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Jenson Button im Gespräch : „Du glaubst, die Haut löst sich vom Körper“

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Sie haben in den sechs Rennen vor Ihrem zweiten Platz am Sonntag in Hockenheim nur sieben Punkte gewonnen, der Titel scheint weit weg zu sein.

Ja, und natürlich ist das enttäuschend. Ich bin frustriert, wenn die Dinge nicht so laufen, wie ich sie haben will. Aber ich weiß, dass tief in mir immer die Fähigkeit steckt, einen Ausweg zu finden, die alte Stärke wiederzugewinnen. Ich glaube weiter daran, dass ich am Ende des Jahres Weltmeister sein kann. Es wird nicht einfach, und doch ist alles möglich.

In dieser Saison fährt der Brite meist hinterher - war Hockenheim nun die Wende zum Besseren?

Vor den Kameras wirken Sie oft wie ein Gentleman. Wann waren Sie das letzte Mal richtig sauer?

Oh, das bin ich sehr oft. Menschen, die mich gut kennen, wissen, dass ich ziemlich einfach aus der Ruhe zu bringen bin. Manchmal glaube ich, dass es an diesem Sport liegt. In der Formel 1 bewegt man sich permanent am Limit, und für alles scheint es hier eine Lösung zu geben. Es gibt Hunderte von Leuten, die sich darum kümmern. Da draußen, in der richtigen Welt, ist das anders. Manchmal fällt es mir schwer, dies zu akzeptieren. Das fällt mir schon bei den einfachsten Dingen auf. Letztens stand ich im Stau, aber ich mag keinen Stau und werde dann sehr schnell unruhig.

Gibt es in der Formel 1 so etwas wie den perfekten Teamkollegen?

Ich weiß nicht, ob es so einen Mann wirklich geben kann. Natürlich fühlt es sich toll an, wenn du den anderen Piloten im gleichen Auto an jedem Wochenende besiegst - aber auf Dauer bringt es dich nicht weiter. Du brauchst jemanden, der dich fordert, der dich auch mal unter Druck setzt, der dir zeigt, was mit dem Auto alles möglich ist, wenn du mal einen schlechten Tag hast.

Ist Lewis Hamilton ein guter Partner?

Er war Weltmeister, er ist einer der Besten hier. Lewis ist superschnell, kaum ein anderer fährt so spektakulär wie er. Die Fans lieben das an ihm. Wir hatten schon ein paar schöne Kämpfe, aber wir respektieren uns. Das ist vielleicht das Wichtigste, wenn du so eng zusammenarbeitest.

Endlich mal wieder auf dem Podest nach langer Zeit

Ihre Karriere gleicht einer Achterbahnfahrt. Viele hatten Sie schon abgeschrieben, dann folgte 2009 der WM-Titel. Nun fahren Sie bei McLaren und sind ein Star. Wie ist es, überall das eigene Gesicht auf Werbeplakaten zu sehen?

Ganz schlimm ist es auf Flughäfen. Wenn ich irgendwo ankomme, lächle ich mich selbst oft von allen Seiten an. Das ist mir beinahe schon peinlich. Ich mag das nicht, ich wollte nie so sehr im Rampenlicht stehen. Ich genieße vielmehr mein Privatleben, die Zeit mit meinen Freunden und der Familie, wo ich weit weg bin von der Verrücktheit in der Formel 1. Aber ich weiß auch, dass diese Bilder zum Job gehören.

Sind Sie glücklich mit Ihren Leben?

Ja, sehr. Ich war einmal ein kleiner Junge aus Frome in Somerset. Aber ich habe die Welt gesehen, und diese Reise ist noch nicht zu Ende. Ich war acht Jahre alt, als ich zum ersten Mal ein Formel-1-Rennen gesehen habe: Alain Prost, Nigel Mansell - all diese Helden. Und nun bin ich dabei. Man könnte sagen, dass ich einen Traum lebe.

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