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Jenson Button im Gespräch : „Du glaubst, die Haut löst sich vom Körper“

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„Man könnte sagen, dass ich einen Traum lebe“: Jenson Button Bild: dapd

In Hockenheim landete Jenson Button nach längerem wieder auf dem Podest. Im FAZ.NET-Interview spricht der McLaren-Pilot über Körpergefühl, Neid und die Beherrschung eines Ungetüms.

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          Mit einem Sieg in Australien startete Jenson Button in die Saison. Doch bis auf einen zweiten Platz im dritten Rennen in China landete der McLaren-Pilot nicht mehr auf dem Podest - bis zum Sonntag in Hockenheim, als er zwar als Dritter über die Ziellinie fuhr.

          Durch Sebastian Vettels Strafe, der ihn nach Ansicht der Rennkommissare regelwidrig überholte, landete er jedoch auf Rang zwei. In der Fahrerwertung der Formel 1 ist Button derzeit dennoch nur Siebter. Im FAZ.NET-Interview spricht der Brite über Körpergefühl, Neid und die Beherrschung eines Ungetüms.

          Sie fahren eines der schnellsten Autos der Welt, und Sie fordern Ihren Körper nebenbei beim Triathlon - sind Sie ein Mann der Extreme?

          Das könnte man vermuten. Aber das ist alles der reine Spaß. Ich liebe es, meinen Körper zu fühlen, ihn permanent zu fordern. Das hilft dir zu spüren, dass du noch immer am Leben bist, dass du als Mensch diese unglaubliche Energie in dir trägst.

          Wie fühlt sich der Körper denn nach einem Triathlon an?

          Im ersten Moment fühlst du dich großartig, du bist glücklich, erleichtert und stolz auf das, was du geleistet hast. Aber danach kommen die Schmerzen, sie werden immer schlimmer, und du fragst dich: Muss das wirklich sein? Nach ein paar Gläsern Bier sagst du dann: Auf jeden Fall!

          Und was passiert mit Ihnen nach einem Grand Prix?

          Die Emotionen sind nicht miteinander zu vergleichen. Ein Rennen in der Formel 1 zu gewinnen, bedeutet mehr für mich mehr als alles andere, darauf habe ich schließlich mein ganzes Leben hingearbeitet. Ich liebe das Gefühl, wenn du auf das Podium steigst, du siehst, wie deine Mechaniker jubeln, und du weißt, wie hart jeder für diesen einen Augenblick des Glücks gearbeitet hat. Das ist ein ganz spezielles Erlebnis. Ich mache jetzt seit 24 Jahren Motorsport, irgendwann wird das alles hier ein Ende haben für mich. Aber ganz bestimmt nicht in der näheren Zukunft, dafür ist es zu gut. Ich kann mir nicht vorstellen, mit vierzig noch in der Formel 1 zu fahren. Aber ich konnte mir früher auch nicht vorstellen, mit dreißig noch dabei zu sein.

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          Wie fühlt es sich an, einen Rennwagen in der Formel 1 zu fahren?

          Wenn du dich zum ersten Mal in so einen Boliden setzt, dann sprengt das Gefühl alles, was man vorher erlebt hat. Du denkst, dass du schwebst, aber das tust du nicht. Einige Leute mögen den Lärm nicht, aber wenn du im Cockpit sitzt und all die Vibrationen spürst, die Kraft und Energie - für mich ist das eine der beste Erfahrungen überhaupt. Die Kräfte sind unglaublich. Wenn du auf die Bremse trittst, dann glaubst du am Anfang, die Haut löst sich von deinem Körper. Es ist unglaublich. Aber wir alle hier sind totale Kontroll-Freaks, uns geht es um die Beherrschung dieses Ungetüms. Und es ist etwas komplett anderes, so einen Rennwagen zu fahren, als ihn zu kontrollieren.

          Kennen Sie so etwas wie Neid, wenn ein anderer gewinnt?

