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Jenson Button : Verunsichert, bedrängt und angespannt

Das Unterwäschemodel an der Seite des Rennfahrers Bild: AP

Noch immer führt er die Gesamtwertung der Formel 1 an. Doch seine Leichtigkeit hat er verloren. „Ich darf mich jetzt nicht verrückt machen lassen“, sagt Jenson Button, der zumindest von seiner Freundin Jessica Michibata mit vollem Einsatz unterstützt wird.

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          Ihre Blicke suggerieren Sehnsucht, ein Lächeln ziert ihr Gesicht. Jessica Michibata sitzt im Motorhome von Brawn GP, räkelt sich am Tisch und schaut immer wieder nach draußen. Kurzer Rock, lange Beine - trotzdem interessiert sich in diesem Moment kaum jemand für das Unterwäschemodel mit japanisch-argentinischen Wurzeln. Die Reporter und Fotografen umringen ihren Freund: Jenson Button. Zu Saisonbeginn war er der Seriensieger, galt schon als sicherer neuer Weltmeister der Formel 1 und hat es nun in den vergangenen fünf Rennen nicht einmal mehr auf das Podium geschafft. „Ich darf mich jetzt nicht verrückt machen lassen“, sagt der 29 Jahre alte Engländer. Seine Freundin soll ihm dabei helfen und rückt auch deshalb in Monza bisher kaum von seiner Seite. Die Erfolge der vergangenen Monate haben sie zusammen gefeiert, sogar von einer Hochzeit im Fall des Titelgewinns war die Rede. Aber in diesen Wochen geht es um Krisenbewältigung.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Längst ist die Leichtigkeit verschwunden, schlendert Button nicht mehr mit dieser Selbstverständlichkeit und der immergleichen Fröhlichkeit durch das Fahrerlager. Er hat sich einen Dreitagebart stehen lassen, und die weiße Sponsorenkappe wirft einen großen Schatten auf sein Gesicht. Er wirkt angespannt. Nachdenklich. Sind es tatsächlich die Probleme mit den Reifen, die ihn zuletzt nur noch im Mittelfeld rasen ließen? Oder bringt ihn seine Psyche durcheinander? Sechzehn Punkte beträgt sein Vorsprung fünf Rennen vor Schluss auf den Teamkollegen Rubens Barrichello noch, neunzehn Zähler trennen ihn von dem Deutschen Sebastian Vettel im Red Bull.

          Der Abstand ist geringer geworden, die Zweifel werden größer. Zumindest bei den anderen. „Zu Saisonbeginn war alles nett und einfach. Aber es ist etwas anderes, hart für den Titel zu kämpfen“, sagte der derzeit verletzte Ferrari-Pilot Felipe Massa, der im vergangenen Jahr selbst diese Erfahrung gemacht hat. Nur Siege oder gute Platzierungen helfen gegen diese Abwärtsspirale, und auch Button sagt deshalb: „Ich muss jetzt mal wieder groß punkten und aus eigener Kraft den Titel sicherstellen.“

          Interessierte Beobachterin: Jessica Michibata

          Im Heck hat Button stets einen zuverlässigen Partner dabei. Der Mercedes-Motor gilt als der beste in der Formel 1, noch keines der sechs Autos im Feld mit Stern-Antrieb ist in dieser Saison wegen eines Motorschadens ausgefallen, und Button hat in Bahrein, Barcelona und Monaco sogar drei Siege nacheinander mit nur einem Triebwerk errungen. Und nun steht die Hauptprüfung auf dem Programm: Auf keiner anderen Strecke kommt es so sehr auf die pure Leistung an wie im Autodromo di Monza. Siebzig Prozent Vollgasanteil, eine Spitzengeschwindigkeit von mehr als 340 Kilometern in der Stunde, schnelle Kurven, rasante Schikanen. Front- und Heckflügel werden so flach wie möglich gestellt, um den Luftwiderstand zu reduzieren.

          Kauft Mercedes Brawn?

          „Die Belastung für die Motoren ist hier natürlich ungemein groß“, sagt Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. Zumindest öffentlich will er in diesen Tagen aber nicht allzu überschwänglich von den Fähigkeiten jener Triebwerke schwärmen, die unter Laborbedingungen in Brixworth gefertigt werden. Allein die große Nachfrage ist Spiegel der Qualität. Neben Brawn wird wohl auch Force India in der kommenden Saison zu den Mercedes-Kunden zählen, womöglich kommt sogar noch ein viertes Team hinzu.

          Der Machtfaktor Mercedes - vielleicht wird er in naher Zukunft noch größer. Einem Bericht des Fachmagazins „Auto Motor Sport“ zufolge strebt der Motorenhersteller aus Stuttgart eine Partnerschaft mit Ross Brawn an und will in den kommenden drei Jahren 75 Prozent der Anteile an dessen Rennstall erwerben. Weil Mercedes jedoch noch zwei Jahre exklusiv an McLaren gebunden sein soll, könnte der Daimler-Großaktionär Aabar Investment aus Abu Dhabi für diesen Zeitraum die Brawn-Anteile halten. Auch bei der Fahrerauswahl solle Mercedes dann ein Mitspracherecht haben. Als Wunschkandidat für ein Cockpit neben Button gilt Niko Rosberg, dessen Vertrag bei Williams am Jahresende ausläuft. Der Vierundzwanzigjährige hat sich selbst in Monza ein Redeverbot zu diesem Thema erteilt, auch Haug schweigt zu den Meldungen und verweist auf die offizielle Erklärung: „Wir bitten um Verständnis, dass unser Haus Spekulationen grundsätzlich nicht kommentieren kann.“ Mit anderen Worten: Sie sagen, dass sie nichts mehr sagen wollen.

          Vettel will Button noch ein bisschen ärgern

          Damit sind die Verantwortlichen von Mercedes schon jetzt enger mit Button verbunden, als sie vielleicht vermuten. Denn auch der WM-Führende redet wenig und reagiert mitunter reichlich genervt, wenn er an die vergangenen Wochen erinnert wird, in denen immer nur die anderen ganz oben auf dem Podium standen und er selbst lediglich davon profitiert hat, dass niemand konstant in die Spitze gefahren ist. „Die letzten Rennen sind nicht so gut für ihn gelaufen“, sagt Vettel, der längst spürt, dass der Druck auf Button wieder zunimmt.

          Zumindest die persönlichen Erinnerungen des Heppenheimers an Monza sind ausgezeichnet. Vor einem Jahr hat er dort im königlichen Park im unterlegenen Toro Rosso seinen ersten Grand Prix überhaupt in der Formel 1 gewonnen. Nun will er Button noch ein bisschen ärgern, ihm Punkte abnehmen und den Engländer so noch mehr zum Nachdenken bringen. Als Einzelgänger. Denn Vettels Freundin Hanna lässt sich so gut wie nie an den Rennstrecken dieser Welt blicken.

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