhält im nächsten Jahr Mercedesmotoren. Die Lieferung ist mit dem Wunsch verbunden, für den 20-jährigen Deutschen aus Sigmaringen einen Platz zu reservieren.

          Sechs Rennen vor dem Ende der Saison ist also nur noch ein Platz auf dem Karussell frei. Der im zweiten Lotus. Und hier hängt alles davon ab, ob Renault das Team kauft oder nicht. Wenn der Autokonzern wieder einsteigt, wird wohl ein Franzose den Zuschlag bekommen.

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