          Natürlich, ich selbst möchte jedes Rennen gewinnen. Wenn du einen anderen Fahrer ganz oben auf dem Podium siehst, dann willst du selbst in seiner Position sein. Wir sind nicht hier, um ein bisschen im Kreis zu fahren, wir sind hier, um uns dem Kampf zu stellen und alle anderen zu besiegen. Daran arbeiten wir mit McLaren gerade. Aber die letzten Wochen waren nicht einfach für mich.

          Sie haben in den sechs Rennen vor Ihrem zweiten Platz am Sonntag in Hockenheim nur sieben Punkte gewonnen, der Titel scheint weit weg zu sein.

          Ja, und natürlich ist das enttäuschend. Ich bin frustriert, wenn die Dinge nicht so laufen, wie ich sie haben will. Aber ich weiß, dass tief in mir immer die Fähigkeit steckt, einen Ausweg zu finden, die alte Stärke wiederzugewinnen. Ich glaube weiter daran, dass ich am Ende des Jahres Weltmeister sein kann. Es wird nicht einfach, und doch ist alles möglich.

          In dieser Saison fährt der Brite meist hinterher - war Hockenheim nun die Wende zum Besseren?

          Vor den Kameras wirken Sie oft wie ein Gentleman. Wann waren Sie das letzte Mal richtig sauer?

          Oh, das bin ich sehr oft. Menschen, die mich gut kennen, wissen, dass ich ziemlich einfach aus der Ruhe zu bringen bin. Manchmal glaube ich, dass es an diesem Sport liegt. In der Formel 1 bewegt man sich permanent am Limit, und für alles scheint es hier eine Lösung zu geben. Es gibt Hunderte von Leuten, die sich darum kümmern. Da draußen, in der richtigen Welt, ist das anders. Manchmal fällt es mir schwer, dies zu akzeptieren. Das fällt mir schon bei den einfachsten Dingen auf. Letztens stand ich im Stau, aber ich mag keinen Stau und werde dann sehr schnell unruhig.

          Gibt es in der Formel 1 so etwas wie den perfekten Teamkollegen?

          Ich weiß nicht, ob es so einen Mann wirklich geben kann. Natürlich fühlt es sich toll an, wenn du den anderen Piloten im gleichen Auto an jedem Wochenende besiegst - aber auf Dauer bringt es dich nicht weiter. Du brauchst jemanden, der dich fordert, der dich auch mal unter Druck setzt, der dir zeigt, was mit dem Auto alles möglich ist, wenn du mal einen schlechten Tag hast.

          Ist Lewis Hamilton ein guter Partner?

          Er war Weltmeister, er ist einer der Besten hier. Lewis ist superschnell, kaum ein anderer fährt so spektakulär wie er. Die Fans lieben das an ihm. Wir hatten schon ein paar schöne Kämpfe, aber wir respektieren uns. Das ist vielleicht das Wichtigste, wenn du so eng zusammenarbeitest.

          Endlich mal wieder auf dem Podest nach langer Zeit

          Ihre Karriere gleicht einer Achterbahnfahrt. Viele hatten Sie schon abgeschrieben, dann folgte 2009 der WM-Titel. Nun fahren Sie bei McLaren und sind ein Star. Wie ist es, überall das eigene Gesicht auf Werbeplakaten zu sehen?

          Ganz schlimm ist es auf Flughäfen. Wenn ich irgendwo ankomme, lächle ich mich selbst oft von allen Seiten an. Das ist mir beinahe schon peinlich. Ich mag das nicht, ich wollte nie so sehr im Rampenlicht stehen. Ich genieße vielmehr mein Privatleben, die Zeit mit meinen Freunden und der Familie, wo ich weit weg bin von der Verrücktheit in der Formel 1. Aber ich weiß auch, dass diese Bilder zum Job gehören.

          Sind Sie glücklich mit Ihren Leben?

          Ja, sehr. Ich war einmal ein kleiner Junge aus Frome in Somerset. Aber ich habe die Welt gesehen, und diese Reise ist noch nicht zu Ende. Ich war acht Jahre alt, als ich zum ersten Mal ein Formel-1-Rennen gesehen habe: Alain Prost, Nigel Mansell - all diese Helden. Und nun bin ich dabei. Man könnte sagen, dass ich einen Traum lebe.

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